Mediziner und Moderator

Dr. med. Michael Neubauer

Als ärztlicher Direktor der Klinik muss er unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen. Als Internist deckt er ein breites Spektrum in der Medizin ab. Bei allem nimmt Dr. med. Michael Neubauer das Gespräch mit seinem Gegenüber sehr ernst - und ist damit als Arzt und als medizinischer Leiter außerordentlich erfolgreich.

Viele ihrer Kollegen arbeiten ja als Belegärzte in der Klinik. Wie bekommen Sie die vielen unterschiedlichen Interessen unter einen Hut?

Das geht nur im permanenten gegenseitigen Austausch. Und genau dieser intensive Dialog untereinander ist Garant für ein hohes Qualitätsniveau. Wir lernen voneinander, neue Ideen und Konzepte werden an uns herangetragen. Organisatorische Abläufe und fachübergreifende Zusammenarbeit sind ziemlich optimiert an unserer Klinik, eben weil wir in so einem dichten Kommunikationsprozess sind und uns ständig weiter entwickeln und verbessern.

Was reizt Sie so an Ihrer Arbeit?

Die Bandbreite der Aufgaben. Ich arbeite als Arzt und tue mein Möglichstes, Menschen wieder gesund zu machen, das zum einen. Durch Kooperationen mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind wir eng an die universitäre Medizin hier in der Stadt angebunden, das bereichert die Arbeit natürlich ungemein. Darüber hinaus kann ich das Geschehen an der Klinik aktiv mitgestalten, Konzepte entwickeln und umsetzen. Und als medizinischer Direktor bin ich sehr stark als Moderator gefragt, der zwischen unterschiedlichen Interessengruppen vermittelt - das liegt mir vom Typ her sehr. Interessanter kann ich mir einen Arbeitsplatz kaum vorstellen.

Auch die Innere Medizin ist ja ein weites Feld. Gibt es denn einen persönlichen Schwerpunkt?

Wir bieten tatsächlich das gesamte Spektrum der Inneren Medizin an und wir tun das in allen Bereichen auf hohem Niveau. Ich gehöre noch zu einer eher seltenen Spezis Internist mit einem sehr breiten Spektrum.

Das liegt einerseits an meiner Ausbildung, die zu meiner Zeit noch sehr breit angelegt war. Ein weiterer Grund ist sicherlich mein Werdegang als Arzt: Nach Studienaufenthalt in den USA habe ich in der Pathologie angefangen, danach verschiedene internistische Abteilungen durchlaufen. Aber natürlich hat jeder von uns auch eine Spezialisierung. Bei mir ist das sicherlich die Gastroenterologie und hier insbesondere die Endoskopien. Wir erfahren da seit Jahren wachsenden Zuspruch, auch über unser direktes Einzugsgebiet Langenhagen hinaus.

Aber Endoskopien gehören doch zum Handwerkszeug eines jeden Internisten, oder?

Der Umgang mit den Patienten macht den Unterschied. Wir besprechen im Vorfeld mit unseren Patienten ausführlich Fragen oder mögliche Ängste und legen die Art der Betäubung zusammen fest.. Und für solche Gespräche müssen Sie sich Zeit nehmen, damit der Patient sich wirklich sicher und gut informiert fühlt. Was den endoskopischen Eingriff angeht, das können ich und meine Kollegen einfach sehr gut. Entscheidend ist aber die Kommunikation mit dem Patienten.

Woher kommen denn die kommunikativen Fähigkeiten?

Neben einer gewissen Veranlagung empfinde ich meine Zeit als Facharzt einer Diabetesklinik als prägend. Oberstes Therapieziel bei Diabetespatienten ist es nämlich, diese Menschen zu ihrem eigenen Therapeuten zu machen.

Und das schaffen Sie nur, wenn der Patient Ihnen vertraut und mit Ihnen zusammenarbeitet - und das wiederum erreichen Sie nur, wenn Sie den Menschen authentisch begegnen und ihn wertschätzen. Ich habe mich damals ganz gezielt in Kommunikationstechniken weitergebildet. Davon profitieren heutzutage sowohl meine Patienten als auch meine Mitarbeiter und Kollegen. Merkmal dieser offenen Atmosphäre ist zum Beispiel unsere Fehlerkultur. Wir reden offen, wenn etwas schief gelaufen ist.

Wollten Sie eigentlich schon immer Arzt werden?

Ich bin Sohn eines Mediziners, da lag das schon nahe. Es gibt aber ein prägendes Erlebnis als Schüler das den Ausschlag gab: In einer Kneipe beobachtete ich, wie ein Mensch vor einem Spielautomat einen epileptischen Anfall erlitt. Eine spezielle Form der Epilepsie wird nämlich durch Blitzeffekte ausgelöst, das war damals der Fall. Ich fand es absolut entsetzlich, nicht helfen zu können sondern zugucken zu müssen. Also habe ich mir die Medizin einmal näher angeschaut, damit mir das nie wieder passiert.

Aber an eine Uniklinik hat es Sie nie gezogen?

Reizvoll ist das natürlich schon, wobei mir in jedem Fall die Lehre sehr gefallen hätte. Aber die familiäre und offene Atmosphäre hier im Haus mit flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungswegen, die würde ich an einem großen Haus wie es die Maximalversorger nun mal sind, wohl nicht finden. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Pathologie und durch unser Austauschprogramm für Assistenzärzte mit der Kardiologischen Abteilung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) habe ich mir ja ein Stück universitäre Medizin ins Haus geholt.