Therapiespektrum stationäre multimodale Schmerztherapie

Bausteine der multimodalen Schmerztherapie

Es wartet Arbeit auf Sie. Aber auch jede Menge Perspektiven und die Chance, Ihre chronische Schmerzerkrankung besser zu bewältigen.

Der Behandlungsansatz "Multimodale Schmerztherapie" umfasst eine ganze Reihe unterschiedlicher Therapieverfahren. Ein Team aus Ärzten, Therapeuten, Psychologen und Pflegekräften betreut und begleitet Sie während Ihres Aufenthaltes. Einige Maßnahmen durchlaufen Sie gemeinsam mit den anderen Patienten, manches findet in Einzeltherapie statt.  Dabei umfasst Ihr individuell auf Ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten hin abgestimmter Behandlungsplan Elemente aus folgenden therapeutischen Verfahren:

Psychologische Schmerztherapie

Körper und Psyche sind keine getrennten Welten. Sie gehören zusammen und beeinflussen sich gegenseitig, z.B. wenn Ihre Stimmung schlechter wird, weil die Schmerzen gerade sehr belastend sind oder wenn Sie unter intensiver Ablenkung den Schmerz für eine Zeit fast vergessen.

In der psychologischen Schmerztherapie geht es darum, durch die Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen und dem Einsatz gezielter Übungen den Schmerz zu lindern und die entstandenen Einschränkungen besser in den Griff zu bekommen. Diese Haltungsänderung auf mentaler und auch körperlicher Ebene hat zur Folge, dass Sie aktiv Einfluss auf das Schmerzgeschehen nehmen können - und manchmal bedeutet es auch, zu akzeptieren, dass gewisse Einschränkungen bleiben und trotzdem eine gute Lebensqualität erreichbar ist.

Entspannung

Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Entspannungsverfahren einen günstigen Einfluss auf Körper und Seele nehmen: sie können zur Schmerzlinderung beitragen, die Muskulatur entspannen, das Wohlgefühl und die Stimmung verbessern und ganz allgemein einen verbesserten positiven Zugang zum eigenen Körper vermitteln. Daher erlernen Sie bei uns verschiedene Entspannungsverfahren, die Sie auch in Ihrem alltäglichen Leben gut nutzen können.

Die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR) ist eine Entspannungstechnik, bei der durch willentliche An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen der ganze Körper in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt werden kann. Durch Schmerzen und psychische Belastung unbewusst verspannte Muskeln können so wieder bewusst in einen entspannten Zustand gebracht werden. Sie lernen mit der PMR, Ihre Konzentration bewusst auf den Wechsel zwischen Spannung und Entspannung zu legen.

Das Autogene Training nach J.H. Schulz ist eine Methode, sich selbst in einen Zustand einer veränderten, vertieften Wahrnehmung des eigenen Körpers zu versetzen.  „Autogen“ meint, dass der Übende lernt, innere Prozesse wie das Erleben von Ruhe, Wärme oder Schwere selbst auszulösen. Während des Kurses lernen Sie, sich durch Selbsthypnose in unterschiedliche Zustände von Entspannung und Ruhe zu begeben.

Imaginative Verfahren beruhen auf der angeborenen Fähigkeit des Menschen, sich etwas vorzustellen. Dabei können nicht nur Bilder und Gedanken imaginiert werden, sondern auch Geräusche, Gerüche und Empfindungen sind über die Vorstellungskraft abrufbar. Diese menschliche Vorstellungskraft wird für die Schmerztherapie nutzbar gemacht, indem gezielt positive "Imaginationen", z.B. anhand von angeleiteten Phantasiereisen hervorgerufen werden. Ziel ist es, den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit vom Schmerz auf andere innere Prozesse zu lenken.

Physiotherapie

Nordic Walking

Nordic Walking ist eine Ausdauersportart, bei der das schnelle Gehen durch den Einsatz von zwei Stöcken im Rhythmus der Schritte unterstützt wird. Es ist ein umfassendes und gelenkschonendes Ganzkörpertraining, das die Beinmuskulatur kräftigt und den gesamten Nacken-Schulter-Bereich entspannt. Nordic Walking ist ideal zur Reduzierung von Übergewicht, für Menschen mit Vorschäden an Gelenken und Wirbelsäule und zur Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und orthopädischen Erkrankungen.

Blackroll

Die Muskulatur funktioniert, da sie im Wesentlichen durch ein entscheidendes, aber oft übersehenes Gewebe zusammengehalten wird: die Faszien. Dieses Bindegewebe umgibt und durchdringt jeden Muskel, jeden Knochen, jeden Nerv und jedes Organ. Die Faszien haben einen großen Einfluss darauf, wie wir uns bewegen, auf unsere Haltung, unser Schmerzempfinden und die Muskulatur.

Regelmäßiges Training mit der Blackroll ist ideal zur Regeneration und Selbstmassage mit dem Ziel der Entspannung der Myofaszien (Bindegewebe der Muskeln und Muskelgruppen). Die Flexibilität, Mobilität und Leistung der Muskulatur werden bedeutend verbessert, Muskelschmerzen wird vorgebeugt  und typische Verletzungen wie Muskelschäden, die durch Überbeanspruchung auftreten, können reduziert werden. Zudem kann einer schlechten Körperhaltung, die durch muskuläre Dysbalancen entsteht, entgegengewirkt werden.

Atemtherapie

Zur Atemtherapie zählen Verfahren, welche die Atmung auf willkürlichem und unwillkürlichem Wege verändern. Die Atemtherapie hilft, das Atmen zu erleichtern, die Atemmuskulatur zu kräftigen oder zu entspannen und den Brustkorb beweglicher zu machen. Sie leitet den Patienten auch dazu an, sich die normalerweise unbewusste Atmung bewusst zu machen. Zielgerichtet und bewusst eingesetzt, wirkt sich die Atmung besonders positiv auf die Entspannungsfähigkeit des gesamten Körpers aus.

Bewegungstherapie

Bewegungstherapie steht als Oberbegriff für sämtliche therapeutische Verfahren, die auf Bewegungslehre und Bewegungsübungen basieren und auch den Einsatz verschiedener Materialien beinhalten können, z.B. medizinische Bälle. Sie ist Hauptbestandteil der Physiotherapie. Das Übungs- und Behandlungsprogramm passt sich an die individuellen Bedürfnisse des Patienten an. Ziel ist es, die Selbständigkeit des Patienten in ihrem sozialen Umfeld aufzubauen bzw. zu erhalten. Dieser Wiederaufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit trägt entscheidend zur Lebensqualität bei.

Bewegungsbad

Im Bewegungsbad der Klinik werden unter Anleitung des Physiotherapeuten Bewegungen durchgeführt, die den ganzen Körper betreffen. Durch den Auftrieb des Wassers werden die Gelenke entlastet. Diese Entlastung erleichtert es vielen Patienten, einzelne Körperteile zu bewegen. Hinzu kommt, dass das Wasser einen Widerstand bietet, durch den die Muskulatur gekräftigt wird.

Ergotherapie

Das Ergotherapie-Programm während Ihres Aufenthaltes in der Klinik umfasst 4 Module, die individuell auf die Arbeits- bzw. Alltagssituation der Patienten hin zugeschnitten sind.

Modul 1: Ergonomie und Arbeitsplatztraining

  • Welches sind die wichtigsten Leistungsanforderungen in Beruf und Alltag?
  • Welche krankheitsbedingten Einschränkungen bestehen?
  • Einführung in die ergonomischen Grundlagen
  • Rückengerechtes Heben, Bücken, Stehen, Sitzen

Module 2 und 3: Erarbeitung ergonomischer Verhaltensmöglichkeiten

  • Jeder Patient stellt den eigenen Arbeitsplatz oder häusliche Tätigkeiten vor. Ergonomische Verhaltensmöglichkeiten werden erarbeitet.
  • Unterschiedliche Arbeitsbereiche werden nachgestellt. Diese richten sich nach den in Modul 1 vorgestellten Leistungsanforderungen.
  • Arbeitsrelevante Körperstrukturen werden durch Selbstwahrnehmung bewusst gemacht.
  • Der Patient erarbeitet unter Anleitung eine realistische Selbsteinschätzung.

Modul 4: Wiederholung und erneutes Üben der wichtigsten Veränderungen in Kleingruppen

Kunsttherapie

Für eine kunsttherapeutische Behandlung sind keine künstlerischen Vorkenntnisse oder Begabungen notwendig. Sprache allein reicht oft nicht aus, um inneres Erleben und das, was einen zutiefst bewegt, auszudrücken. Im schöpferischen Gestalten kann Bewusstes, Unbewusstes oder Verborgenes seinen Ausdruck finden, Durch den Umgang mit Farben und Formen können heilsame Prozesse ausgelöst werden. Innere Bilder der Freude, der Wut, Angst oder Trauer trägt jeder Mensch in sich. Die Kunsttherapie ermöglicht einen anderen Zugang zu diesen Bildern und lenkt den Blick mehr auf die Fähigkeiten, die der künstlerische Prozess erlebbar macht. Dabei ist das persönliche Erleben, die Welt des Patienten Ausgangspunkt für die kunsttherapeutische Begleitung. Ziel ist es, die Fähigkeit zur Selbsthilfe und zur eigenen, kreativen Lebensgestaltung anzuregen und zu fördern.

Yoga und achtsame Körperarbeit

Die fließenden Bewegungen des Yoga sind ideal, um den gesamten Körper von Spannungen zu befreien und gleichzeitig die Muskulatur zu lockern. Eine achtsame Ausführung der einzelnen Übungen, der bewusste Einsatz des Atems und angeleitete Meditationen fördern die Selbstwahrnehmung des Patienten und erweitern auf sanfte Art die Bewegungsfähigkeit. Auch Herz und Kreislauf, der Stoffwechsel und das Hormonsystem können durch Yoga positiv und gesundheitsfördernd beeinflusst werden. Alle Übungen werden rückenschonend ausgeführt und den jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnissen des Einzelnen angepasst. Letztendlich ist das Ziel, dem Patienten ein positives Körpergefühl und Achtsamkeit gegenüber sich selbst zu vermitteln.

Schulung der Eigentherapien

Es gibt eine ganze Reihe an Verfahren zur Schmerzlinderung, die Sie selbst anwenden können. Während Ihres Aufenthaltes zeigen wir Ihnen unterschiedliche Techniken, die Sie täglich mehrmals durchführen. Und für die Zeit nach dem stationären Aufenthalt haben Sie so einen kleinen "Werkzeugkasten", der in akuten Schmerzsituationen hilft, den Schmerz zu lindern.

TENS
Die transkutane Elektrische Nervenstimulation ist eine Reizstromtherapie, die Nervenbahnen so beeinflusst, dass die Schmerzweiterleitung zum Gehirn verringert oder verhindert werden kann. In der Regel dauert diese Reizstromanwendung 20 bis 50 Minuten. Sie verspüren dabei ein leichtes Kribbeln. TENS kann nicht angewendet werden, wenn Sie einen Herzschrittmacher haben.

Moorpackungen

Die Wärmetherapie mit den Moorkissen lindert über das Lösen von Verspannungen muskelbedingte Schmerzen und führt zu Entspannung und Wohlbefinden.

Blackroll

Sie bekommen von uns die Blackroll als Rolle oder als Kugel ausgeliehen, um nach der Anleitung im Rahmen der Gruppentherapie eigenständig während Ihres Aufenthaltes weiter zu üben.

Fahrradergometer/Crosstrainer
Im Trainingsraum der Klinik stehen zwei Fahrrad-Ergometer und ein Cross-Trainer zur Verfügung, mit denen Sie nach einer Einweisung durch die Physiotherapeutin täglich trainieren können. Durch das Training an diesen Sportgeräten lässt sich die Beweglichkeit der Extremitäten bzw. der Wirbelsäule verbessern, die Muskulatur wird gekräftigt, die Ausdauer wird kontinuierlich aufgebaut und auch das allgemeine Wohlbefinden verbessert sich.  

Zirkeltraining

Im Trainingsraum der Klinik ist ein Zirkel eingerichtet, den Sie nach einer individuellen Einführung durch die Physiotherapeutin als Eigentherapie nutzen können. Durch die Übungen mit leichten Sportgeräten kräftigen Sie an verschiedenen Stationen alle wichtigen Muskelgruppen in Ihrem Körper. Zudem nimmt der Trainingszirkel einen positiven Einfluss auf die Beweglichkeit. Weiterhin können Sie hier Ihre Belastbarkeit ausbauen und wieder Freude an der körperlichen Aktivierung haben.

Eiseinreibung
Kälte wirkt in den meisten Fällen direkt schmerzstillend, da sensible Nerven, die den Schmerz leiten, irritiert werden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei akuten Schmerzzuständen durch Eisabreibungen aktiv in das Schmerzgeschehen eingreifen können. Eine solche Eisabreibung sollte mindestens 2x täglich erfolgen.

Fußbäder
Fußbäder wirken entspannend und beruhigend. Sie beleben die Füße, erfrischen und reinigen. Auch auf den ganzen Körper haben sie positive Effekte: Sie stabilisieren den Kreislauf und stärken das Immunsystem. Auch bei Schlafstörungen, kalten Füßen, Stress und  Nervosität haben sich Fußbäder bewährt.  Ätherische Öle als Zusatz haben eine erstaunliche Wirkung auf unsere Stimmung und unser Wohlgefühl.