Corona Chatbot
30. April 2020

Aus dem Epizentrum einer Klinik

Seit Wochen fokussieren sich die Akutkrankenhäuser Deutschlands auf die Versorgung von Covid-19-Patienten. Auch das Paracelsus-Klinikum Sachsen hat an allen Standorten diese Vorkehrungen getroffen, geplante Operationen abgesagt Isolierstationen eingerichtet und zusätzliche Intensivbetten geschaffen.

Peter Walther, internistischer Chefarzt der Paracelsus-Klinik Zwickau und verantwortlich für den Isolierbereich der Klinik, erzählt im Interview von der derzeitigen Situation auf einer Isolierstation.

Haben Sie alle Hände voll zu tun?
Wir sind ziemlich gut vorbereitet was personelle, räumliche und gerätetechnische Ressourcen angeht. Die große Welle kann ich derzeit bei uns nicht erkennen. Wir behandeln Covid-19-Patienten sowohl auf einer isolierten Normalstation wie auch auf der Intensivstation.  Wir haben auch aktuell ausreichende Kapazitäten, sodass es uns möglich ist, sehr geordnet und in Ruhe die Abläufe rund um die Versorgung dieser Patienten immer weiter zu verbessern. Dies geschieht  in enger Zusammenarbeit aller Fachrichtungen, da die betreffenden Patienten ja auch andere Befunde und eventuell akute Erkrankungen anderer Fachrichtungen aufweisen. Sollten in nächster Zeit die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen schrittweise gelockert werden und im Zweifel es daraufhin nochmals zu einer zahlenmäßigen Zunahme der COVID – Patienten kommen, so werden wir sofort in der Lage sein, unsere Behandlungsplätze für diese Patienten wieder nach oben zu fahren.

Wie erleben Sie die Patienten auf der Isolierstation?
Das eingehende, persönliche Gespräch und die Zuwendung, welche damit vebunden sein muss, sind enorm wichtig. Die meisten Covid-19-Patienten, die wir stationär aufnehmen, sind relativ alt. Und diese Menschen glauben ganz häufig, dass sie sterben werden, weil sie alt sind, weil sie zur Risikogruppe gehören, weil so viel in den Medien über das Sterben berichtet wird. Ich erkläre immer ehrlich und möglichst transparent, wie die Situation ist. Wenn wir dem Patienten dann mitteilen können, dass er auf dem Weg der Besserung ist, dann freut mich das jedes Mal auch persönlich und das spüren die Patienten.

Was ist Ihre Empfehlung im Umgang mit Corona?
Ich möchte jetzt nicht die schon oft gesagten Verhaltensregeln aufzählen, sondern eher an die innere Haltung der Menschen appellieren: Ernsthaftigkeit im Umgang mit diesem Virus, der uns noch lange beschäftigen wird, ist sicherlich richtig. Aber Panikmache, Angst, Hamsterkäufe und Ressentiments sind überhaupt nicht angebracht. Ich erlebe ganz oft, dass diese Krise das Beste in den Menschen hervorbringt. Wir hier an der Klinik rücken zum Beispiel spürbar zusammen. Ärzte und Pflegekräfte aus anderen Fachbereichen bieten ihre Hilfe an. Wir sind hier auf der Isolierstation so etwas wie das Epizentrum der Klinik und ich stelle fest: Die Motivation im Team ist enorm hoch, alle bleiben bei der Stange. Das freut mich bei aller Anspannung, die natürlich auch greifbar ist.Wer jetzt ins Krankenhaus muss, hat der nicht ein höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken?
Nein, auf keinen Fall! Lassen Sie mich das ganz deutlich sagen: Wer akut krank ist, sich verletzt hat oder eine chronische Erkrankung hat, die eine  ärztliche Begleitung  und Behandlung erfordert, gehört in die Hände eines Arztes. Dafür verfügen wir auch weiterhin wie schon in der vergangenen Zeit über ausreichende Kapazitäten auf Stationen, die räumlich und funktionell komplett vom Isolationsbereich getrennt sind. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht also nicht, die MVZs und der Krankenhausbetrieb laufen an all unseren Standorten ganz normal weiter.