29. Mai 2020

Paracelsus hilft Schmerzpatienten jetzt auch per Video-Sprechstunde

Chronisch Kranke leiden in der Corona-Krise unter Wegfall von Therapie- und Beratungsstunden / Digitale Technik stellt in der Paracelsus-Klinik Zwickau Videokontakt zu Ärzten her

Patienten mit chronischen Schmerzen brauchen auch in Corona-Zeiten eine fortlaufende Behandlung und Betreuung. Darauf weist die Paracelsus-Klinik Zwickau anlässlich des bundesweiten „Aktionstages gegen den Schmerz“ am 2. Juni hin. „Im Gegensatz zu akuten Schmerzen als Folge von Verletzungen oder Erkrankungen, sind chronische Schmerzen dauerhaft vorhanden und nicht mehr unmittelbar an bestimmte Ursachen gebunden. Darum muss die Behandlung möglichst ohne Unterbrechung erfolgen“, erklärt Chefärztin Dr. med. Gabriela Ehrig. „Wir behandeln unsere Patienten mit einer multimodalen Schmerztherapie, die nicht nur Medikamente, sondern auch ein breites Leistungsspektrum von der Psycho-, Physio- und Ergotherapie über Sportangebote bis zur Sozialberatung beinhaltet. Schwerpunktmäßig befassen wir uns mit der Diagnostik und Therapie von Rücken- und Wirbelsäulenschmerzen sowie mit Schmerzzuständen, die im Zusammenhang mit Krebserkrankungen stehen.” Gerade unter dem zeitweisen Ausfall von Gesprächs- und Beratungsangeboten hätten Patienten mit chronischem Schmerzsyndrom in der Corona-Krise besonders gelitten, erklärt die Leiterin des Fachbereichs Multimodale Schmerztherapie. An der Paracelsus-Klinik Zwickau hat man darum schnell gehandelt und einen ganz besonderen Weg gefunden, um den Patienten zu helfen: Die Video-Sprechstunde via Internet.

Per Mausklick ins digitale Wartezimmer

Das technische Prinzip funktioniert einfach: Die Klinik macht einen Termin mit dem Patienten aus und hinterlegt Datum und Uhrzeit im Portal arztkonsultation.de. Von dort bekommt der Patient dann einen Link per SMS oder E-Mail zugeschickt und klickt sich via PC, Tablet oder Handy ins Online-Wartezimmer. Dort wählt dann der zuständige Arzt den Patienten aus und beginnt mit ihm eine Videokonferenz. „Wir sind von den technischen Möglichkeiten ebenso begeistert wie unsere Patienten“, berichtet Dr. med. Nancy Uebel, Ärztin an der Schmerzambulanz des Medizinischen Versorgungszentrum Zwickau von Paracelsus. „Wer nicht persönlich in die Behandlung kommen kann oder möchte, kann auf diese Weise jetzt von uns trotzdem beraten und betreut werden. Auch ältere Menschen kommen mit der einfachen Technik gut zurecht.” Von den zuständigen Krankenkassen wurde für die Online-Behandlung vor dem Start eigens eine Genehmigung eingeholt. Darüber hinaus musste der Entwickler, die Berliner Brainwave Hub GmbH umfangreiche Nachweise zur Daten- und Übertragungssicherheit vorlegen. Nach den ersten erfolgreichen Einsätzen macht das System jetzt Schule: Auch im Fachbereich Allgemein-, Viszeral-, und Gefäßchirurgie der Paracelsus-Klinik Zwickau wird die
Videotechnik jetzt eingesetzt, zum Beispiel um Patienten mit chronischen Wunden die notwendige regelmäßige ärztliche Beurteilung zu ermöglichen. „Wir setzen die Technik vor allem dann ein, wenn der Patient nicht persönlich in die Sprechstunde kommen kann oder dies aus Angst vor einer Ansteckung derzeit nicht möchte“, erläutert Dr. med. Grit Neubert, Chefärztin der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie an der Paracelsus-Klinik Zwickau. Aber auch andere chirurgische Problembesprechungen wären, so Dr. Neubert, denkbar. Wegen des starken Zuspruchs hat die Paracelsus-Klinik in Zwickau bereits zusätzliche Tablets bestellt. Bundesweit sind bei Paracelsus bereits vergleichbare Projekte in Bremen und Kassel angelaufen. Gemeinsam wird nun überlegt, wie die Video-Sprechstunde als innovatives Instrument in die Zeit nach der Corona-Krise übertragen werden kann. Dabei soll sie als zusätzliche Möglichkeit bei der Betreuung dienen, den persönlichen Kontakt aber nicht ersetzen.