Medizinisch Beruflich-Orientierte Rehabilitation (MBOR)

Im Rahmen der Weiterentwicklung der medizinischen Rehabilitation um die Aspekte der beruflichen Belastungen, engagierte sich das Institut frühzeitig um die Belange der medizinisch-berufsorientierten Rehabilitation. In Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner, dem Berufsförderungswerk Goslar, konnten wir schon 2006 eine hohe Effizienz einer 4tägigen Berufsorientierung im BFW Goslar während eines orthopädischen Rehabilitationsverfahrens leistungsgewandelter, langzeitarbeitsunfähiger Patienten nachweisen. Im aktuellen Forschungsprojekt der Paracelsus Klinik an der Gande (Integrierte Medizinisch-Berufsorientierte Orthopädische RehabilitationIMBO-Rehabilitation entwickelte das Institut mit der funktionellen berufsbezogenen Trainingsgruppe (Work Hardening) eines von sechs verhaltensbezogenen Modulen zur IMBO-Rehabilitation in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Charité, Berlin. Im funktionellen berufsbezogenen Trainingsmodul erfassen die Patienten ihre berufliche Arbeitsbelastung über das Lastenhandhabungsverfahren. In einem EFL-bezogenen Parcourtraining erlernen sie unter Anleitung von EFL-zertifizierten Therapeuten rückengerechte Hebe- und Tragetechniken und schätzen ihre Leistungsfähigkeit selbst ein.

Ca. 1/3 aller IMBO-Patienten werden nach der Team-Besprechung als besonders berufsbelastet eingestuft und dem Institut zur fachübergreifenden arbeits- und sozialmedizinischen Einzelbegutachtung vorgestellt. Vorwiegend handelt es sich um Patienten mit einem aufgehobenen Leistungsvermögen für, oder mit einer negativen Rückkehrprognose an den alten Arbeitsplatz, Patienten mit Langzeitarbeitsunfähigkeit oder krankheitsbedingter Arbeitslosigkeit, Patienten mit abgelehnten Leistungsanträgen zur beruflichen Rehabilitation oder zum Rentenantrag, Patienten im Sozialgerichtsverfahren oder im Verwaltungsverfahren der Krankenkassen und der Arbeitsagentur. Unser Ziel ist es, jedem Patienten eine klare sozialmedizinisch begründete Entscheidung über die weitere berufliche Zukunft vor Entlassung aus dem Reha-Verfahren an die Hand zu geben, wie ihr beruflicher Weg weiter gehen kann. In besonderen Fällen leiten wir auch ggf. eine sozialgerichtsfähige, medizinische Begründung zur Aufhebung der Leistungsfähigkeit auf Zeit oder auf Dauer ein. Anträge zur beruflichen Rehabilitation werden über Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, nach entsprechender Diagnostik, vom Institut fundiert begründet und den Chefärzten zur Übernahme empfohlen.

Die Wirksamkeit der IMBO-Rehabilitation besonders berufsbelasteter Patienten wurde in einer clusterrandomisierten Studie der Charité 2010 überprüft und die Effektivität in hohem Maße bestätigt. Das wissenschaftliche Konzept erhielt 2011 den Forschungsförderpreis der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaft verliehen.