Wenn im Schlaf die Luft wegbleibt

1. Februar 2016 | Ort: Klinik Hemer

Behandlung der Schlafapnoe

Dr. Peter Jurksas (niedergelassener Arzt)

Wer denkt bei einem zu hohen Blutdruck schon an Atemaussetzer im Schlaf als Ursache? „Die obstruktive Schlafapnoe ist die häufigste behandelbare Ursache des arteriellen Bluthochdrucks“, erklärt Dr. Peter Jurksas. Der Hemeraner Allgemeinmediziner sieht in seiner Praxis häufig Patienten, bei denen er den Verdacht auf eine Schlafapnoe hat, also auf Atemaussetzer während der Nachtruhe. Ihr Blutdruck ist zu hoch und lässt sich mit Medikamenten nicht einstellen, sie klagen über Schlafstörungen und chronische Müdigkeit, fühlen sich psychisch belastet, haben vielleicht häufige Atemwegsinfektionen oder Schmerzen im Bewegungsapparat. Die Schlafapnoe kann auch hinter Herzrhythmusstörungen, koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Diabetes vom Typ II stecken. 

Wenn der Atem mehr als fünf Mal pro Stunde für länger als zehn Sekunden aussetzt und der Patient über Müdigkeit am Tag oder Schlafstörungen berichtet, spricht man von einer Schlafapnoe. Das Hauptsymptom ist lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen. Der Patient selbst bemerkt es häufig nicht einmal. Er fühlt sich tagsüber nur müde, hat einen unruhigen  Schlaf,  schwitzt möglicherweise in der Nacht oder leidet unter nächtlichen Erstickungsanfällen. Weitere Symptome, die an eine Schlafapnoe denken lassen sind nächtlicher Harndrang oder Potenzstörungen. Auch morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen können auftreten.

Bei einer obstruktiven Schlapnoe sinken während des Schlafs das Gaumenzäpfchen und der Zungengrund herab und verschließen die Atemwege.  Der Atem setzt aus und der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, Ältere mehr als Jüngere. Auch Übergewichtige leiden öfter unter einer Schlafapnoe. Ursache können auch Schlaf- oder Beruhigungsmittel sein, weil sie die Muskeln erschlaffen lassen, auch die im Gaumen. Weitere Risikofaktoren sind Schwangerschaft, Rauchen, Alkoholgenuss, Rheuma, Asthma, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine große Zunge, vergrößerte Mandeln, Nasenpolypen und viel Fett- und Bindegewebe am Eingang der Atemwege. 

Dr. Jurksas informierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe PiD – Paracelsus im Dialog »Ärzte direkt« über die Diagnose einer Schlafapnoe. Wenn er einen Verdacht auf nächtliche Atemaussetzer hat, lässt er den Patienten einen standardisierten Fragebogen zur Selbsteinschätzung ausfüllen. Zudem kann er den Betroffenen ein kleines Gerät zur nächtlichen Atemüberwachung mit nach Hause geben. Das erspart Vielen eine Nacht im Schlaflabor. Ist eine Schlafapnoe diagnostiziert, richtet sich die Therapie nach der Ursache der Erkrankung. „Manchmal werden die Atemaussetzer nur durch einen verrutschten Unterkiefer verursacht. Dann reicht eine Biss-Schiene vom Zahnarzt“, erklärt Dr. Jurksas. Oft hilft eine CPAP-Therapie. Über eine Maske wird dabei regelmäßig Luft in die Atemwege gepresst. Während ältere Geräte oft recht laut waren, sind die Neueren, nach Angaben von Dr. Jurksas, sehr leise. Durch die Beatmung werden die Patienten wieder mit genügend Sauerstoff versorgt und schlafen häufig seit langer Zeit das erste Mal wieder erholsam. Der Körper kann dann wieder in ein Gleichgewicht finden. „Eine CPAP ist effektiver, um den Blutdruck zu senken, als eine medikamentöse Therapie“, ist Dr. Jurksas überzeugt. Häufig schickt der Allgemeinmediziner die Patienten auch zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dort werden Nasenscheidewand, Polypen, Zäpfchen, Gaumenbögen und Mandeln überprüft und gegebenenfalls operiert. Sollten die Therapien nicht helfen, ist auch eine sogenannte Neurostimulation denkbar. Dabei wird der Zungengrund mithilfe eines Schrittmachers stimuliert, damit er im Schlaf nicht absinkt. Vieles können die Patienten aber selbst gegen die Atemaussetzer tun. „Verzichten Sie auf Alkohol und rauchen Sie nicht. Senken Sie Übergewicht und meiden Sie Schlaf- und Beruhigungsmittel. Legen Sie sich im Bett auf die Seite und nicht auf den Rücken und versuchen Sie, zu einem regelmäßigen Schlafrhythmus zu finden. Dann haben Sie schon viel gegen eine Schlafapnoe getan“, rät der Arzt.