Interdisziplinäres Team einzigartig in Westsachsen

12. Juni 2018 | Ort: Klinik Schöneck, Klinik Adorf

Schönecker Wirbelsäulenchirurgie mit imponierender Leistungspalette / „Rundumzugang“ zur Wirbelsäule garantiert

Von links: Shamkai Khaybulaev (Assistenzarzt), Oberarzt Markus Zielke (Facharzt für Chirurgie, Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie), Leitender Oberarzt Alexander Podlubniy (Facharzt für Neurochirurgie), Chefarzt Dr. med. Eduard Kraus (Facharzt für Neurochirurgie, Neurochirugische Intensivmedizin), Dr. phil. Theo Polder (Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Handchirurgie, Facharzt für Neurochirurgie, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnung Chirotherapie) und Dr. med. Matthaios Christoforidis (Facharzt für Neurochirurgie) bilden das einzigartige interdisziplinäre Team. Foto: Jens Lott

Seit gut viereinhalb Jahren leitet Chefarzt Dr. med. Eduard Kraus die die Abteilung Wirbelsäulenchirurgie am Paracelsus-Klinikstandort Schöneck. In diesem verhältnismäßig kurzen Zeitraum haben er und seine Mitstreiter eine beachtliche Leistungsdichte in diesem hochspezialisierten Fachbereich geschaffen.

Ein Interview.

Herr Chefarzt haben sich Ihre Wünsche und Vorstellungen erfüllt?“

Dr. med. Eduard Kraus: „Ich will natürlich nicht selbstzufrieden werden, aber im Großen und Ganzen – ja.“

Die Qualität und die Zahl der von Ihnen durchgeführten Operationen führt zu Top-Bewertungen führender Magazine in Deutschland ....“

Dr. med. Eduard Kraus: „Das heißt aber nicht, dass wir alles operieren, etwa auch noch aus finanziellen Gründen.  Im Gegenteil, wir haben eine strenge Indikationsstellung für die OP’s und das hat sich – glaube ich – auch herumgesprochen. Es wird, abgesehen von Lähmungen und Blasen-Darm-Inkontinenz und abgesehen von den Fällen, wo schon seit Jahren konservative Therapieresistenz besteht, immer erst konservativ behandelt. Das ist ganz wichtig zu betonen.“

Haben Sie in Ihrer Abteilung denn etwas Besonderes, das Sie auszeichnet?“

Dr. med. Eduard Kraus: „Ja und das sind unsere verschiedenen Fachdisziplinen, die alle intensiv zusammenarbeiten, wo jeder seine besondere Sicht einbringt, um das bestmögliche Behandlungs- und OP-Ergebnis zu erreichen.“

Was meinen sie damit genau?“

Dr. med. Eduard Kraus: „Wir sind zurzeit 6 Kollegen, wobei einer noch sehr jung ist, aber das ist auch wichtig, dass Nachwuchs geschult wird.  Die anderen 4 Kollegen haben Jahrzehnte lange Erfahrung und ich Erfahrung über 40 Jahre. 

Das Besondere bei uns ist die Interdisziplinarität. Das heißt, von den 5 Erfahrenen haben 4 den Facharzttitel für Neurochirurgie, 2 den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, 2 den Facharzt für Chirurgie, einer noch zusätzlich den Facharzt für Handchirurgie sowie Zusatzbezeichnung Chirotherapie, manuelle Therapie und ich habe noch die Zusatzbezeichung neurochirurgische Intensivmedizin.“

Das klingt beeindruckend...

Dr. med. Eduard Kraus: „Ja, schon imponierend und sicherlich etwas Besonderes. Da müssen Sie lange suchen, bis Sie eine vergleichbare Abteilung oder Klinik finden.“

Und was ist jetzt der konkrete Vorteil?

Dr. med. Eduard Kraus: „Das Gute daran ist, dass wir aus der Sicht und Kenntnis der genannten Fachdisziplinen uns um jeden einzelnen Patienten kümmern können und es so leichter haben, ein optimales Behandlungsergebnis zu erreichen.“

Können Sie das etwas konkreter machen?

Dr. med. Eduard Kraus:  „Sehen Sie, zum Beispiel unfallchirurgisch. Diese Fachdisziplin beschäftigt sich hauptsächlich mit Knochenbrüchen, die heutzutage meist verschraubt oder verplattet oder auch zementiert werden. Die Unfallchirurgen haben also darin eine besondere Expertise und die wird auch in der Wirbelsäulenchirurgie gebraucht.“

Was ist mit der Orthopädie?

Dr. med. Eduard Kraus:  „Die Orthopäden beschäftigen sich mit der ganzen Wirbelsäule und das konservativ und operativ. Das ist ihre Domäne. Also mit Stellung, Haltung, Beweglichkeit und mit den entsprechenden Störungen, wie Skoliosen, Instabilität usw. Wir beschäftigen uns in der Wirbelsäulenchirurgie gerade in der letzten Zeit mit dem sagittalen Relief, also der Wirbelsäulenschwingung von der Seite betrachtet, und zunehmend nicht mehr nur mit einzelnen Bewegungsabschnitten oder Wirbelsäulensegmenten, wie Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, sondern haben die ganze Wirbelsäule im Auge. Das ist in erster Linie der Verdienst der orthopädischen Sichtweise. Im Allgemeinen spielt das frontale Relief, also die Krümmung zur Seite, für die Behandlung und das OP-Ergebnis eine geringere Rolle, als das sagittale Relief, die Krümmung nach vorne oder hinten oder das Wirbelgleiten.“

Dann bleibt noch die Neurochirurgie?

Dr. med. Eduard Kraus: „Die ist bei uns natürlich am stärksten vertreten und das muss auch so sein, weil sie sich in besonderer Weise mit dem Rückenmark und den Nervenwurzeln beschäftigt, auch mit dem verlängerten Mark in der obersten HWS lokalisiert, das schon zum Hirnstamm gehört. Der Hirnstamm ist mit einem Wort das Wichtigste im Körper, ein Herz kann man ersetzen, das Rückenmark nicht. Das ist ja das Besondere an der Wirbelsäule, dass Knochen, Wirbelgelenke, Bandscheiben und Bänder, auch die angrenzenden Muskeln, praktisch die Hardware darstellen und das Rückenmark und die Nerven die Software. Vergleichbar damit ist nur der Schädel und das Gehirn. Das Rückenmark ist Teil des zentralen Nervensystems, was die besondere Beteiligung der Psyche, seelischer Zustände bei Wirbelsäulenleiden erklärt. Da muss man nur Hinweisen auf die bekannten Ausdrücke: “das Kreuz mit dem Kreuz”, “Haltung bewahren und zeigen”, und eine Vielzahl mehr, die die enge Verzahnung von Wirbelsäule und Seele belegen. Das ist auch Teil und Aufgabe des Neurochirurgen bei der Behandlung von Wirbelsäulenpatien- ten. Die behutsame Behandlung, Gesprächsführung, aber auch die rasche OP, wenn sie notwendig ist.“

Und wie geht es nun weiter?

Dr. med. Eduard Kraus:  „Wir haben die Fachdisziplin Chirurgie vergessen. Damit erlaubt sich uns der Rundumzugang zur Wirbelsäule, also durch Brustkorb und Bauch, aber dies wird jetzt zu technisch, ist aber natürlich ein zusätzlicher Gewinn. Zu Ihrer Frage, wir müssen uns um jeden einzelnen Patienten kümmern, fast jeder braucht die Beurteilung der Kollegen der verschiedenen Fachdisziplinen. Das ist unsere tägliche Erfahrung, dass wir durch den interdisziplinären Austausch die besten Behandlungsergebnisse bekommen.“

Sie haben am Anfang die medizinische Erfahrung angesprochen. Ist die heutzutage noch so wichtig, wo doch alles in den Medien zugänglich ist, man kann sich sogar im Internet jede Menge Operationen ansehen?

Dr. med. Eduard Kraus:  „Ich habe 40 Jahre Erfahrung mit Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie, für die tägliche Arbeit ist das enorm wichtig, es ist ein hohes Gut und ein Privileg, grade wenn alles zugänglich wird und gemacht werden könnte, braucht es Kritikfähigkeit, die eben aus der Erfahrung kommt.“