Galerie der Kunsttherapie

Gerda Dingemann

Die Kunsttherapie – ein für die Gesamttherapie in unserer Klinik besonders wichtiges Therapiefeld – wird von der Kunstpädagogin und Kunsttherapeutin Gerda Dingemann begleitet und konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Schwerpunkte:

  • kunsttherapeutische Gestaltungsgruppe
  • offenes Atelier

Die kunsttherapeutische Gestaltungsgruppe, bestehend aus 
jeweils 8–11 Personen, ist fester Bestandteil unseres psychoanalytischen integrativen Therapieprogramms und damit für alle Patienten der jeweiligen Gruppen verbindlich. Im Vordergrund stehen hier das aufdeckende gruppendynamische Arbeiten und die Stärkung der Persönlichkeit.

Die meisten Patienten haben seit ihrer Schulzeit nicht mehr gemalt, und so geht es in der Kunsttherapie zunächst um die Reaktivierung des kreativen Potentials. Wir gehen von einer Vorstellung von Kreativität aus, die man überall dort findet, wo das schöpferische Potential des Menschen unter dem Gesichtspunkt der Veränderung und Befreiung gesehen wird, das heißt von der unübersehbaren Ähnlichkeit des kreativen Prozesses mit dem Spiel.

Im spielerischen Umgang mit unterschiedlichen Materialien kann jeder Patient das für sich geeignete Material herausfinden. Zur Auswahl stehen Bleistifte, Buntstifte, Graphit, Kohle, Pastell- und Ölkreiden sowie Aquarell-, Tempera-, Acryl- und Ölfarben. In der Regel wird auf Papier oder auf Leinwand gemalt, dies schließt aber Ton, Gips (Reliefs, Masken), Assemblagen, Objekte aus unterschiedlichen Materialien, Fotografie und Video nicht aus.

Hat der Patient erst einmal das für ihn adäquate Material gefunden, ist seine Motivation erfahrungsgemäß sehr groß, und seine Gestaltungen werden auch aus ästhetischer Sicht immer besser. Oft entdeckt er auf diese Weise bislang ungeahnte Fähigkeiten und Stärken.

Diese „spielerische“ Einstiegsphase erleichtert es den Patienten, verdrängte, internalisierte Konflikte zunächst nonverbal auszudrücken, um sie dann in einem zweiten Schritt in das Bewusstsein und in die Sprache zu heben. Oft ist dies der initiale und wichtigste Weg, um sich der eigenen verschütteten oder oftmals auch wenig entwickelten inneren Phantasie- und Affektwelt in einer angstfreien, von Empathie getragenen Atmosphäre zu nähern.

So findet jedes Gruppenmitglied – oft mit Unterstützung der Kunsttherapeutin – sein eigenes „Entwicklungsthema“. Die Themen reichen von biografischen Aufarbeitungen über aktuelle Befindlichkeiten bis hin zu Entwürfen von Zukunftsperspektiven.

Das â€žOffene Atelier“ wird Patienten aller Therapiegruppen einmal wöchentlich angeboten. Hier liegt der Schwerpunkt auf der freien Umsetzung eigener Ideen und der Förderung des ästhetischen Ausdrucks. Das in den kunsttherapeutischen Gestaltungsgruppen reaktivierte kreative Potential kann hier mit Unterstützung der Kunsttherapeutin und im Austausch mit Mitpatienten weiterentwickelt werden.

Das „Offene Atelier“ ist des Weiteren ein sozialer Ort und Kommunikationsraum. Hier können die Patienten in Kunstkatalogen und -zeitschriften blättern und über Kunst, Kultur, Alltag und Gesellschaft diskutieren.

In der Berghofklinik besteht die Möglichkeit, die in der Kunsttherapie entstandenen Bilder und Objekte für einen Zeitraum von zirka 4–8 Wochen in der klinikeigenen Patienten-Galerie auszustellen. Darüber hinaus organisieren wir auch Ausstellungen außerhalb des Klinikbereichs, wie in kulturellen Einrichtungen, Universitäten und Galerien. Seit 2002 verfügen wir zudem über eine Internet-Galerie.

Viele Patienten der Berghofklinik setzen ihr künstlerisch/kreatives Schaffen auch nach der Therapie fort. Kunst und Kreativität wird ein fester Bestandteil ihres Lebens und dient ihnen als „Ventil“, um den Alltag besser meistern zu können. Des Weiteren führt der Stolz über die neu entdeckten Fähigkeiten zu einer immensen Steigerung des Selbstwertgefühls.

Fazit

Kunsttherapie – wie wir sie verstehen – geht über die eigentliche Therapie hinaus. Kunst und Kreativität wird zum „Selbstkonzept“. Das Ziel ist der „schöpferische“ Mensch, der „Lebenskünstler“, der sein Leben selbst gestaltet, in Eigenverantwortung und sozialer Kompetenz.

Dass bei einer solchen kunsttherapeutischen Konzeption, die keineswegs die Absicht verfolgt, Künstler hervorzubringen, dennoch in vielen Fällen Bilder und Objekte entstehen, die durchaus auch künstlerisch qualitativen Kriterien entsprechen, ist für uns eine immer wieder faszinierende Erfahrung.

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Gerda Dingemann, Kunsttherapeutin:
„Die Bedeutung der Kunsttherapie in der stationären Entwöhnungsbehandlung"