Leben mit der Zuckerkrankheit

11. Februar 2016 | Ort: Klinik Hemer

Nachbericht zum Vortrag "Volkskrankheit Diabetes" in der Paracelsus-Klinik Hemer

Dr. Philipp Mueller - Chefarzt der Inneren Medizin in der Paracelsus-Klinik Hemer

Ausgewogene Ernährung, Gewichtsabnahme und Bewegung! Diese drei Ratschläge legte Dr. Philipp Mueller den Besuchern wärmstens ans Herz, um einen Diabetes mellitus zu lindern oder sogar zu verhindern. Der Chefarzt der Inneren Abteilung informierte in der Paracelsus-Klinik Hemer über die Volkskrankheit Diabetes.  Dr. Mueller betreut Zuckerkranke in der Paracelsus-Klinik und arbeitet eng mit einem Diabetes-Netzwerk in Hemer zusammen. 

Die Stoffwechselerkrankung unterscheidet sich in einen Typ I , bei dem die insulinproduzierenden Zellen schon bei Jugendlichen zerstört sind und ein absoluter Insulinmangel vorliegt und den Typ II, der weitaus häufiger vorkommt. Hier wirkt das Hormon Insulin nicht mehr richtig in den Zellen, wo es gebraucht wird, sondern bleibt im Blut. Das Insulin wirkt wie ein Schlüssel, der den Zucker in die Zellen schleust. Mit der Zeit produziert die Bauchspeicheldrüse bei Diabetikern dann immer weniger Insulin. Oft bemerken Diabetiker die schmerzlose Erkrankung lange nicht.  Sie haben anfangs nur mehr Durst, müssen häufiger Wasser lassen und sind müde. Obwohl sie großen Hunger haben und viel essen, verlieren sie an Gewicht, weil die Nährstoffe in den Zellen nicht mehr ankommen. Mit der Zeit häufen sich Infektion, denn die Immunabwehr funktioniert nicht mehr richtig. Wunden heilen schlechter und Wadenkrämpfe und Juckreiz stellen sich ein, die Sehkraft lässt nach, der Atem riecht nach Aceton und Männer leiden unter Potenzstörungen. Im Laufe der Jahre zerstört ein Diabetes Nerven und Blutgefäße. Das kann zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen, chronischen Wunden, Depressionen, Nierenerkrankungen und Netzhautkrankheiten bis hin zur Blindheit führen. Die Schäden an den Blutgefäßen können auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle zur Folge haben. 

Als Ursachen nannte Dr. Mueller vor allem zu viel Essen und zu wenig Bewegung. Eine genetische Veranlagung gebe es zwar auch, sie sei aber nicht so entscheidend. „Diabetes ist eine Zivilisationskrankheit. In Deutschland sind fast 8% der Bevölkerung Diabetiker“, sagte der Chefarzt. Mit ausreichender Bewegung und der richtigen Ernährung kann die Erkrankung aber häufig vermieden werden. Manchmal verschwindet ein bestehender Diabetes dadurch sogar wieder. „Meiden Sie Zucker und gezuckerte Getränke, Fett, Alkohol, Kuchen und Weißmehlprodukte“, riet Dr. Mueller. Er empfiehlt eine ausgewogene Kost mit Obst, Gemüse, Fisch, magerem Fleisch, Vollkornprodukten und viel Wasser. Außerdem sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden und gut eingestellt sein. Bevor man zu Medikamenten greife, sollten erst die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten geändert werden. 

Ist der Blutzucker trotzdem zu hoch müssen die Patienten Antidiabetika einnehmen oder Insulin spritzen. Dr. Mueller wies darauf hin, dass Tabletten den Blutzuckerspiegel nicht so gut einstellen können wie Insulin. Da das Insulin ein körpereigenes Hormon ist, habe es auch so gut wie keine Nebenwirkungen. Eine Gewichtszunahme sei allerdings möglich, weil die Zellen mithilfe des Insulins wieder Nährstoffe aufnehmen. Bei jedem Patienten müsse man individuell festlegen, welcher Weg für ihn der richtige sei. Auf jeden Fall sei es wichtig, einen Diabetes zu therapieren, mahnte Dr. Mueller: „Ein hoher Blutzucker führt zu Gefäßverkalkungen und Nervenschäden. Wenn der Zucker gut eingestellt ist, passiert das nicht.“