Knapp 50 Schmerzpatienten und Interessenten hörten Vortrag in der Vogtlandhalle Greiz

21. September 2018 | Ort: Klinik Reichenbach

Chefarzt erörterte Möglichkeiten und Grenzen der Cannabis-Therapie und des Einsatzes von Morphinen

In einem sehr detaillierten und trotzdem extrem kurzweiligen Vortrag (mit anschl. Fragestunde) informierte Chefarzt der Abteilung Anästhesie und Schmerzmedizin sowie Leiter des Schmerzzentrums Dr. med. Frank Hendrich am Donnerstag, 20. September in der Vogtlandhalle Greiz (Konferenzsaal). Rund 50 Interessenten und Patienten mit chronischen Schmerzen kamen und nahmen die Chance wahr, aus erster  Hand zum Thema Cannabis und Morphine informiert zu werden. Bei zahlreichen Krankheiten kann Cannabis hilfreich sein. Neben Medikamenten auf Cannabisbasis sind in Deutschland seit 2007 auch Cannabisblüten verfügbar. In dieser Form besitzt Cannabis ein besonders breites Einsatzspektrum. Leider können Cannabisblüten nicht wie andere Medikamente von einem Arzt verschrieben werden. Sie können nur auf eigene Kosten in Apotheken erworben werden. Voraussetzung dafür ist eine sogenannte Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabis zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie.
Aktuell verfügen lediglich 400 Menschen über eine solche Genehmigung durch das Bundesinstitut für Arznei- mittel und Medizinprodukte. Vor dem Antrag müssen die üblichen Medikamente und Therapieverfahren für
die jeweilige Erkrankung ausprobiert werden. Nur wenn diese nicht ausreichend wirksam sind oder zu starke Nebenwirkungen auftreten – die Betroffenen also als austherapiert gelten –, ist dieser Weg gangbar. Eine Genehmigung kann prinzipiell bei jeder Erkrankung erteilt werden, bei der Cannabis hilft. Bewilligt wurden bisher Genehmigungen für 30 unterschiedliche Krankheiten, wobei einige Patienten auch mehrere Diagnosen aufwiesen. Fünf Diagnosen spielen hierbei mit Abstand die größte Rolle: chronische Schmerzen, Multiple Sklerose, Tourette-Syndrom, depressive Störungen und ADHS. (Quelle: Hanfverband)

Bei welchen Diagnosen kann Cannabis als Medizin helfen?

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin nennt explizit folgende Diagnosen:

  • Spastik bei Multipler Sklerose oder Querschnittserkrankungen
  • Bewegungsstörungen bei Tourette-Syndrom
  • Schmerzen – Migräne, neuropathische Schmerzen, entzündlich bedingte Schmerzen
  • Schmerzzustände – als Ergänzung zu Opiaten und Alternative zu anderen Schmerzmitteln
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung bei AIDS, Krebs
  • Magen-Darm-Erkrankungen mit Appetitlosigkeit und Ekel vor der Nahrung,Nahrungsverweigerung bei Morbus Alzheimer
  • Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapien
  • Glaukom
  • Epilepsie
  • Abhängigkeit und Entzugssymptome bei Benzodiazepin-, Opiat- und Alkoholabhängigkeit
  • Asthma
  • Verwirrung durch die Alzheimer-Krankheit • Depressionen
  • Entzündungen
  • Allergien
  • Juckreiz
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) 
  • Schluckauf (Singultus)
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Zwangsstörungen
  • Reizdarm, Morbus Crohn