7. Oktober 2021

Brustkrebs blind ertasten

Winzig kleine Knötchen in der Brust, zwischen 6 und 8 Millimeter groß, kann Christine Kanetzki mit ihren Händen ertasten. Damit kann sie Brustkrebs schon in einem sehr frühen Stadium ertasten. Christine Kanetzki ist nahezu blind, ihr Tastsinn ist deshalb besonders gut ausgeprägt. Und den stellt sie in den Dienst des Paracelsus Praxisteams rund um die Gynäkologin Dr. Annett Feist. „Früherkennung entscheidet beim Brustkrebs oft über Leben und Tod. Denn nicht das Mammakarzinom in der Brust ist lebensbedrohlich, sondern seine Metastasen. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Die gute Nachricht: Brustkrebs ist heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird“, erklärt Dr. Annett Feist.  

Taktilographie gegen den Brustkrebs

Christine Kanetzki ist ausgebildete Medizinisch-Taktile Untersucherin /MTU). Sie ist beim Sozial- und Inklusionsunternehmen discovering hands angestellt, das blinde und stark sehbehinderte Frauen zu (MTUs) ausbildet. Discovering hands hat dieses Tätigkeitsfeld entwickelt. Die Wirksamkeit der Taktilographie ist durch wissenschaftliche Studien die bestätigt. Bereits 29 gesetzliche und alle privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Vorsorge bei Brustkrebs. Anderweitig versicherte Frauen können sie als IGeL-Leistung wahrnehmen. Derzeit gibt es bundesweit erst knapp 50 Medizinisch-Taktile Untersucherinnen, Annett Feist gehört mit diesem zusätzlichen Angebot also zu den Vorreiterinnen für eine Untersuchungsmethode, die eine normale Brustkrebs-Vorsorge hervorragend ergänzt.

Dem Mammakarzinom auf der Spur

Eine MTU tastet die weibliche Brust nach einem standardisierten und evaluierten Verfahren in drei Tiefenschichten der Brust vollständig ab. Eine solche apparatefreie Tastuntersuchung dauert je nach Beschaffenheit der Brust zwischen 30 und 50 Minuten. Ergibt sich ein auffälliger Tastbefund teilt die MTU das dem Arzt oder der Ärztin mit. Es folgen dann weitere Untersuchungen wie Brustultraschall oder Mammografie, um Brustkrebs sicher zu erkennen.

Dr. Anett Feist, die diese zusätzliche Diagnosemethode seit Januar in ihrer gynäkologischen Praxis anbietet, ist überzeugt, „dass wir Frauen jeden Alters mehr diagnostische Sicherheit anbieten können. Christine Kanetzki ist die Tastspezialistin im Team. Mit ihrem besonders feinen Tastsinn kann sie wesentlich kleinere Gewebeveränderungen als ich erspüren.“

Weiterer Vorteil für die Patientinnen: Die MTU hat viel mehr Zeit für die Brustuntersuchung, als es normalerweise im Praxisalltag möglich ist. Die MTU arbeitet dabei immer unter ärztlicher Verantwortung eines gynäklogischen Facharztes.

Ratgeberin für die Frauen

Für Christine Kanetzki und viele andere sehbehinderte Frauen ist die Weiterqualifizierung zur MTU eine gute und vor allen Dingen sinnstiftende Möglichkeit, trotz Behinderung berufstätig zu sein und sich so ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Teilhabe zu bewahren. „Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich so viel Zeit für meine Patientinnen habe und sie durch die regelmäßige Früherkennung gut versorgt weiß“, erzählt die Tastexpertin. „Ich bin ihre Zuhörerin und Ratgeberin und kann ihnen Sicherheit geben, auch weil ich mich laufend fortbilde.“