Im Einsatz für mehr Lebensqualität

Dr. Bijan Zomorodbakhsch will als neuer leitender Oberarzt in der "Klinik am See" Krebspatienten helfen.

Der Einstieg war schon ein Besonderer: Kurz bevor Dr. Bijan Zomorodbakhsch ab dem 2. Januar seine Tätigkeit bei Paracelsus in Bad Gandersheim in der onkologischen „Klinik am See“ aufnahm, schreckte ihn kurz vor Weihnachten die Meldung auf, dass der Konzern einen Insolvenzantrag gestellt habe. Und doch ging alles seinen gewollten Gang, seit knapp zwei Wochen ist er nun bereits als neuer leitender Oberarzt tätig. Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. Das Gandersheimer Kreisblatt hatte Gelegenheit, den neuen Mann in der „Klinik am See“ kennenzulernen und ihn mit einem Interview vorzustellen.

Dr. Zomorodbakhsch, wie war ihr Weg bis zur heutigen Beschäftigung?

Meine akademische Laufbahn habe ich an der Georg-August-Universität Göttingen begonnen, zunächst in den Fächern Physik und Mathematik, später dann mein eigentliches Anliegen, die Humanmedizin. Nach Abschluss meiner Promotion begann ich meine Facharztausbildung zum Internisten, Hämatologen und Onkologen am Städtischen Klinikum Braunschweig bei Prof. Wörmann. Später wechselte ich dann nach Wernigerode an das Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben, wo ich ab 2010 als Oberarzt in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie tätig war. 2009 erwarb ich die Qualifikation Palliativmedizin, 2013
dann das Zertifikat der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie. Im selben Jahr noch übernahm ich die Leitung der Abteilung und leitete seitdem auch die Interdisziplinäre Tumorkonferenz des Harzklinikums. Parallel hierzu gründete ich eine palliativmedizinische Einheit. Zusätzlich arbeitete ich mit eigenem kassenärztlichen Sitz in der angegliederten MVZ-Praxis für Hämatologie und Onkologie – die ideale
Kombination einer im eigentlichen Sinne ganzheitlichen Betreuung von Patienten zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

Was hat sie überhaupt motiviert, Arzt und im Speziellen Hämatologe/Onkologe zu werden?

Meine Verbundenheit zur Natur war der Grund, warum ich zunächst Veterinärmedizin studieren wollte. Da es seinerzeit genügend Tierärzte gab, riet man mir davon ab. So wandte ich mich zunächst den Grundlagenwissenschaften zu. Dann aber spürte ich, dass meine Liebe zur Natur und zu den Menschen in der Humanmedizin ihr eigentliches Ziel fand. Hierin führte mich der Anspruch an eine möglichst umfassende Medizin rasch zum Fachgebiet der Inneren Medizin. Den hier wohl spannendsten und faszinierendsten Bereich stellte für mich die Hämatologie und Onkologie dar. Die Tumorerkrankung ist vielleicht unser größtes Leid. Anvertraute Menschen hierbei ein Stück ihres Lebensweges begleiten zu dürfen, ihr Leid zu lindern und diesem eine Form zu geben, in dem es lebbar wird, habe ich in den vergangenen Jahren als eigentliche Aufgabe des Arztseins sehr zu schätzen gelernt.

Was war der Anreiz, sich den Aufgaben der Rehabilitation zu stellen?

Noch immer und immer mehr stellt die Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten die eigentlich große Herausforderung dar. Es verwundert daher nicht, dass immer mehr Patienten nach eigenen Handlungsmöglichkeiten suchen, um mögliche Nebenwirkungen der Behandlung zu mindern, aber auch um die Autonomie über ihren Körper und ihr eigenes Leben zu behalten. Kurzum, dass sie nach Antworten suchen zu der Frage: wie kann ich meine Lebensqualität bessern? Hiermit ist eng die Frage verbunden: Was kann ich selbst für mich tun?“. Und gerade mit diesem Problem werden die Patienten häufig allein gelassen. Aber genau hier beginnt das moderne Verständnis der sogenannten „Integrativen Onkologie“, mit genau dieser Fragestellung im Mittelpunkt. Dieser Begriff der „Integrativen Onkologie“ beschreibt letztlich die Verknüpfung multiprofessioneller medizinischer Verfahren, wie zum Beispiel auch von Schulmedizin und rehabilitativer Medizin. Hierbei bedeutet „rehabilitativ begleitend“, dass sich diese Konzepte an aktuell gültigen wissenschaftlichen, evidenzbasierten Therapiekonzepten orientieren, ganz im Sinne von „auf eine
Beweismaterial gestützte Heilkunde“. Bereits seit mehreren Jahren bin ich auf dem Gebiet der Integrativen
Onkologie tätig, 2016 erwarb ich das Zertifikat „Integrative Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft für Prävention und Integrative Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft. Die Umsetzung meines eigenen Anspruches an eine möglichst umfassende, ganzheitliche, dabei in erster Linie menschliche Betreuung von
Krebspatienten ist im akutmedizinischen Bereich mit heute zum Teil erheblichen Hürden verbunden. Gerade hier sehe ich die Chance, durch einen Wechsel in den Rehabilitationsbereich diesen wichtigen Behandlungszielen neue Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen.


Und wenn Sie mal nicht als Arzt, sondern privat unterwegs sind?

Ich bin glücklich verheiratet und Vater von zwei wunderbaren Kindern im Alter von 15 und 19 Jahren.  Hobbys sind Aktivitäten in der Natur wie zum Beispiel Wandern, Fahrrad oder Kajak fahren, Reisen, Sport und Familie. Der Einstieg in die Klinik als leitender Oberarzt geschah in einer vielleicht irritierenden Situation… Natürlich wünscht man sich andere Umstände, wenn man eine neue Arbeitsstelle antritt. Der Konzern ist sehr groß und besitzt viele Kliniken an verschiedenen Standorten in Deutschland, ist ein „major
player“. Nicht überall stehen die Kliniken so gefestigt da wie in Bad Gandersheim. Hier vor Ort sind keine strukturellen Veränderungen notwendig, dennoch ist zu hoffen, dass anderenorts die Systemfehler erkannt und korrigiert werden können, so dass hier nach drei Monaten neue Wege beschritten werden können.

Dr. Zomorodbakhsch, vielen Dank und ein erfolgreiches Wirken in der „Klinik am See“.

 

Das Interview erschien am 16. Januar 2018 im Gandersheimer Kreisblatt , das Interview führte Rudolf Hillebrecht. Bild: Nadine Marx, Paracelsus-Klinik am See