„Für den Moment ist alles gut.“

31. Januar 2019 | Ort: Berghofklinik Bad Essen

Azubis der Firma Kolbenschmidt/Rheinmetall sammeln Eindrücke in der Berghofklinik

Einblicke geben, Verständnis für die Erkrankung schaffen, Sensibilisierung oder auch Vorurteile abbauen – alles Gründe und Ziele zugleich für den Besuch der Auszubildenden der Firma Kolbenschmidt/Rheinmetall in der Paracelsus-Berghofklinik.

Jana Bergerbusch und Judith Schwertmann füllten über den Vormittag hinweg durch Klinikvorstellung und –führung, Einblicke in die Therapie sowie persönliche Geschichten aktueller Patienten den Begriff  der „stationären Entwöhnungsbehandlung“ mit Leben.

Die Suchtprävention ist der Firma Kolbenschmidt/Rheinmetall ein wichtiges Anliegen im Rahmen der Auszubildenden-Betreuung. Andrea Fuchs, Assistenz Werksleitung, ihre Kollegen aus der betrieblichen Suchtberatung sowie die Ausbildungsleitung nehmen sich dafür in regelmäßigen Abständen die Zeit.

Sichtlich beeindruckt und berührt zeigte sich die Gruppe von den ehrlichen und offenen Einblicken in die persönlichen Suchtgeschichten aktueller Patienten. „Mir wurde klar wie nah wir doch alle eigentlich an einer Suchterkrankung dran sind. Ich hatte ein gewisses „Bild“ zu den Patienten vor Augen. Mir wurde aber klar, dass die Patienten wie du und ich sind – jeden kann es treffen“, reflektiert ein Teilnehmer.

Im Durchschnitt habe man pro Monat 400 bis 500 € für Suchtmittel ausgegeben. Über einen Zeitraum von mehr als 8 Jahren komme dann schon eine ordentliche Summe zusammen, bilanziert ein aktueller Patient. „Damit hätte ich mir auch meine Eigentumswohnung abbezahlen können“, ergänzt er. „Du nimmst was und für den Moment ist dann alles gut. Danach kommt es aber nur noch dicker und du stumpfst einfach irgendwann ab“, beschreibt ein Patient die ersten Gefühle beim Konsum und die Wirkung.

Jana Bergerbusch komplettierte den Vormittag mit sehr gezielten Einblicken in die Therapie. Dabei wurden sowohl Gründe für einen Konsum thematisiert, als auch Inhalte der Therapie. Zur Verdeutlichung griff sie auf das Bild eines Tisches mit vier Beinen zurück. Das Suchtmittel stelle für die Patienten ein Bein dar, wodurch Stabilität, Halt und Sicherheit entstehe. Fällt dieses Bein nun durch eine Suchttherapie weg, entstehe eine Instabilität, so Bergerbusch. Es ist klar: Ohne Ersatz kann es nicht funktionieren. In der Therapie wird den Patienten letztendlich die Möglichkeit gegeben neue Erfahrungen zu sammeln und sich auszuprobieren, sodass ein neues „Standbein“ entsteht. „Wir als Therapeuten sind Wegbegleiter für unsere Patienten. Laufen und entscheiden muss der Patient schlussendlich selber. Es liegt in der eigenen Verantwortung“, fasst sie zusammen.