Bewusstsein für Suchterkrankungen im Arbeitsleben schärfen

17. Mai 2019 | Ort: Berghofklinik Bad Essen, Wiehengebirgsklinik Bad Essen

7. bundesweite Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!“ startet

Alle zwei Jahre hat die bundesweite Präventionskampagne „Alkohol? Weniger ist besser!“ das Ziel über die Risiken des Alkoholkonsums aufzuklären, denn nach wie vor gilt Alkohol als die Volksdroge Nummer eins! Vom 18. bis 26. Mai 2019 findet die nunmehr siebte Auflage der Aktionswoche statt, dieses Mal unter dem thematischen Schwerpunkt „Kein Alkohol am Arbeitsplatz!“. 

Warum Alkohol am Arbeitsplatz ein schwerwiegendes Thema ist belegen die Zahlen: Rund zehn Prozent aller Beschäftigten quer durch die Belegschaft trinken aus gesundheitlicher Sicht zu viel Alkohol. Letztendlich fehlen Beschäftigte mit zunehmendem Alkoholkonsum  bis zu 16 Mal häufiger am Arbeitsplatz. Der Alkoholkonsum passiert zum großen Teil nicht am Arbeitsplatz, sondern zu Hause in der Freizeit. Restalkohol bei Arbeitsbeginn kann die Folge sein. Nach neusten Schätzungen sind das ca. zehn Prozent aller Mitarbeiter, fast überwiegend Männer.

Hinzu komme, so Wolfgang Weikert, Inhaber von Weikert Gesundheitsmanagement und Anbieter von Führungskräfte-Seminaren, das in den Betrieben viel Unsicherheit im Umgang mit Suchtkranken existiere. „Soll, darf oder muss ich als Vorgesetzter das Problem ansprechen?“ oder „Wie mache ich das?“ sind häufig aufkommende Fragestellungen. Aber woran liegt das? „Nicht selten fehlt es in Betrieben an Struktur im Umgang mit Sucht- und psychisch erkrankten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Betroffene werden jahrelang „mitgeschleppt“, weil sich keiner traut, etwas zu unternehmen“, erklärt Weikert. Natürlich gibt es auch schon einige Unternehmen, die die Bedeutung der Thematik Alkohol am Arbeitsplatz erkannt haben und mit einem Gesamtkonzept sowie regelmäßigen Schulungen die Aufmerksamkeit schärfen, sodass betroffenen Mitarbeitern auf gute Art und Weise geholfen werden kann.

Kontroverse Aussagen wie „Sich ein Gläschen in der Mittagspause genehmigen ist grundsätzlich kein Problem.“ gibt es immer wieder. Sie zeigen bedauerlicherweise das geringe Bewusstsein für die Problematik beim Thema Alkohol am Arbeitsplatz. Klar muss hier sein: entweder im Unternehmen gibt es eine Betriebsvereinbarung zum Thema Sucht, dann ist das Trinken von Alkohol während der Arbeitszeit generell für alle Mitarbeiter verboten, oder es gibt keine Betriebsvereinbarung und es gelten die Regeln zum Arbeitsschutz. Passiert innerhalb der Arbeitszeit etwas, haften die Vorgesetzten.

Wolfgang Weikert führt seit mehreren Jahren sehr erfolgreich für verschiedene Unternehmen Führungskräfte-Seminare zu den Themen Sucht und psychische Belastungen durch, die unter anderem auch in Kooperation sowie in den Räumlichkeiten der Paracelsus-Berghofklinik und Paracelsus-Wittekindklinik in Bad Essen stattfinden. Aus seiner Sicht gibt es vier zentrale Botschaften beim Thema Alkohol am Arbeitsplatz, die er auch in seinen Seminaren verankert hat:

1. „Alkohol und Arbeit passen nicht zusammen! Das muss in einem Unternehmen völlig klar und per Betriebsvereinbarung geregelt sein.“

2. „Die Vorgesetzten sind verantwortlich bei Auffälligkeiten zu reagieren.“

3. „Mit einem strukturierten Vorgehen können Betroffene mit Hilfe der Betrieblichen Sucht- und Gesundheitsberater vom Hilfesystem profitieren. Neben Alkohol sollten auch andere Substanzen wie Medikamente oder Lifetstyledrogen  sowie psychische Belastungen und Störungen eine Rolle spielen.“

4. „Regelmäßige Schulungen eingebettet in das Betriebliche Gesundheitsmanagement und Anpassung der Schulungen an die jeweilige Berufsebene.“

Weikert rät Arbeitgebern und Unternehmen vor allem Auffälligkeiten wahrzunehmen, zu erkennen und anzusprechen. Wegschauen und laufenlassen entspreche nicht der Verantwortung eines Vorgesetzten und impliziere auch die Gefahr, dass etwas passieren könne sowie längere Krankheitsprozesse der Betroffenen.

Im Landkreis Osnabrück finden für alle Interessierten zahlreiche Informationsveranstaltungen, Vorträge, offene Sprechstunden und Beratungsmöglichkeiten rund um die Aktionswoche und das diesjährige Schwerpunktthema statt. Ein Veranstaltungshighlight wird die Abschlussveranstaltung am 25. Mai ab 10.00 Uhr auf dem Domplatz in Osnabrück mit vielfältigen attraktiven Aktionsangeboten sein – sowohl musikalischer Natur, als auch mit Talkrunden und Mitmachaktionen. Die Paracelsus-Berghofklinik und die Paracelsus-Wiehengebirgsklinik beteiligen sich ebenfalls mit einem Informationsstand und geben Einblicke in die Suchttherapie vor Ort. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!