| Titel: | Mama hat Krebs | |
| Datum: | 9.6.2009
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| Ort: | Scheidegg | |
| Einrichtung: | Paracelsus-Klinik Scheidegg |
Mama hat Krebs
Gesprächsgruppe für Mütter
Das Mammakarzinom ist mit über 55.000 Neuerkrankungen in Deutschland die häufigste bösartige Erkrankung der Frau. Statistisch betrachtet erkrankt jede 9. bis 10. Frau. Gegenüber anderen, häufigen Krebserkrankungen wie dem Dickdarm-, Prostatakarzinom oder bösartigen Neubildungen in der Lunge, welche v. a. bei älteren Menschen vorkommen, sind 11.400 der Betroffenen, also ein Fünftel der Patientinnen, unter 50 Jahre alt (Quelle: Robert-Koch-Institut).
Die hohe Inzidenz der Erkrankung sowie das teils frühe Erkrankungsalter erklären den Bedarf einer intensiven Betreuung und sozialen Beratung dieser Frauen, nicht nur in Bezug auf Arbeitsplatzfragen, sondern speziell bei Fragen zur Kindes- und Familienbetreuung.
Die Kinder krebskranker Mütter wurden bisher in ihrer Angehörigenrolle häufig übersehen. Doch diese Kinder leisten oft psychische Schwerstarbeit - sie kämpfen mit ihren eigenen Ängsten und versuchen gleichzeitig häufig, die erkrankte Mutter zu schonen.
Die erkrankten Mütter haben verständlicherweise zunächst oft nur einen eingeschränkten Blick für die Belastungen ihrer Kinder. Gleichzeitig entwickeln sie nicht selten Schuld- und Versagensgefühle in Bezug auf die Kinder sowie zukunftsbezogene Ängste ( „Kann ich lange genug für meine Kinder da sein?“).
So entstehen nicht selten schwierige und konfliktreiche Situationen im System Familie.
Seit Oktober 2008 haben die betroffenen Mütter die Möglichkeit, sich in geschütztem Rahmen und mit professioneller Unterstützung mit anderen Betroffenen über ihre spezifische Situation auszutauschen und zu entlasten.
Inhaltliche Schwerpunkte des Gruppenangebots sind:
- Sensibilisierung der Mütter für die Ängste und Sorgen der Kinder
- Vermittlung von relevanten entwicklungspsychologischen Kenntnissen für verschiedene Altersstufen
- Umgang mit Schuld- und Versagensgefühlen
- Stärkung vorhandener Ressourcen
- Entlastung durch Austausch der Erfahrungen untereinander
- Konkrete Anregungen für eine hilfreiche und konstruktive Gesprächsführung im Umgang mit den Kindern
- Informationen über beratende und begleitende Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort
Um ausreichend Zeit für das sensible Thema zu haben findet das Angebot alle 2 Wochen statt mit einer Dauer von jeweils 90 Minuten. Die Patientinnen können 1-2mal daran teilnehmen.
In der Gesprächsgruppe sind höchstens 12 Patientinnen, sodass ein individuelles Eingehen auf die Probleme der Mütter möglich ist. Wenn von einer Patientin gewünscht, kann nach der Gruppe auch ein zusätzliches Einzelgespräch zu weiteren Vertiefung erfolgen.
Verantwortlich für die Planung und Durchführung des Angebots ist Frau Monika Raith-Ince, Diplom-Sozialpädagogin und Gesprächspsychotherapeutin.
Die Erfahrungen seit Beginn des Angebots sind sehr positiv, die Mehrzahl der Patientinnen erlebt die Gesprächsgruppe als hilfreich und entlastend. Seit kurzem wird zur Evaluation auch ein eigens entwickelter Fragebogen eingesetzt, um den Prozess der Anpassung und Verbesserung des Angebots zu unterstützen.
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