Blasenschrittmacher hilft bei Kontinenzproblemen

7. Mai 2018 | Ort: Klinik Golzheim Düsseldorf

Paracelsus-Klinik Golzheim setzt auf sakrale Neuromodulation bei Blasenfunktionsstörungen

PD Dr. med. Raschid Hoda setzt regelmäßig Blasenschrittmacher ein.

Viele Menschen, insbesondere Frauen, verspüren sehr häufig und oft auch sehr plötzlich den Drang, zur Toilette zu gehen. Bei einer so genannten Dranginkontinenz meldet die Blase fehlerhafte bzw. zu häufige Signale an das Gehirn, das daraufhin einen unmittelbaren Toilettengang oder sogar die sofortige Entleerung der Blase – eine Inkontinenzepisode – auslöst. Dies führt bei den Betroffenen häufig zu einer starken Einschränkung ihrer Lebensqualität und ihrer sozialen Aktivitäten. Um diese Störung zu behandeln, stehen eine ganze Reihe konservativer und medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie beispielsweise Anticholinergika oder Botox-Injektionen. Wenn diese konventionellen Maßnahmen jedoch nicht den gewünschten Erfolg zeigen, kann eine andere Therapie-Option zum Einsatz kommen: der Blasenschrittmacher. Als erste und bislang einzige Klinik in Düsseldorf setzt die urologische Fachklinik in Golzheim dieses neue und wenig bekannte Therapieinstrument regelmäßig zur Behandlung von Blasenfunktionsstörungen ein. 

Der Blasenschrittmacher ist ein Gerät, das die Muskeln der Blase stimuliert und damit einer überaktiven Blase entgegenwirkt. Ähnlich wie ein Herzschrittmacher wird das kleine Gerät operativ eingesetzt. Die Implantation erfolgt oberhalb des Gesäßes, knapp unter der Haut. Der Blasenschrittmacher sendet dann elektrische Impulse zu den Nerven, die die Muskulatur der Blase und den Harnaustritt regulieren. Dadurch wird unwillkürlicher Urinverlust ebenso gemindert wie der plötzliche oder häufige Drang, zur Toilette zu müssen. Auch im gegenteiligen Fall, also wenn die Blase nicht mehr vollständig entleert werden kann (Harnretention), ist der Blasenschrittmacher eine Option, ebenso bei Symptomen der Stuhlinkontinenz, chronischer Verstopfung und chronischen Schmerzen in der Blase oder im kleinen Becken.

„Sowohl Patientinnen und Patienten mit einer überaktiven Blase als auch mit einer zu schlaffen Blase sind oft verzweifelt auf der Suche nach einer wirksamen Therapie“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Raschid Hoda, Oberarzt  und Sektionsleiter des Fachbereichs Inkontinenz und Laparoskopie an der Paracelsus-Klinik Golzheim. „Sie haben alle klassischen Behandlungsmöglichkeiten ausprobiert und keine hat geholfen. Mit dem Blasenschrittmacher“, so Dr. Hoda weiter, „steht ein Instrument zur Verfügung, das auch in aussichtlos scheinenden Situationen eine erstaunliche Wirkung erzielen kann.“

Ein Blasenschrittmacher funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein Herzschrittmacher: Er sendet permanent schwache elektrische Impulse. Mit ihrer Hilfe dirigiert der Blasenschrittmacher diejenigen Nervenfasern, die Befehle zwischen Gehirn und Blase als elektrische Signale senden und verhindert, dass ungewollt Harn oder Stuhl abgeht. Bevor das Gerät in den Körper implantiert wird, findet eine Probestimulation statt, die mehrere Tage bis Wochen dauern kann. Erst wenn sich die Therapie als erfolgreich erweist, implantiert der Arzt den Blasenschrittmacher dauerhaft. Die Operation dauert nur etwa 20 Minuten. Der Arzt programmiert die Stimulationswerte des Blasenschrittmachers jeweils individuell. Der Patient erhält dann eine „Fernbedienung“, um seinen Blasenschrittmacher zu steuern. Damit kann er das Gerät an- oder ausschalten und - falls nötig - die Stärke der Impulse innerhalb definierter Grenzen verändern. Auf diese Weise lassen sich die Symptome reduzieren; die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten steigt im Gegenzug um ein Vielfaches an.