21. Juli 2021

Karotisstenose: Gefahr an der Halsschlagader

Eine Karotisstenose, also eine Verengung der Halsschlagader, ist ein Befund, der unbedingt durch einen Facharzt abgeklärt werden muss. Eine solche Stenose im Bereich der Halsschlagader erhöht nämlich enorm das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. 10-20 % aller Schlaganfälle in Deutschland, also 20 000 bis 30 000, sind durch eine Verengung der Halsschlagader bedingt.

Symptome einer Karotisstenose

Plötzliches Auftreten von Taubheitsgefühlen oder Lähmungen in Armen oder Beinen, Schwindel, Sehstörungen, Kribbeln im Gesicht, Kopfschmerzen, Wortfindungsstörungen, Sprechstörungen – diese Symptome können Folge einer Verengung der Halsschlagader sein. Sie treten plötzlich auf, verbleiben kurz und verschwinden dann wieder. „Diese Symptome können Vorboten eines Schlaganfalls sein und müssen sehr ernst genommen werden“, betont Dr. Grit Neubert, Chefärztin der Klinik für Chirurgie und Gefäßchirurgie der Paracelsus Klinik Zwickau.

Wie entsteht eine Stenose?

Fett, Cholesterin und Kalk lagern sich in den Arterienwänden der Halsschlagader ab. Dies führt zu einer Verengung (Stenose) des Blutgefäßes und damit zu einer Minderversorgung der entsprechenden Region, die das Gefäß versorgt. Dies kann überall im Körper passieren und je nachdem dann zur Schaufensterkrankheit (Arteriosklerose der Beinarterien-pAVK), zu Bluthochdruck (Nierenarterien), zum Herzinfarkt (Koronararterien) oder eben zum Schlaganfall (Halsschlagader) führen.

Verengung an der Halsschlagader

Im Bereich des Halses teilt sich die Halsschlagader in einen Ast auf, der Gesicht und Auge versorgt (A. carotis externa) und einen Ast, der das Gehirn versorgt (A. carotis  interna). Und genau in dieser Aufgabelung kommt es bevorzugt zu Ablagerungen, die dann mit dem Blutstrom weggeschwemmt werden können. Eine solche Karotisstenose verursacht dann entweder Symptome am Auge oder im Gesicht (A. carotis externa) oder aber im Hirn (A. carotis interna) verursachen.

Diagnostik einer Karotisstenose

Mit einer Ultraschalluntersuchung des Halses, genauer einer Farbduplexsonographie, kann man schnell und schmerzlos die Durchblutung der Halsgefäße messen, die Arterienwand beurteilen und feststellen, wie stark die Engstelle (Stenose) bereits ausgebildet ist. Der Stenosegrad wird dabei nach NASCET beschrieben und kann 30, 50, 60 oder auch 90% betragen.

Auch kann man bei der Sonographie die Gefäßwand selbst ausmessen und die Intima-Media-Dicke bestimmen. Bereits ab 1,5 mm spricht man von einer krankhaften Veränderung der Gefäßwand. Je dicker bei einem Patienten die Gefäßwand ist, umso höher ist das Risiko, dass dieser Patient einen Herzinfarkt erleidet oder einen Schlaganfall bekommt bzw. eine Arteriosklerose der Beinarterien vorliegt.

Auch die Karotisstenose selbst können die Ärzte mit der Sonographie beurteilen. Weiche Ablagerungen, die zerklüftet sind und sogenannte Ulcera aufweisen, neigen eher dazu, durch das Abschwemmen von kleinen Partikeln Symptome auszulösen. Eine schnelle Behandlung ist dann wichtig.

Wenn die Neurologen bei Paracelsus bei einem Patienten sonographisch eine höhergradige Verengung der Halsgefäße festgestellt haben, dann veranlassen sie weitere Untersuchungen für den Patienten, wie ein MRT oder CT des Kopfes/ Halses. Eine Kontrastmittelgabe ermöglicht es, alle verengten Stellen nachzuweisen und gleichzeitig zu beurteilen, ob bereits kleinere Schlaganfälle unbemerkt stattgefunden haben.

Fortschreiten der Stenose stoppen

Bereits bestehende Ablagerungen bilden sich nicht mehr zurück. Es gilt, neue Ablagerungen zu vermeiden. Und dazu können die Patienten ganz wesentlich beitragen, indem sie Risikofaktoren minimieren. Durch einen Nikotinverzicht, gesundes Essen, viel Bewegung, optimal eingestellte Blutzucker- und Blutdruckwerte sowie eine gesunde Work-Life-Balance können Gefäße gesund gehalten bzw. das Fortschreiten einer Karotisstenose verlangsamt werden.

Zum anderen sollte bei Patienten mit bereits vorhandenen Stenosen die Einnahme von milden, „blutverdünnenden“ Medikamenten wie ASS 100 sowie die Statineinnahme zur Reduktion der Fett- und Cholesterinspiegel geprüft werden, da diese Medikamente nicht nur neue Ablagerungen verhindern, sondern die bereits bestehenden stabilisieren.

Sollte jede Verengung der Halsschlagader operiert werden?

Eine zwangsläufige Operation im Falle einer Karotisstenose ist nicht zu empfehlen. Das Schlaganfallrisiko steigt mit dem Stenosegrad, Stenosen unter 50 % werden in der Regel nicht operiert.

Patienten, die noch gar keine Symptome hatten (asymptomatisch) und bei denen die Stenose weniger als 60 % beträgt, haben ein Schlaganfallrisiko von 1 % pro Jahr und sollten nicht operiert werden. Wenn die Karotisstenose jedoch auf mehr als 70 % steigt, erhöht sich das Schlaganfallrisiko auf 5 % pro Jahr. Bei diesen Patienten kann dann eine Operation einen Schlaganfall verhindern.

Patienten mit Symptomen (die bereits erwähnten Vorboten des Schlaganfalls) oder Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, profitieren bereits bei einer Karotisstenose von mehr als 50 % von einer Operation, besonders dann, wenn eine weiche, ulcerierte Ablagerung vorliegt.

Studienauswertungen haben gezeigt, dass bei Patienten, die einen Schlaganfall überstanden haben, das Risiko, einen zweiten Schlaganfall zu erleiden, in den ersten 6 Monaten deutlich ansteigt. 40 von 100 Schlaganfallpatienten erleiden innerhalb von 10 Jahren einen weiteren Schlaganfall. Der ist dann mitunter lebensbedrohlich oder führt zu deutlich einschränkenden Schäden. Daher ist es sinnvoll und notwendig zu handeln, bevor ein Schlaganfall auftritt.

Was wird bei der Operation einer verengten Halsschlagader gemacht?

Es gibt zwei unterschiedliche Methode zur operativen Behandlung einer Karotisstenose. Zum einen die offene Operation, bei welcher durch einen Schnitt am Hals die Ablagerungen aus den Gefäßen herausgeschält werden (TEA – Thrombendarteriektomie). Anschließend verschließt der Gefäßchirurg das Gefäß mit einem Gefäßläppchen (Patch) aus Kunststoff oder Rinderperikard. Alternativ kann es auch mittels direkter Naht (EEA-Endarteriektomie) versorgt werden. Diese Operation kann in Vollnarkose oder Lokalanästhesie durchgeführt werden.

Zum anderen kann der Operateur die Engstelle mit einem Ballon, welcher über die Leistenschlagader eingeführt wird, aufdehnen. Ein Stent hält das Gefäß dann offen. Dieses Verfahren ist angezeigt, wenn ausgedehnte Vernarbungen am Hals oder komplikationsreiche Voroperationen vorliegen. Auch Patienten mit deutlich erhöhtem Risiko während einer Operation sollten mittels Ballon und Stent operiert werden.

Wie gefährlich ist eine Operation an der Halsschlagader?

Neben den allgemeinen Risiken einer Operation, wie Entzündung, Wundheilungsstörung und Blutung kann in 2-2,5 % der Fälle während der Operation ein Schlaganfall auftreten. In der Paracelsus-Klinik Zwickau verwenden die Spezialisten daher zur Vorbeugung eines Schlaganfalls ein sogenanntes Shuntsystem. Das ist ein Röhrchen, welches während der Operation in das verengte Gefäß eingelegt wird und so gewährleistet, dass das Gehirn die ganze Zeit mit Blut versorgt wird.

In Zusammenarbeit mit den Kollegen der neurologischen Abteilung leiten die Gefäßchirurgen während der Operation zusätzlich kontinuierlich die Hirnaktivität ab, so eine Minderdurchblutung des Gehirns sofort angezeigt wird. anzeigen, sodass schnell und sicher Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Auch die intraoperative, hochdosierte Gabe eines Blutverdünners (Heparin) soll eine Blutgerinnselbildung verhindern und erklärt, warum die Patienten oft nach der Operation blaue Flecken am Hals haben (Hämatome).

Wie lange muss der Patient nach der OP im Krankenhaus bleiben?

Unmittelbar nach der Operation erfolgt für 24 Stunden die Überwachung des Patienten am Monitor auf der Intensivstation. Danach kann der Patient auf der allgemeinchirurgischen Station wieder aufstehen und die Toilette besuchen. Wenn notwendig, erhält er eine physiotherapeutische Unterstützung beim Laufen über den Flur. Die während der Operation eingelegte Drainage zum Ableiten der Wundflüssigkeit wird in der Regel bereits am 2. Tag entfernt. Am 3.-4. postoperativen Tag kann der Patient, je nachdem wie er sich fühlt und die Wunde heilt, wieder nach Hause. Vor der Entlassung erfolgen immer ein ausführliches Gespräch und eine neurologische Untersuchung. Die Fäden werden dann 5 Tage später entfernt. In der Paracelsus Klinik Zwickau kann das auch im MVZ der Klinik geschehen.

Kann man nach der Operation sofort wieder arbeiten oder Sport treiben?

Nun die meisten Patienten, wegen einer Verengung an der Halsschlagader operiert werden, sind älter als 65 Jahre und können sich somit als Rentner Zeit im Leben lassen. Aber prinzipiell ist eine körperliche Schonung bis zur Entfernung der Fäden anzuraten, dann ist eine volle Belastbarkeit wiedergegeben.

Kontrolle nach der Operation an der Halsschlagader

Wichtig ist, dass alle Patienten, die eine höhergradige Verengung der Halsschlagader haben oder daran operiert wurden, täglich eine „blutverdünnende“ Tablette einnehmen müssen. Auch nach der Operation weisen die Gefäßspezialisten immer wieder darauf hin, die blutverdünnende Therapie nicht zu beenden. Des Weiteren empfehlen die Ärzte eine regelmäßige Kontrolle der Fett- und Cholesterinwerte. Ultraschallkontrollen sollten nach 6 und 12 Monaten erfolgen.