Zentrale Anlaufstelle im OP

Dr. med. Karim Merzoug, Anästhesist und Schmerztherapeut

Dr. Karim Merzoug fährt im Urlaub gern in die Toskana.

Rund 30 Ärzte operieren in der Paracelsus-Klinik München - bei rund 30.000 Eingriffen war der Anästhesist Dr. Karim Merzoug mit seinem Team dabei. Sein Ziel ist es, möglichst schnell ein gutes Vertrauen zu den Patienten aufbauen zu können, um ihnen die Angst vor der Narkose zu nehmen. Der Anästhesist ist zudem als Intensivmediziner, Notarzt und Schmerztherapeut ausgebildet und kümmert sich auch um chronische Schmerzpatienten.

Herr Dr. Merzoug, wie kamen Sie auf die Idee, Anästhesist zu werden?

Als ich den Medizin-Studienplatz in Heidelberg bekam, dachte ich mir, dass es das Wichtigste für einen Arzt ist, Schmerzen zu lindern. Deshalb bin ich als Erstes in eine Buchhandlung gegangen, um mich über Schmerzmittel zu informieren. Im Laufe des Studiums merkte ich dann aber, dass die Schmerztherapie kein eigenes Fachgebiet ist und auch nicht zu den Pflichtveranstaltungen gehört, sondern nur so nebenbei mitläuft. Die Anästhesie fand ich am spannendsten, weil sie viele Facetten hat und weil es dort ja auch um das Thema "Schmerzen" geht. Als ich 1991 am Klinikum Neuperlach als Anästhesist arbeitete, kam meine Chefin mit dem Angebot auf mich zu, am Aufbau einer Schmerztagesklinik mitzuwirken. Damals waren die Schmerztherapeuten noch Autodidakten, in München hatte nur das Klinikum Großhadern eine Schmerzambulanz. Unsere Tagesklinik wurde die zweite ihrer Art in ganz Deutschland, von 1998 bis 2000 habe ich sie geleitet. Seitdem ich an der Paracelsus-Klinik München arbeite, hat sich der Kreis für mich wieder geschlossen: Jetzt arbeite ich als Anästhesist und als Schmerztherapeut. Sie haben im Jahr 2000 ihre eigene Praxis für Schmerztherapie in Räumen der Klinik eröffnet, kurz danach übernahmen Sie die Leitung der Anästhesie.

Wie teilen Sie sich die Arbeit ein?

Etwa 80 Prozent meiner Zeit beschäftige ich mich mit der Anästhesie, die restliche Zeit betreue ich chronische Schmerzpatienten. Ich finde die Mischung sehr reizvoll und freue mich über die Abwechslung. In der Anästhesie geht es um kürzere Zeitabschnitte, während die Schmerztherapie ein längerer Prozess ist, der sich über mehrere Wochen und Monate hinziehen kann.Sie sind als leitender Anästhesist für drei OP-Säle verantwortlich.

Wie teilen Sie sich die Arbeit mit Ihren Kollegen auf?

Ich habe zwei fachärztliche Kollegen. Hinzu kommen drei Weiterbildungsassistenten, die innerhalb der fünf Jahre dauernden Anästhesie-Ausbildung 18 Monate in unserer Klinik arbeiten. Für jeden OP-Saal sind insgesamt sechs Personen zuständig, darunter jeweils ein Arzt und eine Schwester für die Anästhesie. In diesem sensiblen Bereich müssen wir Facharztqualität bieten. Das heißt, dass jeder Patienten, der operiert wird, vor, während und nach der Narkose unter der Aufsicht eines Facharztes steht.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Um 6:30 Uhr beginne ich mit der Visite, dann folgt um 7 Uhr die Frühbesprechung mit den Ärzten. Ab 7:20 Uhr stehe ich im OP und sehe die Patienten, die sich meist ein paar Tage zuvor in unserer Anästhesiesprechstunde vorgestellt haben. Pro Tag haben wir zehn bis 20 OPs. Mit der leitenden OP-Schwester planen wir die ungefähre Dauer eines Eingriffs und beziehen dabei auch ein, wie lange der jeweilige Operateur wahrscheinlich braucht. Bei unseren knapp 30 Ärzten haben wir mittlerweile gute Erfahrungswerte. Das Ende meines Arbeitstages ist nicht genau festgelegt. Ich würde sagen, wenn die Arbeit getan ist und alle Patienten gut versorgt und zufrieden in ihren Betten liegen. Das kann auch schon mal etwas später sein. Ich arbeite jetzt seit 12 Jahren an der Paracelsus-Klinik München und habe in dieser Zeit mit meinem Team die Verantwortung für rund 30.000 Patienten übernommen. Vor der Narkose haben viele Patienten Angst.

Wie gelingt es Ihnen, sie zu beruhigen?

In meinem Beruf muss man die Kunst beherrschen, innerhalb von wenigen Minuten das Vertrauen der Patienten zu gewinnen. Dies beginnt schon im Vorgespräch während der Anästhesiesprechstunde. Ich versuche auch immer vor der Operation ein kurzes persönliches Gespräch zu führen, indem wir über den Wohnort des Patienten oder dessen Hobby plaudern. Nebenbei lege ich die Infusionsnadel, über die der Patient ein Beruhigungsmedikament bekommt. Das nimmt die Angst und macht die Einleitung der Narkose leichter. Meist erinnert sich der Patient kaum noch daran, wie er mit seinem Bett in den OP-Saal kam. Ich kann mich an zwei besonders ängstliche Patienten erinnern, die kurz vor der OP-Tür plötzlich keinen Schritt weiter wollten. Ich musste mit den Patienten aus 10 Metern Entfernung sprechen, sie beruhigen und konnte so auch diese Patienten durch die OP-Phase begleiten. Unsere Patienten freuen sich immer darüber, dass bei uns eine so gute Stimmung herrscht. Viele bedanken sich für die nette Betreuung im OP und die "tolle" Anästhesie. Diese Rückmeldung ist für unser engagiertes Team im OP sehr wichtig.In Ihrer Praxis kümmern Sie sich um chronische Schmerzpatienten - einzeln und in Gruppen. Sie bieten auch Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte an.

Welche Probleme sehen Sie auf die Schmerztherapie zukommen?

Wichtig ist zunächst, dass unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen gibt es eine Gruppe, bei denen der Schmerz an sich zur Krankheit geworden ist - und das ist das eigentliche Problem. Während es für alle anderen Schmerzpatienten relativ einfache Behandlungsmöglichkeiten gibt, stellen uns die Patienten mit chronischer Schmerzkrankheit vor erhebliche Schwierigkeiten: Wenn diese Patienten nicht identifiziert und speziellen Behandlungsprogrammen zugeführt werden, reiht sich im normalen medizinischen System eine Untersuchung an die andere, eine Therapie an die andere, ein Arzt an den anderen - und im schlechtesten Falle auch eine Operation an die andere. Dadurch entsteht nicht nur ein beträchtlicher finanzieller Aufwand, sondern auch ein Schaden für den Patienten selbst, dessen Schmerzkrankheit noch weiter chronifiziert wird. Leider gibt es nur wenige ausgebildete und erfahrene Schmerztherapeuten, die sich dieser Aufgabe widmen können. Um dieses Problem zu lösen, sind die Politiker und die Kassen gefragt, da nach meiner Ansicht die Zahl der Patienten, die in Gefahr sind, in diesen Kreislauf hineinzugeraten, stetig wächst. In meiner Praxis habe ich die Möglichkeit, die Patienten mit chronifiziertem Schmerzleiden herauszufiltern und in ein so genanntes multimodales Behandlungsprogramm aufzunehmen, das ich in der Paracelsus-Klinik München seit 10 Jahren durchführe. Im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie bieten wir zusätzlich zur Medikamentengabe einen Mix aus verschiedenen Methoden an. Dazu gehören Psychotherapie, Physiotherapie, Entspannungstraining, Selbsthypnose, heilsames Singen, Genuss- und Kunsttherapie, Feldenkrais-Therapie und Qigong. So lernen die Patienten schrittweise, dem Schmerz seinen Schrecken zu nehmen und ein normales Leben zu leben.

Wie gehen Sie selbst mit Schmerzen um?

Ich beobachte mich natürlich auch selbst und habe festgestellt, dass ich nicht besonders schmerzempfindlich bin. Ich versuche prophylaktisch soweit möglich gesund zu leben und regelmäßig etwas Sport zu treiben. Meine bisherigen Schmerzprobleme - z. B. einen Bandscheibenvorfall vor einigen Jahren - habe ich mit wenig Medizin und viel Disziplin in den Griff bekommen. Schmerzen gehören zum Leben, und auch ich muss damit rechnen, dass es ab und zu mehr oder weniger zwickt.

Zur Person

Dr. med. Karim Merzoug

Dr. Karim Merzoug studierte Medizin in Heidelberg, als Facharzt für Anästhesie und spezielle Schmerztherapie arbeitet er seit 2000 in der Paracelsus-Klinik München. Er leitet den Fachbereich Anästhesie und ist für den reibungslosen Ablauf in drei OP-Sälen verantwortlich.

Seine Laufbahn startete Dr. Merzoug 1988 am Städtischen Klinikum Neuperlach, wo er als Anästhesisten, Intensivmediziner, Notarzt und Schmerztherapeut ausgebildet wurde. Dort wirkte er beim Aufbau einer Schmerztagesklinik mit, die er von 1998 bis 2000 leitete.
Sein Akupunkturdiplom A verlieh ihm die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGFA).

Im Jahr 2000 eröffnete Dr. Merzoug in der Paracelsus-Klinik München eine Praxis für Schmerztherapie. Im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie arbeitet er mit mehreren Ärzten und Therapeuten der Klinik zusammen.
Einmal pro Monat lädt er klinische und niedergelassene Kollegen zu einer Ärztefortbildung in die Klinik ein.

Dr. Merzoug ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes und der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, bei letzterer engagiert er sich als stellvertretender Leiter des regionalen Schmerzzentrums München.

Dr. Merzoug ist verheiratet und hat zwei Kinder. Am liebsten entspannt er sich bei Musik und Sport.