Historie

Geschichte und Entwicklung der Klinik

Als die Klinik Golzheim im Juni 1926 eröffnet wurde, war dies für die Region Düsseldorf eine kleine Sensation. Wesentlicher Initiator des Baus des Krankenhauses aus privaten Mitteln war der damals als Oberarzt der Chirurgischen Klinik und Leiter der Urologischen Abteilung der Städtischen Krankenanstalten Düsseldorf tätige Professor Dr. Peter Jansen. In der von Professor Dr. Witzel geleiteten Chirurgischen Klinik hatte Professor Jansen die Entwicklung und den Ausbau einer urologischen Abteilung wesentlich vorangetrieben. Schon vor dem 1. Weltkrieg arbeitete Professor Jansen bei dem bekannten Urologen Goyon in Paris; das Fachgebiet der Urologie war damals noch nicht selbständig und in der Entwicklung begriffen, wesentliche Innovationen hierzu gingen von Frankreich aus. Professor Jansen war in den frühen Jahren der Düsseldorfer Medizinakademie Dozent für die Vorlesung zur urologischen Chirurgie.

Mit dem Wechsel der Leitung der Chirurgischen Klinik 1924 an Professor Rehn gestaltete sich die Zusammenarbeit zunehmend schwierig, da der urologisch ebenfalls versierte Professor sich mit der weitgehend eigenständig gewordenen Urologischen Abteilung unter Professor Jansen nicht abfinden konnte.

Den Grundbesitz sowie einen Teil der nicht unerheblichen Mittel, die zum Bau eines privaten Krankenhauses erforderlich waren, brachte Professor Jansen in die neu gegründete GmbH mit ein. Die Klinik Golzheim wurde an der Hauptausfallstraße in Richtung Duisburg gebaut und befand sich zwischen dem Marien-Hospital und Kaiserswerth. In dieser Region war bisher kein Krankenhaus vorhanden, so dass dem städtischen Bedürfnis nach Versorgung der Bevölkerung nachgekommen werden konnte. Es fand sich bald ein Gremium von Fachärzten, die bereit waren, sich an dem Unternehmen zu beteiligen. Darunter waren viele Ärzte, die als Oberärzte an den Städtischen Krankenanstalten tätig waren und die ein kollegiales Verhältnis verband. Neben der Einlagen der Gesellschafter Professor Jansen, Dr. Wolach, Dr. Kütt und Dr. Kaes gewährte die Stadt Düsseldorf ein Darlehen zum Bau der Klinik, dieses unter der Voraussetzung, dass 40 % der Betten für sozialversicherte Kranke zur Verfügung stehen müssten.

Die Raumaufteilung der Klinik war auf den privaten Charakter zugeschnitten. Es gab eine größere Anzahl von Einzel- und Doppelzimmern, von denen einige auch mit drei Betten belegt werden konnten. Für Kassenpatienten standen Dreibettzimmer zur Verfügung, im Gesamten konnte die Klinik damals ungefähr 90 Betten belegen. Während der Bauzeit wurden die Keller der Klinik im Winter 1925 / 1926 durch ein Hochwasser überschwemmt - zum Glück war die Heizungsanlage noch nicht installiert. Die Klinikneueröffnung umfasste eine urologische Abteilung, eine chirurgische Abteilung, eine Abteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde sowie ein für damalige Verhältnisse vorbildliches Laboratorium. Die Einrichtungen der Klinik erfüllten alle Ansprüche eines modernen Krankenhauses zu jener Zeit, so waren in jedem Krankenzimmer bereits Telefon und Radio installiert, womit die Klinik 1926 den anderen Krankenhäusern überlegen war.

Die Zeit des Nationalsozialismus war für die Klinik eine schwierige Episode - mehrere Ärzte mussten das Haus aus Angst für Repressalien wegen der nazistischen Rassengesetze verlassen und emigrierten. Der Bau der großzügigen Kaiserswerther Straße in ca. 80 m Abstand der Klinik zum (später beseitigten) Schlageter Denkmal in Golzheim entlastet die vor der Klinik liegende Straße von ihrer Hauptstraßenfunktion und sorgt für die heute geborgene Lage des Krankenhauses in unserem schönen parkähnlichen Gelände. Der Kriegsbeginn 1939 bedeutete für die Klinik zunächst vor allem den Verlust zahlreicher Ärzte und Pflegekräfte. Der Bombenkrieg, bei dem die Stadt Düsseldorf in weiten Teilen zerstört wurde, brachte für die Klinik glücklicherweise nur unbedeutende Schäden; ein Brandbombentreffer im Dach des Haupthauses richtete keine schweren Schäden an. So konnte der Betrieb der Klinik fast ohne Unterbrechung weitergehen und nach Kriegsende mit den zurückkehrenden Ärzten voll wieder aufgenommen werden.

Am 10. April 1947 starb der Gründer der Klinik Professor Peter Jansen an den Folgen eines schweren Schlaganfalles. Prof. Jansen gehörte mit seinem Lebenswerk zu den ersten Chirurgen, die sich dem Fach Urologie speziell und ausschließlich zugewandt haben. Die Nachfolge trat Professor Boeminghaus an. Dieser war aus zahlreichen chirurgischen und urologischen Veröffentlichungen in seinem Fachgebiet eine bekannte Kapazität und nach ärztlicher Tätigkeit in Halle, Marburg und Berlin zuletzt in Cuxhaven tätig. Unter seiner Federführung erfolgte der weitere konsequente Ausbau der Urologischen Abteilung in ein urologisch-wissenschaftliches Institut. Mit Unterstützung des Stifterverbandes der Deutschen Industrie erfolgte 1955 der Erweiterungsbau des Gartenflügels für die Urologische Klinik. Im gleichen Jahr wurde auch das zusätzliche Schwesternwohnheim an der Tersteegenstraße gebaut.

Professor Boeminghaus legte sein Amt im Jahr 1963 aus Altersgründen nieder. Professor Boeminghaus hatte durch seinen internationalen Ruf als bedeutender Urologe dem Ansehen der Klinik in ganz besonderem Maße genützt. Die große Zahl seiner Publikationen und sein bekanntes Lehrbuch der Urologie, nicht zuletzt aber sein großes Können auf operativem Gebiet, haben dafür die Grundlage geschaffen. Nachfolger von Professor Boeminghaus wurde der Oberarzt Dr. Zoedler. Nach seiner Ausbildung in Berlin war er über lange Jahre „rechte Hand“ von Professor Boeminghaus. Dr. Zoedler konnte den guten Ruf der Urologischen Klinik weiter ausbauen, wurde 1975 Präsident der Deutschen Urologischen Gesellschaft und richtete in dieser Funktion 1975 den Bundeskongress der Gesellschaft in Düsseldorf aus. Aber auch die anderen Abteilungen des Krankenhauses, teils mit Chefärzten, teils mit Belegärzten, hatten einen regional ausgezeichneten Ruf und fanden regen Zuspruch durch die Patienten, was sich nicht zuletzt in der jahrzehntelangen guten Belegung von fast immer über 90 % zeigte.

1970 erfolgte die Umwandlung der privat getragenen Klinik in eine gemeinnützige GmbH. Als die Klinik 1976 von Dr. Krukemeyer gekauft wurde, hatte das Krankenhaus vor allen Dingen als Spezialklinik für Urologie einen hervorragenden Namen. Dr. Krukemeyer, selbst Röntgenologe, hatte bereits zwei große Krankenhäuser in Osnabrück und Karlsruhe mit großem Erfolg geleitet und förderte weiter den konsequenten Ausbau als urologisches Fachkrankenhaus. Anstelle des seit Mitte der 60er Jahre von Gesellschafter- und politischer Seite geplanten Neubaues eines Krankenhauses in Golzheim mit über 200 Betten, wurde die Paracelsus-Klinik Golzheim in ein Fachkrankenhaus für Urologie umgewandelt und in den 80er Jahren grundlegend saniert, modernisiert und mit einem komplett neuen OP- und Versorgungstrakt ausgestattet.

In Würdigung seiner Verdienste für die Urologie erhielt Dr. Zoedler ehrenhalber eine Professur für das Fach Urologie. Er begleitete die grundlegende Sanierung der Klinik bis 30.06.1985 und übergab die Leitung der Klinik anschließend an seinen langjährigen Oberarzt Dr. Wienhöwer. Unter Dr. Wienhöwer wurde der konsequente Ausbau in ein Urologisches Fachkrankenhaus weiter vorangetrieben. Der moderne OP-Trakt und Endoskopiebereich wurde zusätzlich 1994 um einen Nierensteinlithotripter erweitert. Von1998 bis 2012 leitete Prof. h.c.(RUS) Dr. h.c.(RUS) Dr. med. Caspers als Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Urologie die Paracelsus-Klinik Golzheim. Jetziger Chefarzt ist Prof. Dr. Johannes M. Wolff, der die Klinik seit 2014 leitet.

Die Paracelsus-Klinik Golzheim als Urologisches Fachkrankenhaus präsentiert sich heute in seiner Art einzigartig in Deutschland. Mit der über 75-jährigen urologischen Tradition von den Anfängen der Urologie bis heute ist die Klinik mit 104 Betten die größte urologische Klinik Deutschlands. Sie beschäftigt zurzeit zwölf Fachärzte für Urologie (einen Chefarzt, fünf Oberärzte, acht Assistenzärzte, davon sechs Fachärzte und zwei Assistenzärzte in Weiterbildung, einen Gastarzt) und sieben Fachärztinnen für Anästhesie (eine Chefärztin, eine Oberärztin, fünf Fachärztinnen).

Die Urologie und urologische Chirurgie hat im Laufe der Jahrzehnte eine rasante Entwicklung genommen. In der Paracelsus-Klinik Golzheim werden alle diagnostischen und therapeutischen Verfahren der Urologie angeboten. Behandelt werden uro-onkologische Patienten sowohl operativ als auch endoskopisch (bzw. laparoskopisch), durch Strahlentherapie sowie Chemotherapie. Vielfältige Therapieverfahren bei Steinerkrankungen werden angeboten, einschließlich extracorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) und Laser-Lithotripsie. Ein weiteres Behandlungsspektrum bietet die Andrologie mit mikrochirurgisch rekonstruktivem Verfahren, Inkontinenztherapie- und Chirurgie von Frauen sowie die Kinderurologie.

Die Klinik verfügt über eine eigene Röntgenabteilung und neben einem umfangreichen OP-Trakt über eine eigene Intensivstation.