19. Februar 2020

Bindeglied zu den Patienten

Eine Pain Nurse im Porträt: Micaela Pressberger findet, dass sie den tollsten Beruf der Welt hat.

An Parkinson erkrankte Menschen und deren Angehörige befinden sich in einer gesundheitlichen Situation, die das gesamte Leben prägt – mit Fortschreiten der Krankheit wachsen auch die Herausforderungen. Um hier die Versorgung der Patienten zu verbessern, gibt es seit knapp 15 Jahren hierzulande „Parkinson Nurses“, speziell ausgebildete Pflegekräfte, die sich durch eine einjährige Fortbildung auf die Betreuung von Parkinson-Patienten spezialisieren.

Micaela Pressberger ist eine solche „Parkinson Nurse“; sie arbeitet in der neurologischen Abteilung der Paracelsus-Klinik Bremen. Micaela Pressberger hat die einjährige Fortbildung zur Parkinson Nurse absolviert, ihren Fokus hat sie schon seit ihrer Ausbildungszeit vor 25 Jahren auf die Neurologie und da ganz besonders auf die Parkinson-Erkrankung gelegt.

Aber was genau macht eigentlich eine Parkinsonschwester oder Parkinson Nurse?

Sie übernimmt im Prinzip alle Aufgaben, zu denen die behandelnden Ärzte außerhalb der Sprechstunden nicht immer die Möglichkeit haben.

Sie widmet sich mit Zeit und Geduld den Patienten und Angehörigen, berät diese und informiert bei Veranstaltungen über Hilfsmöglichkeiten, Kontakte zu Selbsthilfegruppen oder die frühzeitige Erkennung von Komplikationen.

Sie berät außerdem Pflegekräfte in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, denn während der normalen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin lernen die Pflegeschüler und -schülerinnen nur wenig über die Besonderheiten im Umgang mit Parkinson-Patienten.

Eine Parkinson Nurse ist das Bindeglied zwischen Arzt und Patient. Außerdem verstehen sich Parkinson Nurses als „treibende Kraft“, um das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und so ein Mehr an Lebensqualität und Beweglichkeit zu erhalten. Die Patienten sollten aktiv gegen ihre Krankheit ankämpfen: “Wir wollen den Patienten auch vermitteln, wie wichtig es ist, auf Selbstwirksamkeit zu vertrauen”, erklärt Pressberger. Denn: “Tabletten alleine reißen es einfach nicht raus. Wenn sich die Patienten nicht bewegen, werden sie zunehmend starrer”, führt die Delmenhorsterin aus.

Fit für die Pflege von Parkinson-Patienten

Doch nicht nur pflegenden Angehörigen und Parkinson-Patienten vermittelt Pressberger die unterschiedlichsten Hilfsangebote. “Eine Pflegekraft hat in ihrer Ausbildung nichts über Parkinson gelernt, weiß nichts über Medikation und das Handling mit erkrankten Menschen”, weiß die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin aus eigener Erfahrung. Dieses Verständnis, aber auch fachliche Informationen vermittelt sie Pflegekräften beispielsweise in Vorträgen.

Verständnis für das Gegenüber wecken ist in vielen Situationen Teil der Arbeit einer Pain Nurse. So sind beispielsweise Angehörige im Umgang mit dem Erkrankten, aber auch mit den betreuenden Pflegekräften hilflos: „Die Arbeitsbedingungen in einem Pflegeheim sind sportlich, aber die Mitarbeiter sind mit Herzblut dabei. Manche Angehörigen ärgern sich trotzdem, wenn etwas nicht richtig läuft – ohne zu bemerken, was hingegen alles richtig läuft, erklärt Pressberger. Und sie erzählt von einer Unterkunft, die Urlaub für pflegende Angehörige anbietet. “Sie merken oft, dass sie auf der einen Seite die Pflege überfordert und sie dringend mal raus müssen”, ist der 58-Jährigen aufgefallen. “Aber sie trauen sich auf der anderen Seite nicht, den an Parkinson erkrankten Verwandten in die Verhinderungspflege zu geben, weil sie Angst haben, dass dort etwas anders gemacht wird als sonst.”

Deswegen empfiehlt sie pflegenden Verwandten Einrichtungen, in denen beide zusammen Urlaub machen können: Pflegender und Pflegebedürftiger. „Es gibt sogar Unterkünfte, in die man Haustiere mitnehmen kann”, sagt sie.

Unter anderem bietet die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. (https://www.parkinson-vereinigung.de/diverse-inhalte/parkinson-nurse.html) die Fortbildung an.

Voraussetzung ist eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege und eine mindestens zweijährige Berufserfahrung.