Trigeminus-Neuralgie

Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um eine Schmerzerkrankung im Versorgungsgebiet des 5. Hirnnerven (Nervus trigeminus). Die Schmerzen treten anfallsartig auf, meistens getriggert durch sensible Stimuli wie Sprechen, Kaubewegungen, Luftzug oder Berührung. Die einzelne Schmerzattacke ist typischerweise von sehr kurzer (wenige Sekunden) Dauer, kann aber in mehreren Salven auftreten. Das Intervall zwischen den Attacken ist normalerweise schmerzfrei.  Die Schmerzintensität ist hoch, und die Patienten sind in ihrer Lebensqualität meist massiv eingeschränkt. Da die Schmerzen häufig in den Kiefer ausstrahlen, haben die betroffenen Patienten in der Regel bereits ausgedehnte zahnärztliche Abklärungen und Behandlungen (bis zur Zahnextraktion) hinter sich, bevor sie beim Neurochirurgen vorstellig werden.

Die jährliche Rate der Neuerkrankungen beträgt 4/100.000 Einwohner. Es gibt keine spezifischen Risikogruppen für die Erkrankung, Frauen sind jedoch deutlich häufiger betroffen (Verhältnis 1,8:1).

Diagnostik:

Aufgrund der typischen Beschwerden kann die Diagnose in der Regel klinisch gestellt werden. Zum Ausschluss einer symptomatischen Trigeminusneuralgie wird eine MRT-Untersuchung des Schädels durchgeführt. In speziellen dünnschichtigen Sequenzen (CISS, IRTSE) kann zudem der Verlauf des Hirnnerven ab dem Austrittspunkt aus dem Hirnstamm und ein möglicher neurovaskulärer Konflikt in vielen Fällen dargestellt werden (Abbildung  1: Roter Pfeil zeigt Bedrängung des N. trigeminus durch ein Gefäß).

Konservative Behandlung:

Eine medikamentöse Behandlung kann eine gute Schmerzlinderung bis hin zur Schmerzfreiheit  erzielen. Wenn durch die konservative Behandlung keine ausreichende Schmerzlinderung zu erreichen ist oder diese aufgrund von Medikamentennebenwirkungen eine langfristige Behandlung mit Arzneimitteln unmöglich macht kommen invasive Therapieverfahren in Frage. Diese beinhalten neben der Thermokoagulation (Verödung) der sensiblen Äste des N. trigeminus auch die operative Dekompression am offenen Gehirn.

Mikrovaskuläre Dekompression:

Die mikrochirurgische Freilegung und Dekompression des Trigeminalnervs ist die Behandlung der Wahl bei Patienten mit einer klassischen (nicht symptomatischen) Trigeminusneuralgie und bei Versagen der medikamentösen Therapie.

Der Ort der vaskulären Kompression kann dann unter dem Mikroskop oder in komplexeren Fällen mit dem Neuroendoskop dargestellt werden. Auch wenn sich auf dem MRT keine klare Neurokompression gezeigt hat, kann eine solche intraoperativ häufig ausgemacht werden. Das komprimierende Gefäß wird mit Mikroinstrumenten freigelegt und durch Einlage eines Teflonpolsters oder einer Teflonschlinge dauerhaft vom Nerven fern gehalten.

Behandlungsergebnis

Nach einer mikrovaskulären Dekompression geben über 90 % aller Patienten sofort eine deutliche Besserung bis hin zur Schmerzfreiheit an, die bei 70 % über 10 Jahre anhält. Die Rate für schwere Komplikationen bei der mikrochirurgischen Dekompression ist sehr niedrig. Die perioperative Mortalität beträgt <1 %, das Risiko für schwere neurologische Komplikationen liegt bei ca. 1 %.