Zeigt her eure Füße

Der Fuß ist es, den Dr. med. Kai-Uwe Schreiter stets im Blick hat, wenn Patienten sich von ihm behandeln lassen. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie gilt in der ganzen Region als ausgewiesener Experte für angeborene oder erworbene Erkrankungen des Fußes. Dass er wenig von Belehrung und viel von Beratung seiner Patienten hält, trägt zusätzlich zum guten Ruf des "Fußdoktors" bei.

Als Orthopäde beschäftigen Sie sich mit dem Fuß. Ist denn das so ein entscheidendes Körperteil?

Der Fuß ist in der Vergangenheit ein Stiefkind der Medizin gewesen. Die Behandlung beschränkte sich meist auf eine Versorgung durch den Orthopädieschuhtechniker zum Beispiel mit Einlagen. Das hat sich zum Glück stark gewandelt, Operationsverfahren wurden entwickelt und perfektioniert, die die Fußgesundheit wieder herstellen können. Denn schließlich laufen wir pro Tag zwischen zehn- und zwölftausend Schritte. Im Laufe eines Lebens umrunden wir also vier- bis fünfmal den Erdball. Da kann man schon mal Rücksicht auf dieses komplexe Körperteil "Fuß" nehmen.

Mit welchen Beschwerden kommen Patienten zu Ihnen?

Sehr häufig sehe ich Patienten mit einem Hallux valgus, einem pathologischen Schiefstand der großen Zehe mit entsprechendem Großzehenballen. Auch eine Arthrose des Großzehengrundgelenkes kommt häufig vor, ebenso die Krallenzehe bzw. Hammerzehe. Manchmal steht zunächst gar nicht der Fuß im Fokus, sondern der Patient kommt zu mir, weil er zum Beispiel Rückenschmerzen hat. Ursache der Schmerzen kann aber auch der deformierte Fuß sein. Also heißt es bei mir "Bitte den Fuß frei machen". Ich schaue bei fast jedem Patienten immer auch den Fuß an und stelle häufig eine Kettenproblematik fest. Ein deformierter Fuß kann eine falsche Belastung der Knie zur Folge haben, das kann sich wiederum auf die Hüfte auswirken und manifestiert sich eventuell in erheblichen Verspannungen der Halswirbelsäule mit schwerer Kopfschmerzsymptomatik. Es ist also klar: Wenn es den Füßen nicht gut geht, dann leidet auf Dauer der gesamte Bewegungsapparat.

Der Hallux valgus ist häufig anzutreffen. Was empfehlen Sie?

Es ist nicht zwangsläufig sofort eine Operation notwendig. Entscheidend ist das Befinden des Patienten, also ob er Schmerzen hat. Ganz wichtig: Ich empfehle eine Operation immer aus medizinischen Gründen, reine Kosmetik ist für mich kein Grund zu operieren. Es gibt allerdings keine konservative Behandlung, die den Verlauf der Fußfehlstellung auf Dauer stoppen oder gar rückgängig machen könnte.

Hohe Schuhe vermeiden ist doch sicherlich eine Möglichkeit?

Ich halte es ehrlich gesagt nicht für ratsam, Frauen vorzuschreiben, welche Schuhe sie tragen sollen. Es gibt auch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass sogenannte "high heels" einen Hallux valgus verursachen. Diese Deformation des Fußes ist meist erblich bedingt, ein absatzhoher Schuh kann jedoch die vorbestehende Fehlstellung verstärken. Ich bin als Arzt auch Dienstleister und kein Lehrmeister, der mit erhobenem Zeigefinger den Gesundheitsschuh einfordert.

Sie behandeln Ihre fußchirurgischen Patienten auch stationär?

Ja, in manchen Fällen ist ein stationärer Aufenthalt aufgrund des Befundes angezeigt. Je nach Schwere und Komplexität der Fußdeformation ermöglicht ein stationärer Aufenthalt eine viel bessere Versorgung des Patienten. Sie müssen sich das vorstellen: Für einen Fuß mit all seinen filigranen Knochen- und Sehnenstrukturen ist eine solche Operation ein erheblicher Eingriff. Direkt nach der Operation soll der Fuß überhaupt nicht belastet werden. Das ist natürlich zu Hause schwerer zu bewerkstelligen als im Krankenhaus, wo der Patient professionell versorgt wird.

Auf Station können wir auch eine adäquate Schmerztherapie anbieten, eventuelle Komplikationen werden viel schneller entdeckt und behandelt. Es gibt aber auch Fußoperationen, die man guten Gewissens ambulant anbieten kann. Das Entscheidende ist, für den jeweiligen Patienten die medizinisch sinnvolle Operationsmethode mit der entsprechenden Nachbehandlung zu planen. Ob stationär oder ambulant wird aufgrund des jeweiligen Befundes entschieden.

Wie sind Sie auf den Fuß gekommen?

In meiner Zeit als Orthopäde der St. Vincentius-Kliniken war ich bereits viel mit diesem Gebiet befasst. Und für mich war der Fuß schon immer ein wichtiger Teil des Stütz- und Bewegungsapparates. Also war es nur folgerichtig, sich darauf zu spezialisieren. Ein Fuß ist sehr komplex, 26 Knochen sind über 33 Gelenke miteinander verbunden und mehr als 100 Bänder halten diese Konstruktion zusammen. Da gibt es für den Operateur kein Schema F. Gute Ergebnisse zu erzielen, hängt natürlich auch von der Erfahrung des Operateurs ab. Genauso wichtig ist aber, dass sich der Patient strikt an die vorgeschlagene Nachbehandlung hält. Ich mache jährlich rund 300 Fuß-Operation in der Paracelsus Klinik Karlsruhe und meistens sehe ich die Patienten auch zur Nachbehandlung in meiner Praxis. Der Fuß und seine Behandlung ist also ein zentraler Bestandteil meiner täglichen ärztlichen Arbeit.

Warum sind Sie Arzt geworden?

Mein Vater ist ebenfalls Orthopäde, ich war also von Anfang an geprägt von der Medizin. Besonders gerne bin ich mit Ihm schon als Kind bzw. Jugendlicher in das Krankenhaus oder in die Praxis gegangen. Ich wusste schon früh: Ich will beruflich etwas mit und für Menschen machen. Als Spezialist für Fußerkrankungen kann ich wirklich sehr direkt helfen. So habe ich beispielsweise mehrfach Leistungssportler am Fuß operiert. Die konnten jeweils nach relativ überschaubarer Zeit wieder ins Training einsteigen. Grundsätzlich gilt das für alle meine Patienten. Mit einer Operation am Fuß lässt sich die Lebensqualität verbessern und der Aufwand der Nachbehandlung ist auch überschaubar.