Fasziniert von der Komplexität der Wirbelsäule

Dr. med. Jürgen Ropers, Wirbelsäulenchirurg

Dr. med. Jürgen Ropers, Wirbelsäulenchirurg

Am 1. Juli 2014 hat Dr. Jürgen Ropers den Chefarztposten der Wirbelsäulenchirurgie in der Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg übernommen. Der 42-jährige Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist ein erfahrener Wirbelsäulenchirurg. Allerdings greift er als Chirurg nicht automatisch zum Messer, sondern besteht auf fachübergreifende und multimodale Therapie, in der die Operation nicht zwingend Teil der Behandlung ist. "So wenig wie möglich und so viel wie nötig" ist sein Credo.

Nun sind Sie mit Dienstantritt im Juli 2014 Chef der Abteilung für Wirbelsäulenchirurge hier in Henstedt-Ulzburg geworden. Wie sind Ihre Pläne?

Ich übernehme die Leitung einer Abteilung, die zwar erst seit einem Jahr an der Klinik etabliert ist, die aber bestens läuft. Ich kann also auf eine exzellente Arbeit meines Vorgängers aufbauen, große Umwälzungen sind überhaupt nicht notwendig.

Es erwartet Sie also sofort eine Menge Arbeit?

Ja, wir sind hier auf einem guten Weg. In der Bevölkerung ist es mittlerweile bekannt, dass die Paracelsus-Klinik eine Versorgung auf sehr hohem Niveau anbietet und zwar wohnortnah und in enger Verzahnung mit den niedergelassenen Kollegen hier vor Ort. Die Wirbelsäulen-Sprechstunden sind fast immer ausgebucht; viele Patienten suchen Rat in der Paracelsus-Klinik und werden durch das ärztliche Team erfolgreich behandelt - konservativ oder operativ. Jetzt geht es um den Ausbau des Leistungsspektrums.

Wie wollen Sie das Versorgungsangebot ausbauen?

Bei den wirbelsäulenchirurgischen Verfahren decken wir jetzt schon ein sehr breites Spektrum ab. Mikrochirurgische Bandscheibenoperationen, Wirbelkanalerweiterungen, komplexe Wirbelsäulenstabilisierungen, Zementauffüllung bei Wirbelkörperbrüchen oder die Rekonstruktion bei Instabilität oder Verkrümmungen gehören zum operativen Angebot. Künftig werde ich ergänzend den Einsatz von Bandscheibenprothesen anbieten, ein Eingriff, den ich in meiner viereinhalbjährigen Zeit als Oberarzt im Wirbelsäulenzentrum des Diakonie-Klinikums Stuttgart in hoher Fallzahl durchgeführt habe. Der Einsatz einer künstlichen Bandscheibe als Ersatz für eine beschädigte Bandscheibe ist heutzutage gar nicht so selten. Dieser minimalinvasive Eingriff erfordert jedoch sehr viel Erfahrung und kann nur durchgeführt werden, wenn andere Erkrankungen an der Wirbelsäule, z.B. eine Entzündung, fortgeschrittener Verschleiß oder eine Fraktur des Wirbelkörpers ausgeschlossen werden kann. Zum Glück sind wir hier an der Klinik apparativ bestens ausgestattet und das Fachärzteteam ist sehr erfahren.

Intensivieren werde ich die Behandlung von Tumorerkrankungen an der Wirbelsäule, da sind bereits fachübergreifende Behandlungskonzepte zusammen mit dem Tumorboard der Klinik etabliert.

Sie sind jedoch nicht nur als Operateur für Ihre Patienten zuständig?

Oh nein, im Gegenteil, eine erfolgreiche Behandlung an der Wirbelsäule kann nur gelingen, wenn ich meine Patienten sehr intensiv berate und untersuche. Menschen mit einer kranken Wirbelsäule haben oft eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich. Denn die Wirbelsäule ist ein sehr komplexes Gebilde, die Ursache für die oft sehr heftigen Schmerzen ist nicht immer sofort eindeutig. Ich betreibe also zu Beginn erst einmal zusammen mit meinem Patienten Ursachenforschung. Und erst wenn ich sicher wissen kann, wo der Hase im Pfeffer liegt, erarbeiten ich und mein Team den Therapieplan. Und das bedeutet nicht zwangsläufig Operation.

Aber bei Patienten, die schon alles Mögliche an konservativen Therapien ausprobiert haben, ist ein operativer Eingriff ja vielleicht die beste Lösung?

Da mag ich mich nicht pauschal festlegen. Wir haben hier an der Klinik ein stationäres Behandlungskonzept etabliert, welches uns erlaubt, den Patienten sehr gut zu untersuchen und zu behandeln und zwar intensiv über mehrere Tage. Eine Entlastung des Patienten durch eine punktgenaue Schmerztherapie der betroffenen Wirbelsäulenregion und anschließende Behandlung mit maßgeschneiderter Physiotherapie und ergänzender Schmerzmedikation führt in vielen Fällen dazu, dass wir eine Operation zumindest erst einmal aufschieben wenn nicht gar ganz vermeiden können. Und sollte es doch zu einem operativen Eingriff kommen, ist auch hier eine sehr engmaschige Versorgung vor und nach der Operation von entscheidender Bedeutung für einen erfolgreichen Heilungsverlauf.

Was ist denn für Sie eine gute Nachsorge?

Ich entlasse meine Patienten nicht einfach, sondern ich möchte, sie nach dem Aufenthalt bei uns in kompetente Hände übergeben. Deshalb werde ich zusammen mit den Mitarbeitern unseres klinischen Sozialdienstes die Beratungsleistungen weiter intensivieren, um Nachsorge und Anschlussheilbehandlung bestmöglich zu organisieren. Und natürlich sehe ich die Patienten zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in der Sprechstunde. Ich bitte jeden Patienten, dieses ambulante Angebot auch wirklich wahrzunehmen.

Wie sind Sie zur Wirbelsäulenchirurgie gekommen?

Mein Interesse an der Wirbelsäulenchirurgie wuchs, während ich in der Unfallchirurgie am Klinikum Bamberg arbeitete. Dort hatte ich mich auf Wirbelsäulenverletzungen und Polytrauma spezialisiert. In Stuttgart habe ich dann das komplette Spektrum der Wirbelsäulenverletzungen und -erkrankungen erlernt. Dieses unglaublich komplexe und zentrale Organ des Körpers ist sehr faszinierend. Und in vielen Fällen kann ich meinen Patienten einfach wahnsinnig viel Leid ersparen. Denn Wirbelsäulenerkrankungen verursachen meist sehr heftige Schmerzen. Nach einer Behandlung, ob konservativ oder operativ, sind meine Patienten total erleichtert, die Mobilität kehrt zurück, die Lebensqualität steigt. Das ist für einen Arzt sehr befriedigend, kann ich Ihnen sagen.

Trotz Ihres hohen Arbeitspensums. Was machen Sie, wenn Sie nach Dienstschluss den weißen Kittel beiseite legen?

Bei mir gehört Sport einfach dazu. Ist vielleicht eine Berufskrankheit, denn ich sehe jeden Tag die Auswirkungen von Bewegungsmangel. Also fahre ich von meinem neuen Zuhause in Hamburg-Langenhorn wenn das Wetter es zulässt, mit dem Rad zur Arbeit. Als begeisterter Skifahrer muss ich hier im hohen Norden wahrscheinlich Abstriche machen. Aber jetzt möchte ich auch erst einmal meine neue Heimat kennenlernen, die ich aus meiner Kindheit schon ein wenig kenne. Mein Vater stammt nämlich aus Buxtehude.