Schlafstörungen

Etwa 90 Prozent der therapiebedürftigen RLS-Patienten klagen über Schlafstörungen, die sich überwiegend als Kombination von Ein- und Durchschlafstörungen manifestieren können. Ursache hierfür sind die Missempfindungen, die oft bereits wenige Minuten nach dem Zubettgehen auftreten. Wenn neben den sensiblen Störungen auch motorische Symptome mit periodischen Beinbewegungen am Übergang vom Wachen zum Schlaf auftreten, ist dies für die Patienten besonders quälend. Während zu Beginn der Erkrankung die Schlafstörungen nur intermittierend auftreten und lange Phasen ohne subjektive Schlafdefizite beschrieben werden, nimmt das Ausmaß und die Häufigkeit der auftretenden Schlafstörung meist im höheren Lebensalter deutlich zu. Erhöhte Tagesmüdigkeit als Folge der Schlafstörungen beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit der Patienten.

Wenn die richtige Diagnose nicht gestellt wird, kann eine spezifische Behandlung nicht erfolgen und damit werden über Jahre schwere Beeinträchtigungen der Lebensqualität und eine verminderte Arbeitsfähigkeit hingenommen. Dies führt zu zahlreichen Arztbesuchen, Arztwechsel, Krankheitstagen und Arbeitsausfällen unter verschiedenen Diagnosen wie psychosomatische Beschwerden, Depressionen, Schlafstörungen, unklare Beinbeschwerden oder Venenleiden.

Patienten mit RLS wenden sich in erster Linie wegen der Schlafstörungen an ihren Hausarzt oder wegen sensibler Störungen oft an den Nervenarzt beziehungsweise Neurologen. In Unkenntnis der Diagnose werden die Patienten aber oft vom Hausarzt zur Behandlung der Schlafstörungen oder zur besseren Entspannung an die Bereiche Psychosomatik oder Psychotherapie verwiesen. Die dann folgenden, oft langwierigen und aufwendigen Therapieverfahren sind äußerst kostenintensiv, ohne eine wirkliche Besserung der Symptomatik zu erreichen. Bei vielen Patienten wird die Erkrankung über 20 Jahre nicht oder fehldiagnostiziert, bis sie häufig selbst auf Grund von Informationen aus den Medien oder dem Internet die richtige Diagnose stellen und sich an Schlafexperten oder Selbsthilfegruppen wenden. Eine Umfrage unter RLS-Patienten einer Regionalgruppe des deutschen RLS e. V. in NRW zeigte, dass durchschnittlich fünf Ärzte konsultiert wurden und zehn Jahre bis zur Diagnosestellung RLS erforderlich waren.

Die fehlende Diagnose bei meist behandlungsbedürftigen Schlafstörungen führt dazu, dass zunehmend Schlafmittel verordnet werden, die nur eine partielle Wirkung bei RLS zeigen, aber zu einer dauernden Abhängigkeit führen. Ein weiterer Teil der Patienten wird unter der Diagnose chronische Venenleiden behandelt, teilweise sogar einer Operation zugeführt, ohne dass es zu einer Verbesserung der Beschwerden kommt (Statistik der Deutschen Gesellschaft für Venenerkrankungen, Jahrestagung Fulda, 2000).
Die richtige Diagnose der so genannten sekundären oder symptomatischen Formen des RLS kann zu einer kausalen Therapie der Erkrankung führen, zum Beispiel bei Eisenmangel. Sekundäre Formen des RLS treten bei Niereninsuffizienz, Dialyse, Eisenmangel, endokrinen Störungen insbesondere Hyperthyreose, Diabetes mit Polyneuropathie oder in der Schwangerschaft auf. Hierbei können die frühzeitige richtige Diagnose und Therapie zu einer erheblichen Kostenersparnis und Reduktion des Leidenswegs des Patienten führen. Manchmal ist jedoch trotz ausreichender Substitution zum Beispiel mit Eisen eine zusätzliche, oft vorübergehende spezifische Behandlung des RLS erforderlich.