24. November 2020

Pathologisches Glücksspiel

Zocken bis zum Zusammenbruch

Spielen macht Spaß – es fördert Teamfähigkeit und Kreativität. Es hilft, gemeinsame Regeln aufzustellen und Entscheidungen zu treffen. Oft lässt es uns die Zeit vergessen und in Phantasiewelten eintauchen. Spielen ist so alt wie die Menschheit. Mal geht es um Nervenkitzel, mal um das Gewinnen von Geld, und oft dient es einfach nur der Entspannung. In der Kindheit gehört Spielen im Grunde zu unseren elementaren Grunderfahrungen und Bedürfnissen. Was soll nun daran gefährlich sein?

Es gibt Spiele, bei denen es um das Gewinnen von Geld geht: Glücksspiele. Der Reiz eines Geldgewinns macht Glücksspiele so spannend und interessant. Für die meisten Menschen ist auch das Glücksspielen das, was es sein sollte – ein harmloses Freizeitvergnügen.

Verharmlosen und weiter spielen

Die ersten Gewinne – egal, ob kleine oder größere Geldbeträge – werden oft als persönlicher Erfolg gewertet. Schnell wird das Glück im Spiel mit der eigenen Leistungsfähigkeit gleichgesetzt. Das schöne Gefühl, z. B. den Automaten überlistet zu haben, verführt zu immer höheren Einsätzen und zu dem Trugschluss, dass es auch beim nächsten Mal funktionieren könnte. Scheinbar ist alles noch unter Kontrolle. Das anfänglich moderate Freizeit-Zocken entwickelt sich zu regelmäßigen Besuchen in der Spielhalle.

Bestimmt das Spielen um Geld, das Hoffen auf den großen Gewinn letztendlich den Alltag, hat das erhebliche Konsequenzen für die eigene Gesundheit, die Lebens- und Erlebensqualität, die sozialen Beziehungen und die existentielle Grundlage. Trotz tiefgreifender Nachteile können Betroffene mit dem Glücksspielen nicht mehr aufhören.

Krankhaft Spielende versprechen sich selbst und ihrem Umfeld immer wieder, das Glücksspiel zu beenden. Das Scheitern führt zu Selbstverachtung und Verzweiflung. Die Abwärtsspirale dreht sich unaufhörlich weiter – mit oft verheerenden beruflichen, privaten und finanziellen Folgen.

Spezialisiertes Therapieangebot in Bad Essen

Betroffenen bietet die Paracelsus-Wittekindklinik in Bad Essen ein spezifisches stationäres Behandlungssetting an, um gezielt bei einer bestehenden Glücksspielsucht einzugreifen. Die Klinik gehört zu den wenigen stationären Einrichtungen hierzulande, die ein solch spezialisiertes Behandlungskonzept für das Krankheitsbild Glücksspielsucht anbietet. Die Diagnosestellung erfolgt durch einen Arzt oder durch eine örtliche Suchtberatungsstelle, in der anonym und kostenfrei Beratungsgespräche in Anspruch genommen werden können. In der Therapiegruppe „Glücksspiel- und Mediensucht“ unterstützt das Therapeutenteam die Patienten auf ihrem Weg zu einer dauerhaften Glücksspielabstinenz.

Das Therapiekonzept ist eingebettet in das allgemeine Therapieangebot der Klinik bestehend aus Gruppen- und Einzeltherapie, medizinischer Betreuung, Kunst-, Kreativ- und Arbeitstherapie, Sport- und Bewegungstherapie sowie sozialarbeiterischer Betreuung. Zudem gibt es spezielle themenzentrierte Indikativgruppen.

Insbesondere der geschützte Rahmen verhilft den Patientinnen und Patienten, auf das Glücksspielen zu verzichten und innerlich Abstand zu gewinnen. Der belastende Alltag rückt für eine Zeit in den Hintergrund und die eigene Gesundheit steht im Mittelpunkt. Die Therapie kann helfen, sich der Hintergründe des Suchtverhaltens bewusster zu werden und Ideen oder Strategien zu entwickeln, um sich allmählich davon zu lösen.

Eine stationäre Behandlung bei einer Pathologischen Glücksspielsucht dauert mindestens 5 Wochen.