"Wir können schnell reagieren"

Bei Prof. Wolff sind die Wege kurz, Düsseldorf-Golzheim

Die Paracelsus-Klinik Düsseldorf-Golzheim ist die größte urologische Fachklinik Deutschlands. Das merkt man ihr aber kaum an: Sie liegt idyllisch zwischen alten Bäumen mitten in der Stadt, das Hauptgebäude ist ein stilvoller Backsteinbau aus den 1920er-Jahren. Chefarzt Prof. Dr. Johannes Wolff kommt direkt aus dem OP zum Interview. Eigentlich operiert er montags nicht, sondern hat Sprechstunde – heute muss aber beides reinpassen.

Wollten Sie schon immer Arzt werden?

Nein, sondern Musiker! Ich habe jahrelang in einer Bigband Trompete gespielt und hatte mir schon eine Profikarriere ausgemalt. Mir wurde dann aber klar, dass ich dafür nicht gut genug bin. So kam ich zur Medizin, mit der ich auch schon lange geliebäugelt hatte. 

Und warum fiel Ihre Wahl auf die Urologie?

Nach dem Studium war ich zunächst fast 2 Jahre in der Chirurgie. Nach einem weiteren Jahr in der Frauenheilkunde bin ich dann in der Urologie hängengeblieben. Hier kann man nicht nur operieren, sondern auch konservativ behandeln und betrachtet ein Organsystem im Ganzen, das hat mich gereizt. 

Inzwischen sind Sie Chefarzt und arbeiten als gebürtiger Kölner ausgerechnet in Düsseldorf. Geht das denn?

Tja, das ist so eine Sache mit der rheinischen Konkurrenz. Die Klinik Golzheim fand ich aber schon immer interessant: Sie hat eine lange Tradition und ist unter Urologen eine bekannte Institution. Daher bin ich wirklich sehr gern hier.

Was macht diese Klinik so besonders?

Als Fachklinik bieten wir eine umfassende Versorgung von Operationen über Chemotherapie bis zur medikamentösen Nachbehandlung. Dabei sind wir im Gegensatz zu größeren Häusern wendiger, können schneller kommunizieren und reagieren, die Wege sind kurz. Ich kann mich z. B. direkt mit unseren Anästhesisten absprechen, wir müssen uns nicht nach anderen Disziplinen richten. Außerdem ist die Arbeit hier sehr strukturiert und zeiteffizient. Pfleger und Ärzte harmonieren gut, wir haben flache Hierarchien. Gemeinsam schaffen wir dann erstaunlich viel! 

Sie leiten die Klinik Golzheim seit 1,5 Jahren. Was haben Sie hier Neues vor?

Wir haben in diesem Jahr angefangen mit der Ultraschall-MRT-Fusionsbiopsie bei Prostatakarzinomen. Dabei überlagert man Real-Time-Ultraschall mit vorher angefertigten MRT-Bildern, auf denen die Radiologen den auffälligen Bereich markiert haben – sogar dreidimensional. 

So können wir die Stelle im Ultraschall ­exakt auffinden und gezielt biopsieren. Das machen erst wenige Kliniken in Deutschland. Als nächsten Schritt möchten wir in ­Zukunft sehr kleine Prostatakarzinome fokal behandeln, wahrscheinlich mit hoch fokus­siertem Ultraschall. 

Sie screenen alle Patienten auf MRSA. War das Ihre Idee?

Das generelle Eingangsscreening ist ein seit Jahren etablierter Teil des Hygienemanagements. Das RKI gibt lediglich ein risikoadaptiertes Screening vor, wir haben uns aber entschieden, mehr zu tun und alle Patienten zu testen. Das Wissen über den Status des Patienten ist nicht nur für die individuelle Behandlung des Patienten mit einer MRSA-Besiedlung wichtig, ­sondern schließt auch Schutzmaßnahmen für andere, nicht betroffene Patienten ein. Vor allem zur Vermeidung postoperativer Infektionen können vorab gezielte Sanierungsmaßnahmen geplant und durchgeführt werden.

Haben die Patienten Verständnis dafür, dass sie quasi verdachtsunabhängig auf resistente Keime getestet werden?

Die Patienten sind durch die Medien sehr gut aufgeklärt und wissen, dass wir dies tun, um ihnen den bestmöglichen Behandlungserfolg zu gewährleisten.

Stehen Sie selbst noch oft im OP?

Ich operiere an 3 Wochentagen selbst, u. a. die Privatpatienten. An den übrigen 2 ­Tagen habe ich Sprechstunde. 

Gibt es neben den geplanten Operationen viele Notfälle?

Ja, wir müssen unseren OP-Plan morgens oft anpassen, wenn nachts jemand notfallmäßig aufgenommen wurde. Wir versorgen den größten Anteil der urologischen Notfälle in Düsseldorf. 

Viele urologische Beschwerden sind schambesetzt. Wie gehen Sie damit um?

Probleme wie Inkontinenz sollte man vorsichtig und sensibel, aber offen ansprechen. 

Natürlich fällt es den meisten Patienten leichter, über Herzbeschwerden zu sprechen – aber der Leidensdruck ist ja da, und die Patienten sind letztendlich dankbar. Immerhin betrifft Inkontinenz Millionen Menschen in Deutschland! 

Ihre Klinik und Sie persönlich erhalten seit Jahren Bestnoten in diversen Rankings. Entscheiden sich Patienten auch deshalb für Ihre Klinik?

Sie informieren sich jedenfalls zunehmend über die Kliniken und Ärzte, v.a. im Internet. Eine gute Bewertung ist da sicher hilfreich. 

Bemühen Sie sich gezielt um gute Noten?

Nein, wir versuchen einfach, im Alltag gute Arbeit zu machen. Wenn sich das in Rankings positiv niederschlägt – umso besser. 

Sind Sie auch noch wissenschaftlich tätig?

In einem Versorgungskrankenhaus wie hier ist das eher zweitrangig. Ich habe aber einen Lehrauftrag in Aachen, wo ich habilitiert wurde, zusätzlich arbeite ich ehrenamtlich in mehreren wissenschaftlichen Arbeitskreisen mit, was mir viel Spaß macht. Ich würde Golzheim gern zum Lehrkrankenhaus machen. Für eine Fachklinik sind wir ja recht groß: Bei etwa 3900 Patienten im Jahr sehen wir auch exotische Fälle wie seltene Tumore oder Missbildungen. 

Welche Kriterien muss man erfüllen, um bei Ihnen eine Stelle als Assistenzarzt zu bekommen?

Wir laden die interessanten Bewerber immer zu einer eintägigen Hospitation ein. Dabei ist mir wichtig, dass sowohl die anderen Assistenten als auch die Oberärzte sie kennenlernen. Deren Meinung hole ich mir dann ein, bevor ich selbst mit dem Kandidaten spreche. Mich interessiert: Was hat er gemacht? Warum möchte er gerade in die Urologie, warum gerade zu uns? Das sollte er oder sie authentisch darlegen können.

Prof. Dr. med. Johannes Maria Wolff, M. Sc.

studierte von 1978–1984 in Köln Medizin. ­Anschließend leistete er seinen Wehrdienst als Stabsarzt bei der Luftwaffe in Jever. 1986 begann er zunächst eine Weiterbildung in der ­Chirurgie, wechselte dann zur Frauenheil­kunde und schließlich zur Urologie. An der Urologischen Klinik der RWTH Aachen absolvierte er 1992 seine Facharztprüfung. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt in Edinburgh arbeitete er in Aachen als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberarzt. 1996 folgte die Habi­litation, von 1999–2003 war Prof. Wolff stellvertretender Direktor der Urologischen Klinik der Universität Rostock. Anschließend arbeitete er als Chefarzt in Bad Mergentheim und Viersen, bevor er 2014 zur Paracelsus-Klink Düsseldorf-Golzheim wechselte.

Das Interview erschien in der Ausgabe 3/16 der "Lege artis" - Das Magazin zur ärztlichen Weiterbildung.