Interview mit Dr. med. Joachim Dehnst zu Schilddrüsenerkrankungen

Wie machen sich Erkrankungen an der Schilddrüse bemerkbar und welche gibt es?

Schilddrüsenerkrankungen können sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. So sind Stoffwechsel- und Befindlichkeitsstörungen typisch für eine Über- oder Unterfunktion des Organs. Eine Vergrößerung des Organs äußert sich mit Druck- oder Engegefühl. Es gibt jedoch auch Schilddrüsenerkrankungen die lange Zeit symptomlos verlaufen und erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden auslösen.

Eine häufige Veränderung der Schilddrüse ist die Vergrößerung. Sie kann gleichmäßig das gesamte Organ erfassen oder auf einzelne Regionen des Drüsengewebes beschränkt bleiben. Hormonproduzierende Drüsenbereiche, die nicht mehr der Regulation durch das Hirnanhangdrüsenhormon TSH unterliegen, werden als »heiße Knoten« bezeichnet. Sie sind fast immer gutartig.

»Kalte Knoten« sind demgegenüber Organabschnitte, in denen eine Gewebevermehrung stattgefunden hat, jedoch kein Schilddrüsenhormon produziert wird. Auch bei diesen Knoten handelt es sich fast immer um gutartige Gewebevermehrungen. Nur in höchstens 5 % der Fälle verbirgt sich ein bösartiger Tumor hinter der Störung.

Zwei wichtige Formen der Schilddrüsenentzündung gehen auf eine fehlgeleitete Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems zurück. Dabei handelt es sich um die Hashimoto-Thyreoiditis und den Morbus Basedow. Während die Hashimoto-Thyreoiditis zunächst mit einer Schilddrüsenüberfunktion einhergeht, später aber zu einem Abbau des Drüsengewebes und einer dauerhaften Unterfunktion führt, ist der Morbus Basedow stets mit einer Schilddrüsenüberfunktion verbunden.

Woran merke ich, dass meine Schilddrüse krank ist?

Eine Schilddrüsenerkrankung beginnt oft schleichend und die Symptome sind zunächst unspezifisch. Bei einer Unterfunktion sind Blässe, Frieren, Gewichtszunahme und niedriger Blutdruck typische Symptome. Auch Müdigkeit und Antriebslosigkeit treten auf. Eine Überfunktion geht in der Regel mit Gewichtsabnahme, Schwitzen, Herzrasen und Schlafstörungen einher. Insgesamt gibt es viele Anzeichen, die auf eine Schilddrüsenerkrankung hindeuten können:  

  • Zunehmender Halsumfang
  • Druck-, Enge- oder Kloßgefühl im Hals
  • Missempfindungen beim Tragen enger Kragen
  • Schluckbeschwerden
  • Luftnot bei Belastung
  • Schneller, unregelmäßiger Puls bzw. langsamer Puls
  • Gewichtsabnahme bzw. Gewichtszunahme
  • leichtes Schwitzen bzw. leichtes Frieren
  • Haarausfall bzw. glanzlose struppige Haare
  • warme, feuchte Haut bzw. kühle, trockene Haut
  • Zittern bzw. verlangsamte Bewegungen
  • Schlafstörungen bzw. gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Durchfälle bzw. Verstopfung
  • reizbare Stimmung bzw. depressive Verstimmung
  • Zyklusstörungen

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen und die Schilddrüsenwerte bestimmen lassen. Insbesondere die Überfunktion kann unbehandelt gefährlich werden.

Welche Wirkung / Bedeutung hat das Schilddrüsenhormon auf meinen Körper?

Die Schilddrüse ist eine kleine Drüse vor dem Kehlkopf bzw. der oberen Luftröhre. Die von ihr produzierten Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf so gut wie alle Stoffwechselvorgänge im Körper. Man schwitzt, obwohl es kalt ist und man friert, obwohl es warm ist. Man nimmt ab, obwohl man üppig zulangt und man nimmt zu, obwohl der Speiseplan mager ist. Auch die Blutwerte machen, was sie wollen. Der Grund für all diese Phänomene könnte eine Fehlfunktion der Schilddrüse sein. Sie können in fast alle Körperzellen eindringen, in Knochenzellen genauso wie in Nerven-, Muskel- oder Organzellen. Sie regeln den Stoffwechsel von Fett, Eiweiß und Zucker. 

Wie diagnostizieren Sie Schilddrüsenerkrankungen?

Als aller erstes wird die Patientin / der Patient körperlich untersucht. Z. B. wird der Hals nach strukturellen Veränderungen abgetastet und wie sich die Haut anfühlt, ob sie warm und feucht ist oder eher kühl und trocken. Es wird in der Paracelsus-Klinik ein Ultraschallbild gemacht, um z. B. Knotenbildungen zu erkennen. Des Weiteren wird ein Szintigramm mit einem bildgebenden Verfahren der nuklearmedizinischen Diagnostik erstellt.

Sie misst, wie stark einzelne Bereiche der Schilddrüse Jod aufnehmen und man kann abklären, ob sich kalte Knoten in der Schilddrüse befinden. Zuletzt werden im Labor die Schilddrüsenhormone und Antikörper bestimmt.

Welche Therapiemöglichkeiten bieten Sie den Patientinnen und Patienten in der Paracelsus-Klinik Hemer?

Uns  stehen eine ganze Reihe an Therapien zur Verfügung – von Tabletten und Operationen bis hin zu radioaktivem Jod. Werden Erkrankungen der Schilddrüse rechtzeitig erkannt, sind sie in der Regel gut therapierbar. 

Unterfunktion, Überfunktion, Kropf oder Krebs – die geeignete Therapieform richtet sich vor allem nach der Schilddrüsenerkrankung. Doch auch andere Faktoren beeinflussen die Wahl der Behandlungsmethode. Sie ist z. B. von Ursache und Schwere der Erkrankung sowie vom Allgemeinzustand und Lebensalter der Patientin / des Patienten abhängig.

Schilddrüsenüberfunktion und Jodmangelkropf werden in früheren Stadien meist durch die Einnahme von entsprechenden Medikamenten behandelt. Allerdings kann bei fortgeschrittener Erkrankung eine Operation notwendig sein. Vereinzelt, bei einem Morbus Basedow oder einer anderen Schilddrüsenüberfunktion, kann eine Radiojodtherapie sinnvoll sein. 

Bei dem seltenen Schilddrüsenkarzinom ist ein operativer Eingriff meist unumgänglich. In bestimmten Fällen kann die Erkrankung damit geheilt sein. In anderen Fällen kann eine Radiojodtherapie erforderlich sein, um im Körper verbliebene Schilddrüsenzellen zu zerstören. Anschließend muss die fehlende Hormonproduktion der Schilddrüse langfristig mit Medikamenten ausgeglichen werden.

Die Schilddrüsenunterfunktion wird therapiert, indem die fehlenden Hormone in Tablettenform ersetzt werden. 

Wo melde ich mich, um einen Termin zu vereinbaren und welche Unterlagen muss ich mitbringen?

Sie vereinbaren einen Termin mit meinem Sekretariat unter der Telefon-Nr.: 02372 903-193 und informieren sich bitte vorab, ob Sie eine Überweisung / Einweisung vom behandelnden niedergelassenen Hausarzt mitbringen müssen. Falls Ultraschallbilder etc. vorhanden sind, bringen Sie diese bitte auch mit.