Bewegung ist das halbe Leben

Dr. med. Torsten Lühr

Seine Patienten beflügeln, so nennt Chefarzt Dr. Torsten Lühr das, wenn er zusammen mit seinem Team dafür sorgt, dass seine meist relativ betagten Patienten nach einer Operation wieder beweglich werden. Seit 10 Jahren leitet der Orthopäde mit Zusatzqualifikationen in Chirotherapie und physikalischer Therapie die Geschicke der Paracelsus-Klinik.

Dr. Lühr, hatten Sie einen guten Start in den Tag?

Oh ja, wie jeden Morgen bin ich mit dem Fahrrad von meinem Wohnort Bad Kreuznach durch die parkähnliche Landschaft des Nahetals bis zur Klinik gefahren - es geht schlechter, kann ich Ihnen sagen. Und Bewegung ist ja bekanntlich gesund.

Stichwort Bewegung - als Facharzt für Orthopädie ist Bewegung ja ihr Behandlungsgebiet, nicht wahr?


Die Wiederherstellung der Beweglichkeit ist sogar oberstes Therapieziel. Ich stelle das ganz bewusst sehr in den Vordergrund. Natürlich haben wir auch Ergotherapeuten und Psychologen am Haus, aber vorrangig geht es mir darum, den Patienten möglichst schnell wieder zu einem eigenständigen Leben zu verhelfen, mindestens aber die Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Die meisten unserer Patienten sind älter als 75 Jahre alt. Viele können zunächst gar nicht mehr alleine gehen, wenn Sie zu uns kommen. Wenn Sie nach einiger Zeit bei uns wieder alleine eine Treppe bewältigen, dann kommen auch Lebensmut und Selbstsicherheit zurück.

Was ist das Besondere im Umgang mit sehr alten Patienten?

Aus medizinischer Sicht haben wir es eben nicht nur mit orthopädischen Fragestellungen zu tun. Natürlich gibt es auch die rüstigen Rentner, die relativ schnell wieder fit sind. Viele unserer Patienten haben jedoch weitere Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche oder eine beginnende Demenz. Das müssen wir bei all unseren Maßnahmen mit berücksichtigen. Und natürlich haben die älteren Menschen einen erhöhten Pflegebedarf. Unsere Pflegekräfte machen da einen ganz tollen Job. Neben sehr professioneller und fürsorglicher Pflege üben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den alten Menschen auch für die Zeit nach dem Aufenthalt bei uns: Die alltägliche Pflege, Anziehen, der Umgang mit Hilfsmitteln und vieles mehr. Ich habe das Glück, dass ich hier sehr motivierte und engagierte Mitarbeiter habe.

Wie sind Sie denn dahin gekommen, wo Sie heute sind - Chefarzt einer großen orthopädischen Reha-Klinik?

Die Entscheidung, Arzt zu werden, stand bei mir tatsächlich relativ früh fest. Das liegt wahrscheinlich an so einer Art Samariterkomplex, den wohl viele Ärzte haben. Dass ich dann Orthopäde wurde, hat unter anderem damit zu tun, dass ich immer viel Sport gemacht habe. Früher bin ich viel geschwommen, gesurft und habe auch Wushu, bei uns besser bekannt als Kung Fu, betrieben. Ich bin sogar zum Training nach China ins Ursprungsland dieses Sportes gegangen und habe dort einen Monat lang intensiv trainiert. Dort habe ich auch erleben dürfen, dass viele ältere Menschen mit ihrem täglichen Training von Taiji und Qi gong noch sehr fit sind. Als Orthopäde habe ich dann an verschiedenen Akutkliniken gearbeitet, unter anderem an der Freien Universität Berlin und in der Kreuznacher Diakonie. Als dann die Paracelsus-Kliniken für Bad Münster einen Chefarzt suchten, habe ich mich beworben. Das war vor 10 Jahren. Und dieser Job macht mir nach wie vor große Freude. Wenn Sie die große Dankbarkeit unserer Patienten für unsere Hilfe hier erleben, dann verstehen Sie schnell, warum. Und als Privatmensch kann ich sagen, die Gegend hier ist einfach sehr schön und landschaftlich extrem reizvoll. Für die Patienten ist das wunderbar, die genießen den Gang durch den nahen Kurpark oder ans Flussufer der Nahe.