Düsseldorf :  Patientenforum
In unserem Forum haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu urologischen Sachverhalten und Problemen zu stellen und auf Beiträge zu antworten. Selbstverständlich können Sie dies anonym tun. Ausgewählte Fragen werden von einem Oberarzt unserer Klinik beantwortet. Bitte beachten Sie: Alle Anfragen werden nach aktuellem medizinischem Wissensstand beantwortet, dennoch kann ein Internetforum natürlich nicht den Besuch beim Arzt ersetzen!  
Hodenentfernung bei unentdeckter Teiltorsion
geschrieben von: sydneck
Datum: 26. September 2011 20:16

Hallo,

ich (40 Jahre, 2 Kinder) leide sei ca. 6 Wochen an Schmerzen im linken Hodenbereich. Der Schmerz - auch bei leichtem - Druck auf den Nebenhoden ist kaum erträglich. Ohne Berührung ist der Schmerz mit gelegentlicher Einnahme von Schmerzmitteln erträglich, aber sehr unangenehm. Die gleiche Symptomatik trat bereits vor 3 Jahren auf, hatte sich aber in relativ kurzer Zeit ohne weitere Behandlung zurückgebildet, wobei eine erheblich Berührungsempfindlichkeit geblieben ist.

Bei ärztlicher Vorstellung jetzt wurde zunächst eine Nebenhodenentzündung diagnostiziert, die mit Tavanic und Ibuprofen behandelt wurde. Nachdem dies keinen Erfolg brachte, erfolgte Umstellung auf anderes Antibitikum wegen möglicher Resistenzen. Nachdem wiederum keine Veränderung/Besserung eintritt, erfolgt erneute Vorstellung bei 2. Urologen. Dieser stellt fest, dass der linke Hoden deutlich kleiner als der rechte ist (links:3ml, rechts: 18ml). Ob der linke Hoden schon immer so klein war, weiß ich nicht. Der Urologe glaubt, dass eine unentdeckte Teil-Torsion des Hoden eine Unterversorgung und Verkümmerung des Hodens verursachen könnte. Eine Funktionalität des linken Hoden ist nach seiner Einschätzung nicht mehr gegeben. Er rät daher zu einer vollständigen Entfernung des linken Hodens, da er eine alternative Behandlung durch Durchtrennung von Nervengefäßen am betroffenen Hoden nicht für zielführend hält.

Mir kommt der geratene Schritt etwas radikal vor und ich hätte gerne Ihre Einschätzung und Ihren Rat. Insbesondere fürchte ich mich vor dem in diesem Bereich wohl nicht ganz unerheblichen Risiko späterer Phantomschmerzen.

Für Ihre Hilfe bedanke ich mich herzlich.

Mit freundlichen Grüßen,

Sydneck

Re: Hodenentfernung bei unentdeckter Teiltorsion
geschrieben von: Dr. Martin Petsch
Datum: 27. September 2011 11:23

Hallo Herr Sydneck,
danke für Ihre Mail.
Was die Ursache der Verkümmerung des einen Hoden ist kann man sicherlich nur mutmaßen.
Faktisch wird der nur 3ml große Hoden bei 18ml großem zweiten Hoden für die eigentlich Funktion (Samenzellproduktion, Hormonproduktion) keine wesentliche Rolle spielen. Ich würde es daher auch so sehen, dass man den Hoden anstelle einer Denervierung, eher entfernen kann.
Aber bitte lassen Sie sich ggf. noch von einem (weiteren) Urologen persönlich untersuchen und beraten. Danke.
Mit freundlichen Grüssen,
Dr.med. Martin J. Petsch
Facharzt für Urologie, Andrologie
und spezielle urologische Chirurgie
Fellow European Board of Urology
Leitender Arzt der Andrologie und Mikrochirurgie
Paracelsus Klinik Golzheim
Friedrich Lau Str. 11
40474 Düsseldorf
Tel.& Fax. 0211-4379-115
[www.androdoc.de]
dr.petsch@androdoc.de



In diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben. Bitte melden Sie sich an.