Therapie bei Prostatakrebs

Die Diagnose Prostatakrebs ist kein Grund zur Verzweiflung, denn für wenig andere Tumoren gibt es so vielversprechende Behandlungsstrategien. An der Paracelsus-Klinik Golzheim steht ein breites Behandlungsspektrum zur Verfügung.

Abwarten und beobachten

Bei älteren, beschwerdefreien Männern kann das sorgfältige Beobachten („watchful waiting“) bereits ausreichen. Behandelt wird erst, wenn das Fortschreiten der Erkrankung Probleme macht. Dann können, bei nur geringer Einschränkung der Lebensqualität, die männlichen Hormone mit Medikamenten (Tabletten und/oder 4-Wochen- oder 3-Monats-Spritzen) blockiert werden.

Operation

Bei jüngeren Patienten ist die operative Entfernung der Prostata mit Samenblasen und Samenleitern die optimale Therapie. Sie ist besonders erfolgversprechend, wenn der Tumor noch auf das Organ begrenzt ist. Eine Alternative zur herkömmlichen „offenen Operation“ ist dabei die so genannte „Schlüssellochmethode“. Prinzipiell ist keines der Verfahren besser oder schlechter – entscheidend ist allein die Erfahrung des Operateurs.

Tookad - eine Alternative bei Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom

Seit November 2018 gibt es in Düsseldorf eine neue, minimalinvasive Behandlung bei Prostatakrebs, die sog. Tookad-Methode. Das Besondere an der neuen Methode: Sie schont das Organ und dämmt den Prostatakrebs langfristig ein - ohne das Risiko der Inkontinenz und der Impotenz.

Chefarzt Prof. Dr. Johannes Maria Wolff und sein Team haben in der Paracelsus-Klinik Düsseldorf Anfang November die ersten Prostatakrebs-Patienten mit der neuen sog. Tookad-Methode behandelt. Tookad (hebräisch „Licht) ist ein neues Laserverfahren, mit dem Tumore in der Prostata so behandelt werden, dass sie absterben, ohne dabei das Organ zu schädigen. Zunächst „spickt“ der Arzt das Krebsgewebe der Prostata über den Damm mit winzigen Laserfasern. Über die Venen wird dem Patienten dann das lichtempfindliche Medikament Padeliporfin injiziert. An den Fasern entlang schickt er Laserlicht, das den Wirkstoff aktiviert. Das Medikament zerstört die Gefäße, schneidet die Blutzufuhr ab und lässt das Krebsgewebe absterben.

Die Operation dauert etwa anderthalb Stunden, die Laserbehandlung selbst rund 20 Minuten. Nach drei Tagen kann der Patient in der Regel entlassen werden, nachdem er 24 Stunden nach der Behandlung konsequent darauf achten musste, sich nicht in direktem Sonnenlicht zu bewegen. die Behandlung hat wenig Nebenwirkungen, neun bis zwölf Monate nach der minimalinvasiven OP wird mittels einer Biopsie das Behandlungsergebnis überprüft. 

Die Heilungschancen bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom liegen sehr hoch. Zumal jetzt der Tumor noch gezielter zerstört werden kann, das Organ selber aber erhalten bleibt. Dieser schonende dritte Weg stellt eine Alternative für all jene dar, die das Warten auf die nächste Biopsie zermürbt hat. Vor allem die zahlreichen Patienten mit einem sog. Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom haben damit eine echte Alternative zu den bisherigen Behandlungsmöglichkeiten. Männer, die die Diagnose „Prostatakrebs mit geringem Risiko“ erhielten, hatten bisher die Möglichkeit, sich für das „aktive Abwarten“ zu entscheiden: Alle drei Monate wurden sie kontrolliert und nach sechs bis neun Monaten wurde erneut eine Biopsie durchgeführt. Nichts tun zu können, abzuwarten trotz Krebsdiagnose, ist für viele Menschen eine seelische Belastung. Die neue Therapie wurde 2016 in Israel entwickelt, in Deutschland wurde sie im Rahmen einer europäischen Studie u.a. an der Uniklinik Dresden bestätigt. Die urologische Düsseldorfer Fachklinik ist die erste in NRW, die das neue, schonende Verfahren anbietet. Prostatakrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung des Mannes, jährlich erkranken rund 57.000 Männer neu daran.  

Fokale Therapie bei Prostatakrebs

Im Prostatazentrum unserer Klinik steht mit der fokalen Therapie mittels hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) ein Behandlungsverfahren zur Verfügung, dass das Organ Prostata erhält und nach aktueller Erkenntnis mit nur geringen Nebenwirkungen einhergeht. Bei diesem Verfahren werden zuvor exakt lokalisierte Tumorherde mittels Hitze zerstört.

Den Tumor gezielt entfernen

Bei der fokalen Therapie werden ein einzelner bzw. wenige, lokal begrenzte Tumorherde zerstört, ohne dabei die Prostata zu entfernen. Verbesserte diagnostische Techniken, hier ganz besonders die an der Klinik vorgehaltene MRT-gestützte Fusionsbiopsie erlauben es, auch kleinste Tumorherde exakt zu lokalisieren. und so das Prostatakarzinom frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Die fokale Therapie ist allerdings nur für einige Patienten geeignet. Voraussetzung ist, dass das Prostatakarzinom auf einen (unifokal) oder sehr wenige Tumorherde innerhalb der Prostata begrenzt ist. Ein weiteres Kriterium ist ein Gleason-Score nicht höher als 3+3, allenfalls 3+4. Der Gleason-Score bewertet Ausmaß und Grad der Gewebeveränderung. Auch der PSA-Wert spielt eine wichtige Rolle, er sollte deutlich unter 15ng/ml liegen. In seltenen Fällen ist die fokale Therapie eine Option, wenn Patienten eine Operation nicht wünschen oder für diese aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage kommen.

Die eigentliche Therapie findet im Rahmen eines stationären Aufenthaltes statt. An der Paracelsus-Klinik Düsseldorf werden die Tumorherde mithilfe eines HIFU-Gerätes computerassistiert zerstört. Hierbei werden die zuvor gewonnenen Ergebnisse der MR-Fusionsbiopsie mit den dynamischen Bildern einer rektal eingeführten Ultraschallsonde kombiniert. Die HIFU-Wellen werden millimetergenau auf den Tumorherd fokussiert und erzeugen dabei Temperaturen von 85 bis 90 Grad. Das Tumorgewebe wird so zerstört. Automatisch wird der Abstand der Sonde zur Rektumwand gemessen, eine permanente Kühlung der Rektumwand und der automatisierte Abbruch der Behandlung bei Abweichungen vom System gewährleisten eine maximale Schonung des umliegenden Gewebes.

Die Behandlung erfolgt unter Narkose. Der Klinikaufenthalt beträgt 2 bis 4 Tage. Nach dem Eingriff wird für 3 - 8 Tage ein Katheter gelegt. Am Abend nach der Behandlung können die Patienten bereits wieder essen und das Bett verlassen.

Das größte Risiko dieser nebenwirkungsarmen Therapie besteht darin, dass nicht alle Tumore erkannt und behandelt werden. Nach der aktuellen Datenlage empfiehlt sich deshalb, zusätzlich zur Fusionsbiopsie eine systematische TRUS-Biopsie mit 12 Stanzzylindern durchzuführen.

Die Nachsorge nach Entlassung umfasst die Bestimmung des PSA-Wertes einmal im Quartal sowie eine Kontrollbiopsie und eine MRT nach 6 bis 12 Monaten.

Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)

Beim hochintensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) wird das Skalpell durch hochenergetischen Ultraschall ersetzt. Das Verfahren eignet sich insbesondere für Patienten im frühen Krankheitsstadium und solche, die nicht mehr operiert werden können oder wollen. Bei der Behandlung ist keine Vollnarkose nötig. Die Behandlungssonde erstellt ein Ultraschallbild der Prostata und berechnet den zu behandelnden Bereich. Dann werden gebündelte Ultraschallwellen durch eine Art Hohlspiegel fokussiert. Am millimeterfeinen Brennpunkt, direkt am Tumor innerhalb der Prostata, entstehen Temperaturen von rund 90° C. Diese Temperatur reicht aus, das Prostatagewebe mit dem Tumor punktgenau zu verbrennen. Das Verfahren des hochintensiven fokussierten Ultraschalls (HIFU) kann somit eine wirkliche Alternative zur vollständigen Entfernung der Prostata sein.

Hormonblockierende Therapie

Sie kommt infrage, wenn eine vollständige Entfernung oder Zerstörung des Tumors nicht mehr möglich ist, insbesondere, wenn bereits andere Organe (z. B. Lymphknoten oder Knochen) befallen sind. Durch Ausschaltung der Testosteronbildung oder durch die Blockade des Hormons selbst mit Medikamenten lässt sich das Wachstum des Karzinoms oft für Jahre zum Stillstand bringen.

Strahlentherapie

Besteht ein hohes Operationsrisiko oder lehnt der Patient eine Operation kategorisch ab, kommt heutzutage auch eine Strahlentherapie in Betracht. Die Angst, dass Streustrahlen Nachbarorgane stark schädigen können, ist angesichts moderner Verfahren unbegründet.