Motivationsbehandlung

Die vierwöchige stationäre Motivationsbehandlung ist ein Behandlungsangebot, welches wir seit 1999 in enger Kooperation mit Betrieben durchführen. Sie ist Bestandteil einer Maßnahme der Frühintervention am Arbeitsplatz und bietet die Möglichkeit eines frühen Ausstiegs aus der Sucht.

Die Aufnahme in der Berghofklinik kann nach vorheriger Kostenzusage durch die Krankenkasse schnell  und unkompliziert innerhalb von drei Tagen erfolgen.

Ziel der Behandlung ist es, eine Krankheitseinsicht zu erreichen und Veränderungsbereitschaft zu wecken. Gelingt dies (was bisher bei 80 % der Patienten der Fall war), entscheidet sich die Patientinnen und Patienten  in der Regel zu einer weiterführenden Entwöhnungsbehandlung. Die Antragstellung beim Rentenversicherungsträger auf eine dann zwölfwöchige Entwöhnungsbehandlung erfolgt durch uns.

Die Patienten brauchen dazu keinen Wechsel der Einrichtung mehr vornehmen. So sind keine Zeiten zwischen zwei Behandlungen zu überbrücken, die häufig erhöhte Rückfallgefahr beinhalten. Anschließend erfolgt die Weitervermittlung in ambulante Nachsorgeangebote und Selbsthilfegruppen.

Hintergrund

Lediglich 1-2 % der ca. 1,5 Mio. (Jahrbuch Sucht 2006) abhängigkeitskranken Menschen nehmen erst nach durchschnittlich zwölf Jahre andauernder Abhängigkeit ambulante oder stationäre Entwöhnungsbehandlungen in Anspruch. Ursache ist die starke Tendenz abhängigkeitskranker Menschen zur Verleugnung und Verharmlosung des Suchtgeschehens sowie der eher hochschwellige Zugang zu ambulanten/stationären Angeboten. Er erfordert eine Einsicht in das Krankheitsgeschehen und / oder hohen sozialen Druck durch Familie und/oder Arbeitsplatz. 

Vorgesetzte tun sich häufig schwer, Betroffene anzusprechen und frühzeitig einen Maßnahmenkatalog einzuleiten. Zeitgleich nehmen Abhängigkeitskranke aufgrund massiver körperlicher Folgeerkrankungen, Intoxikationen und / oder Unfällen häufig die medizinische Versorgung am Wohnort in Anspruch, ohne dass auch hier gezielte Maßnahmen eingeleitet werden. Zugrundeliegende Ursachen (Alkohol- und Medikamentenmissbrauch) werden oft von niedergelassenen Ärzten nicht erkannt bzw. von Patienten geleugnet. Außerdem besteht auch hier Unsicherheit, ob und wie Abhängigkeitskranke in der ärztlichen Praxis angesprochen werden können, ohne dass eine Konfrontation zum Arztwechsel führt.

Durch enge Kooperation zwischen Betrieb, betrieblicher Sozialberatung und Fachklinik wird der Betroffene im Rahmen eines Maßnahmenkatalogs am Arbeitsplatz frühzeitig der spezialisierten vierwöchigen Motivationsbehandlung zugeführt.

Vorteile

  • Der frühe Ausstieg verringert Leistungseinbußen und Fehlzeiten am Arbeitsplatz sowie die körperliche Folgeerkrankungen, deren Behandlung die Krankenkassen viel Geld kostet.
  • Ebenso werden wiederholte Entgiftungsbehandlungen (Drehtüreffekte) in Krankenhäusern vermieden.
  • Stattdessen werden gezielt medizinische und psychotherapeutische Maßnahmen in spezialisierter (kostengünstigerer) Einrichtung  eingeleitet.
  • Schulungen von Vorgesetzten im Umgang mit Suchtproblemen am Arbeitsplatz führen zu einer Sensibilisierung der Problematik. Vorgesetzte lernen, Betroffene zu identifizieren, anzusprechen und den betrieblichen Sozialberatern zuzuweisen.
  • Betroffene können sich vertrauensvoll an ausgebildete Sozial- und Suchtberater wenden, die weiterführende Hilfen anbieten.
  • Die enge Kooperation zwischen allen Beteiligten ermöglicht ein Klima der Hilfestellung in Abhängigkeitsfragen am Arbeitsplatz.

Behandlungsziele

Die Behandlung zielt darauf ab, eine realistische Einschätzung des Suchtverhaltens zu erarbeiten („Bin ich abhängig?") und die Bereitschaft zu entwickeln, etwas zu verändern („Was will ich, was muss ich verändern?") zu entwickeln. Informationen zum Krankheitsbild und Krankheitsverlauf sollen die Auseinandersetzung mit dem eigenen Krankheitsgeschehen fördern. 

Eine Einbeziehung der Angehörigen ermöglicht eine Konfrontation mit dem realen Suchtgeschehen und dient dem Abbau von Verharmlosung und Verleugnung.