Mit internistischer Kompetenz breit aufgestellt

Dr. med. (I) Philipp Mueller, Internist

Als Chefarzt der Inneren Medizin ist Dr. med. (I) Philipp Mueller mit seinem gebietsübergreifenden Spezialistenwissen besonders breit aufgestellt. So hat er sich im Laufe der Jahre zum Beispiel auch in den Bereichen Gastroenterologie, Infektiologie, Pneumologie und Intensivmedizin weitergebildet – eine ungewöhnliche Kombination verschiedener medizinischer Gebiete, die der gebürtige Kieler da vorzuweisen hat.

Dass Sie sich als Internist auch noch auf Infektiologie und Intensivmedizin spezialisiert haben, ist eher ungewöhnlich. Wie kam´s?
Das hat im Ursprung mit meinen Pendlerjahren zwischen Italien und Deutschland zu tun. Ich habe in Italien studiert, meinen Abschluss als Facharzt für Innere Medizin jedoch am Allgemeinen Krankenhaus Hagen gemacht. Während meines Studiums in Rom hatte ich eine wunderbare Frau in der Mensa kennengelernt, meine heutige Ehefrau und Mutter meiner beiden Töchter. Mit Ende meiner Facharztausbildung hatte ich also nur eins im Kopf: Zurück nach Italien und dort eine Praxis eröffnen. Sie können sich vorstellen, dass der Aufbau einer Praxis alles andere als trivial ist, also verabredete ich mit meinem damaligen Chef am AKH ein spezielles Arbeitszeitmodell: Ich absolvierte 150 Stunden Nachtwachen am Stück auf der Intensivstation, um dann den Rest des Monats in Italien meine Praxis aufzubauen. Als dann allerdings vom AKH das Angebot kam, als internistischer Oberarzt auf der Intensivstation anzufangen, entschlossen wir uns, wieder nach Deutschland zu gehen. Das erklärt meine Spezialisierung auf die Intensivmedizin.

Und die anderen Spezialisierungen?
Auch wenn es im Ergebnis eine seltene Kombination von Schwerpunkten ist, so ist sie doch sehr folgerichtig. Die Spezialisierung auf Gastroenterologie ergab sich, weil der Chefarzt der internistischen Abteilung am AKH ein äußerst versierter Experte auf diesem Gebiet war. Die diagnostische und interventionelle Endoskopie lernte ich bei ihm auf allerhöchstem Niveau. Das ist seit damals sicherlich eine meiner Stärken als Arzt. Sobald Sie Menschen intensivmedizinisch betreuen, müssen Sie sich mit Mikrobiologie und Hygiene im Krankenhaus beschäftigen, wenn Sie den Job seriös machen wollen.

Hagen war 2006 eines der ersten Häuser, das eine eigene Infektionsstation eröffnete, wir waren da der allgemeinen Entwicklung ziemlich voraus. Und als der Chef der Inneren am AKH Hygienebeauftragter des Krankenhauses wurde und mich um Unterstützung bat, war es zur Zusatzbezeichnung »Infektiologie« nicht mehr weit. Und aus diesem Schwerpunkt ergibt sich eigentlich logisch die Pneumologie, also Atemwegserkrankungen, denn das sind Erkrankungen, mit denen wir es als Infektiologen sehr häufig zu tun haben. Um dieses Gebiet zu perfektionieren, insbesondere die Thorakoskopie, bin ich zu Prof. Randerath an das Krankenhaus Bethanien gegangen, eine Fachklinik für Lungenerkrankungen.

Wie profitieren die Patienten von Ihrer Spezialisierung auf Hygiene?
Das Thema Hygiene in Zusammenhang mit den berüchtigten Krankenhauskeimen hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen – und das ist auch gut so. Durch meine jahrelange Beschäftigung mit Krankenhaushygiene und multiresistenten Keimen sind wir auf diesem Gebiet natürlich sehr gut aufgestellt, was die Sicherheit für die Patienten natürlich erhöht. Ich habe die so genannte ABS-Weiterbildung, die Kenntnisse zur rationalen Gabe von Antibiotika in Kliniken vermittelt. Eine strukturierte und streng kontrollierte Leitlinie zu Antibiotikagaben ist bei uns etabliert, ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die zunehmende Resistenz von Keimen gegen Antibiotika. 

Was stellt Ihren Schwerpunkt in der Patientenversorgung dar?
Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Das geht vom einfachen Infekt bis zum Darmkrebs. Die Endoskopie spielt dabei sowohl diagnostisch als auch therapeutisch eine tragende Rolle und das mache ich nun seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Hier in Hemer ist die Zusammenarbeit mit der chirurgischen Abteilung sehr eng und gut organisiert. Daraus ergibt sich eine überdurchschnittliche Versorgungsqualität, auch wenn wir kein zertifiziertes Bauchzentrum sind. Im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen arbeiten erfahrene Kollegen an der Klinik, die eine exzellente Versorgung von Herz-Kreislaufpatienten machen. Und auch notfallmedizinisch sind wir wirklich sehr gut aufgestellt, schließlich obliegt der Klinik seit langer Zeit die notfallmedizinische Versorgung der Stadt Hemer. Wir bieten hier eine umfassende und gute Normalmedizin mit eingespielten Kooperationen zu Fachkliniken und Maximalversorgern für schwerstkranke Patienten.

Ihr medizinischer Werdegang  zeugt von unermüdlichem Weiterbildungswillen. Wahrscheinlich war »Mediziner« Ihr Berufswunsch Nummer 1 nach dem Abitur?
Ganz im Gegenteil. In meiner Abi-Zeitung stand bei Berufswunsch »Alles außer Arzt«, obwohl oder vielleicht weil mein Vater Chefarzt einer Kinderklinik war. Ich habe mich zunächst sehr für Grafikdesign interessiert, aber das war bei näherer Betrachtung nicht wirklich meine Branche. Mit einem mehrwöchigen Praktikum in einer psychiatrischen Klinik wollte ich anschließend herausfinden, ob mein Interesse an der Psychologie für eine berufliche Entscheidung reicht. Ganz ehrlich, von Anfang an haben mich die Untersuchungen der Neurologen viel mehr interessiert als die psychotherapeutischen Interventionen mit den Patienten – und Neurologie ist nun mal unbestreitbar Medizin. Also landete ich schlussendlich doch an einer medizinischen Hochschule. Mit der Università Cattolica in Rom studierte ich auch noch an einer echten Elite-Uni, Ausstattung und Qualität der Ausbildung sind führend. Und dass ich Arzt geworden bin, darüber kann ich mich immer noch jeden Tag freuen.