RLS - Restless Legs Syndrom

Konzept zu Diagnostik und Therapiebeginn von Patienten mit Restless Legs Syndrom

Das Restless Legs Syndrom zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, obwohl es immer noch weitgehend nicht oder fehldiagnostiziert wird. Die Prävalenz in der Bevölkerung über 65 Jahre beträgt bis zu 9,8 Prozent in Deutschland (Rothdach et al. 1999). Neuere Studien weisen darauf hin, dass auch in der Gesamtbevölkerung eine Prävalenz von bis zu zehn Prozent mit Überwiegen der Frauen zu erheben ist (Berger et al., unveröffentlichte Daten). Kanadische und amerikanische Studien bestätigen diese Zahlen zumindest in der kaukasischen Bevölkerung (Philips et al. 2000). Wie hoch der Prozentsatz der hiervon therapiebedürftigen Patienten ist, kann derzeit nicht durch Studien belegt werden. Eine Schätzung geht davon aus, dass von diesen zehn Prozent wiederum etwa 10 bis 20 Prozent wegen ausgeprägter Schlafstörungen therapiebedürftig sind. Die klinische Symptomatik des Restless Legs Syndroms (RLS, Syndrom der unruhigen Beine) ist so charakteristisch, dass die Diagnose "Restless Legs Syndrom" häufig bereits aus der Anamnese vermutet werden kann. Hierzu haben auch die Definitionskriterien beigetragen, die 1995 durch eine internationale RLS Study Group erstellt wurden (Walters et al. 1995). 2003 wurden die so genannten essenziellen Kriterien, eine Überarbeitung der Minimalkriterien erstellt. Diese gelten derzeit zur Diagnose des RLS und sind im Folgenden wiedergegeben. Sie wurden in einer gemeinsamen Konferenz im Jahr 2002 erarbeitet.


Für die Diagnose RLS sind vier Minimalkriterien zwingend erforderlich. Die zusätzlichen Kriterien fünf bis neun tragen ergänzend zur Diagnosestellung bei.
Die Einteilung erfolgt in essenziellen Kriterien, die aus den vier wichtigsten klinischen Symptomen bestehen und obligat zur Diagnosestellung erforderlich sind sowie in "Zusatzkriterien", die fakultativ auftreten können. Unabhängig davon wird das RLS in eine primäre (idiopathische) und eine sekundäre (symptomatische) Form unterteilt. Es besteht dahingehend Übereinstimmung, dass sich beide Formen in ihrer klinischen Symptomatik nicht oder nur unwesentlich unterscheiden (Trenkwalder et al. 1996).


Patienten mit RLS klagen über unangenehme Sensationen der Beine, die nahezu ausschließlich in Ruhe- oder Entspannungssituationen auftreten. Die Symptome werden als Kribbeln, Stechen, Brennen oder ziehende Schmerzen "tief in den Muskeln" beschrieben. Die Beschwerden gehen meist von den Unterschenkeln aus, gelegentlich sind sie nur um das Kniegelenk lokalisiert, manchmal auch in den Hüften oder Sprunggelenken. Die Missempfindungen können einseitig, beidseitig oder alternierend auftreten. Meist zeigt sich intraindividuell ein konstantes Muster, das über Jahre bestehen bleiben kann. Beim fortgeschrittenen und schweren RLS können auch die oberen Extremitäten, meist die Unterarme, und in seltenen Fällen der gesamte Körper betroffen sein. Ein entscheidendes Kriterium für RLS ist das gleichzeitige Auftreten dieser Beschwerden mit einem äußerst unangenehmen, nicht unterdrückbaren Bewegungsdrang der betroffenen Extremitäten.
Definitionsgemäß dürfen RLS-Beschwerden nur in Ruhe- und Entspannungssituationen oder aus dem Schlaf heraus auftreten. Typische Situationen, in denen ein Auftreten oder eine Zunahme von RLS geschildert wird, sind Auto-, Bus- und Flugreisen, Kino- und Theaterbesuche, längere Konferenzen, Immobilisation von Extremitäten durch einen Gipsverband oder krankheitsbedingte Bettruhe. Neben dem ausschließlichen Auftreten der Symptomatik in Ruhe beinhaltet das Kriterium auch die Reduktion der Symptome durch Aktivität – ein entscheidendes Merkmal zur Abgrenzung gegenüber anderen Bewegungsstörungen.


Viele Patienten berichten spontan, dass sie besonders am Abend unter den Beschwerden leiden. Während Ruhephasen am Morgen meist symptomfrei verlaufen, beginnen am späten Nachmittag häufig erste Symptome. Die Zunahme der Symptomatik am Abend kann den subjektiv wahrgenommenen Schlafstörungen manchmal um Jahre vorangehen.
    
Die Therapie des Restless Legs Syndroms besteht überwiegen in der Gabe
von dopaminhaltigen Substanzen, entweder L-Dopa selbst (derzeit einziges zugelassenes Medikament in Deutschland ist Restex) oder so genannten Dopaminagonisten, die bisher noch nicht zugelassen sind, aber eine Zulassung anstreben. Die Behandlung des RLS sollte ausschließlich von einem Arzt erfolgen, der mit der Behandlung dopaminerger Medikamente vertraut ist. Die Einzelheiten der Therapie können den Leitlinien der Therapie des RLS der DGN entnommen werden. Es ist insbesondere darauf zu achten, dass Patienten, die immer heftigere Beschwerden erfahren, nachdem sie eine Behandlung mit einem dopaminergen Medikament begonnen haben, unter einer so genannten Augmentation leiden können. Dies zeigt sich dadurch, dass die Beschwerden immer früher am Tage beginnen und teilweise immer heftiger werden können, obwohl das Medikament immer noch eine gute Wirkung zeigt. Die Folge sind jedoch eine Dosiserhöhung sowie mehrfache Einnahmen der Medikamente tagsüber und nachts. Es ist dringend erforderlich, diese Entwicklung zu durchbrechen, das heißt, das Medikament abzusetzen oder auf ein anderes Präparat umzustellen.