Tag der Dystonie

22. Oktober 2018 | Ort: Klinik Zwickau

Das „Kompetenzzentrums für Bewegungsstörungen Zwickau“ (Professor Dr. G. Reichel, PD Dr. S. Gläß und Dr. A. Stenner) lud Betroffene und Angehörige zum Vortrag „Tag der Dystonie in Sachsen“ ein. 

2002 wurde anläßlich des "Tages der Dystonie in Sachsen" in der Paracelsus-Klinik Zwickau die Selbsthilfegruppe der Deutschen Dystonie Gesellschaft e.V. Sachsen gegründet. Den Vorsitz hatten Herr Dr. Tausche und stellvertretend Frau Schmutzler, seit 2003 Frau Schenderlein.

In dem diesjährigen Vortrag von Frau Dr. A. Stenner war das Schwerpunktthema die Behandlung  des muskulären Schiefhalses (der zervikalen Dystonie). Besonders hervorgehoben wurde, dass nun die Behandlung einer besonderen Form des muskulären Schiefhalses, das sogenannte Antecaput (mit ungewolltem nach vorn Beugen des Kopfes), nun mit Botulinumtoxin behandelt werden kann. Damit hat das Kompetenzzentrums für Bewegungsstörungen Zwickau europaweit eine Alleinstellung. Hierfür erfolgt in Zusammenarbeit mit den internistischen Kollegen unseres Hauses die endoskopische Behandlung der betroffenen, sonst schwer erreichbaren Halsmuskeln. 

Besonders beeindruckend für die Zuhörer war die Möglichkeit einer frühen Behandlung einer zervikalen Dystonie schon im Kindesalter, die oft übersehen wird. Spannend wurde auch das Thema des sogenannten Blepharospasmus (Lidkrampf) gefunden. Dieser tritt vorwiegend im mittleren höheren Alter bei Frauen auf. Bei diesem Krankheitsbild wurden die verschiedenen klinischen Varianten den Patienten und Angehörigen vorgestellt. Dabei kann bei den Betroffenen der ungewollte  Lidschluss so stark sein, dass die Augen nicht willentlich zu öffnen sind und die Betroffenen „funktionell“ blind sind. Die Behandlung erfolgt mit Botulinum-Toxin A  um das Auge. Eine andere Variante dieser Erkrankung ist der palpebraler Blepharospasmus. Bei dieser Variante sind nur die Augenlider betroffen und die Injektionstechnik erfolgt in das Augenlid. Oft treten auch beide Krankheitsbilder auf. Weiterhin wurde der sogenannte Hemispasmus facialis vorgestellt. Bei diesem d Krankheitsbild kommt es zu langanhaltenden, ungewollten Verkrampfungen im Gesicht. Dabei muss immer abgegrenzt werden, ob diese Erkrankung nach einer Lähmung des Gesichtsnervs aufgetreten ist. Weiter wurde die sogenannte Lidheberapraxie vorgestellt. Bei dieser Erkrankung handelt sich um eine zentrale Störung, bei der die Betroffenen nicht in der Lage sind, die Augen zu öffnen. Hier kann leider keine Botulinum-Toxin Behandlung erfolgen. Als nächstes wurden die sogenannten oromandibulären Dystonien vorgestellt bei den dystonen Störungen im Kau-, Zungenbereich und im Bereich der unteren Gesichtsmuskulatur. Dabei können auch der Kieferschluss oder die Kieferöffnung betroffen sein wie auch die Zungenmuskulatur. Weiterhin vorgestellt wurden dystone Störungen im Bereich der Sprache (spasmodische Dysphonie), bei der die Patienten nur leise bis hauchend artikulieren können. Das „Kompetenzzentrums für Bewegungsstörungen Zwickau“ benutzt hier eine spezielle Injektionstechnik mittels Ultraschall und EMG (elektromyografischer Injektion). Schließlich wurden die Dystonien im Handbereich und- Armbereich besprochen, wie Schreibkrampf oder bei bestimmten Tätigkeiten auftretende Dystonien (aktionsinduzierte Dystonien) wie beim Schreiben oder Malen oder Spielen von Instrumenten. 

Anschließend erfolgte eine Diskussion, bei der die Betroffenen und Angehörigen Fragen zu ihrem Krankheitsbild stellen konnten. Der Vortrag wurde sehr positiv aufgenommen und die Diskussion rege genutzt .Die Patienten bedankten sich spontan mit einem Blumenstrauss. Für alle war dies ein gelungener Tag der Dystonie in der Paracelsus-Klinik in Zwickau.