Was ist eigentlich Krebs?

Nachgefragt in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der Paracelsus-Klinik Osnabrück

Krebs ist nicht nur eine Krankheit. Es handelt sich bei Krebs um eine große Familie von Gewebserkrankungen, die nahezu jedes Organ des menschlichen Körpers betreffen können. Grundsätzlich kann man Krebs als eine unkontrollierte Gewebswucherung betrachten. Dabei reicht das Spektrum von vergleichsweise harmlosen Wucherungen bis hin zu lebensgefährlichen Erkrankungen.

Was ist ein Tumor?

Unter einem Tumor versteht man ein Geschwulst in Form einer spontanen autonomen Gewebswucherung, die sowohl gutartiger als auch bösartiger Natur sein kann. Der Begriff Krebs ist dabei reserviert für die bösartigen Tumoren.

Gutartiger Tumor

Ein gutartiger Tumor wächst in der Regel langsamer und beschädigt das umliegende Gewebe normalerweise nicht. Gutartige Tumoren verbleiben an ihrem ursprünglichen Erscheinungsort, das heißt Sie bilden keine Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in entfernteren Regionen des Körpers.

Bösartiger Tumor

Ein bösartiger Tumor hingegen wächst häufig schnell und zerstört aggressiv das ihn umliegende gesunde Gewebe. Manche bösartige Tumoren bilden nach unterschiedlich langer Zeit Tochtergeschwülste, also Metastasen, in entfernteren Körperregionen und Organen. Dieser Absiedlungsprozess, man spricht auch von Metastasierung, geht in der Regel mit einer Verschlechterung der Überlebenschancen des Patienten einher.

Tumorklassen

Es gibt viele verschiedene Krebsarten. Bei der Unterscheidung der verschiedenen Krebsarten spielen eine Reihe von Faktoren eine Rolle, wie z.B. das Aussehen der Krebszellen unter dem Mikroskop, das Wachstumsmuster und der Entstehungsort. So gibt es z.B. verschiedene Arten von Lymphomen, die sich unterschiedlich verhalten und auch unterschiedlich behandelt werden.

Tumorklassen
Trotz aller Unterschiede können alle Krebse nach Ihrer Herkunft geordnet einer der folgenden Tumorklassen zugeteilt werden:

  • Karzinome
    Karzinome sind bösartige Tumoren, die aus Geweben entstehen, die Oberflächen des menschlichen Körpers nach Innen oder Außen bedecken. Beispiele wären Haut- oder Darmkarzinome. Etwa 90 % aller bösartigen Tumoren sind Karzinome.

  • Sarkome
    Sarkome sind bösartige Tumoren, die von Knochen-, Muskel-, Knorpel-, Fett- oder Bindegewebe ausgehen. Sarkome sind vergleichsweise selten.

  • Leukämien
    Leukämien sind bösartige Krebse des Blutes oder der blutbildenden Organe. Man unterscheidet dabei akute und chronische Formen mit unterschiedlicher Prognose und Behandlung.

  • Lymphome
    Lymphome betreffen das lymphatische System des Körpers. Das lymphatische System ist ein Netzwerk von Kanälen und Gefäßen, das im gesamten Körper vorkommt und dazu dient, Bakterien und andere Erreger abzutransportieren und zu bekämpfen. Lymphknoten gehören als wichtige “Schaltstationen” zu diesem System und sind ein häufiger Ursprungsort von Lymphomen.

  • Multiples Myelom
    Das Multiple Myelom - auch Plasmozytom genannt - wird im Allgemeinen zu den Lymphomen gezählt.

Wie entsteht Krebs?

Die Mehrheit der Krebse entstehen wahrscheinlich sporadisch, also ohne erkennbare Ursache. Aus zum Teil ungeklärten Gründen kommt es zur hemmungslosen Vermehrung von Tumorzellen.

Umweltfaktoren und Lebensstil

Allerdings gibt es eine Reihe von Umwelteinflüssen, die eine Krebsentstehung fördern. Tatsächlich könnte eine große Zahl von Krebserkrankungen durch eine Minderung dieser schädigenden Umwelteinflüsse verhindert werden.

  • Alter: Krebs tritt am häufigsten bei Menschen über 50 Jahren auf.
  • Ernährung: Stark fett- und cholesterinhaltige Nahrung ist ein Risikofaktor für die Entwicklung verschiedener Krebse, im besonderen Dickdarmkrebs.
  • Rauchen: Zigarettenrauchen erhöht stark das Risiko für Lungen-, Rachen- und Kehlkopfkrebs. Zigarren- und Pfeifenrauch sowie Kautabak erhöhen das Risiko für Mund-, Zungen-, und Rachenkrebs.
  • Chemische Einflüsse: Industrieprodukte, Chemikalien, aber auch bestimmte Medikamente können das Krebsrisiko erhöhen. Asbest wird z.B. für manche Fälle von Lungenfellkrebs verantwortlich gemacht. Bestimmte aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol, welche in Benzin, Lacken und Lösungsmitteln vorkommen, können das Langzeitrisiko für Leukämien erhöhen.
  • Bestrahlung: Radioaktive Strahlung und Röntgenstrahlen sind in der Lage, bei ausreichender Dosierung und Bestrahlungsdauer das Langzeitrisiko für eine ganze Reihe von Krebserkrankungen zu erhöhen. Auch UV-Strahlen der Sonne erhöhen das Krebsrisiko, sind jedoch auf die Haut beschränkt.
  • Viren: Bestimmte Virusinfektionen stellen ein Risiko für die zukünftige Entwicklung von Tumoren dar. Hepatitis B und C, Humane Papillomviren, das Humane T-Zell Leukämievirus, sowie das Epstein-Bar-Virus sind assoziiert mit verschiedenen Krebserkrankungen.
  • Immunschwäche: Das Immunsystem scheint eine wichtige Rolle zu spielen bei der körpereigenen Abwehr von Krebs. So erklärt man sich, dass Patienten mit der Immunschwächekrankheit AIDS ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von bestimmten Lymphomen und Hauttumoren tragen.

Genetische Ursachen

Es gibt eine Anzahl angeborener Erbkrankheiten, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen. Dieses angeborene Krebsrisiko ist bei den Betroffenen in den Genen begründet und kann damit auch auf folgende Generationen vererbt werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Kinder eines solchen Menschen an Krebs erkranken werden. Zeichen von familiären Risikofaktoren für die Krebsentstehung sind:

  • Ein oder mehrere Verwandte mit Krebs
  • Krebs, der in einem ungewöhnlich frühen Alter auftritt
  • Beidseitiger oder an verschiedenen Stellen auftretender Krebs, z.B. eine Brustkrebspatientin, die zusätzlich einen Eierstockkrebs entwickelt