Die Ruhe in Person

Gerhard Rothenaicher, Chirurg und Wund-Spezialist

Gerhard Rothenaicher entspannt sich beim Laufen und Kochen.

Wer eine nicht heilende Wunde hat, ist bei Gerhard Rothenaicher in den besten Händen: Der Chirurg hat schon so viele Wunden gesehen und erfolgreich behandelt, dass seine Patienten sogar von weit her anreisen, um in seiner Praxis und in der Paracelsus-Klinik München einen Termin zu bekommen. Sein Erfolgsgeheimnis? Viel Wissen, noch mehr Erfahrung und ruhig ans Werk gehen.

Herr Rothenaicher, warum haben Sie Medizin studiert?

Ich wusste schon im Alter von 5 Jahren, dass ich Chirurg werden will. Damals habe ich mit meinem Vater eine Dokumentation "Das Jahrhundert der Chirurgen" angeschaut. Die Sendung faszinierte mich so sehr, dass ich unbedingt Chirurg werden wollte. Studiert habe ich dann Medizin in Regensburg und an der TU München. Für meine Doktorarbeit habe ich mit einem anderen Studenten die Fälle von 5000 nuklearmedizinisch untersuchten Patienten analysiert. Doch kurz vor unserem Examen wechselte unser Doktorvater an eine andere Uni. Zweieinhalb Jahre Arbeit waren damit verloren, weil sich keine andere Uni mit unserem Thema beschäftigte. Wir hätten komplett von vorn anfangen müssen. Jetzt arbeite ich schon so viele Jahre erfolgreich als Chirurg, dass ich den Doktortitel nicht mehr brauche.Bayern ist schon immer Ihre Heimat.

Was gefällt Ihnen hier so gut?

Zuerst war ich Assistenzarzt in Plattling, meinen Facharzt habe ich im Klinikum Passau gemacht. Danach ging ich mit meiner Familie nach Stadtlohn in Nordrhein-Westfalen, wo ich erst als leitender Oberarzt und als Chefarztvertreter arbeitete. Nach 7 Jahren wollten wir dann aber doch wieder zurück nach Bayern, weil ich aus Niederbayern stamme und meine Frau aus München. Unsere ganze Familie lebt hier, Bayern ist unsere Heimat. 2004 habe ich in München die Praxis eines Chirurgen übernommen. Weil sie gleich gegenüber von der Paracelsus-Klinik liegt, habe ich dort auch sofort als Belegarzt angefangen zu operieren.

Wie kam es dazu, dass Sie sich auf die Behandlung von Wunden spezialisiert haben?

Im niedergelassenen Bereich gibt es fast keine Ärzte, die sich mit der Versorgung von Wunden auskennen. Im Studium habe ich nur die Krankheitsbilder kennengelernt, aber außer der Theorie erfährt man an der Uni nichts für die Praxis.

Man weiß dann eigentlich nur, dass Wunden stinken und nicht gut aussehen. Für das sonst so stiefmütterlich behandelte Thema interessierte ich mich immer mehr. Seit 15 Jahren beschäftige ich mich nun damit, wie Wunden entstehen, warum sie chronisch werden können und was ich als Facharzt tun kann, um sie erfolgreich zu behandeln. Wunden durchs Wundliegen (Dekubitus) und ausgedehnte Geschwüre behandele ich unter anderem mit einer speziellen Unterdruck-Therapie. Diese Methode eignet sich auch für Patienten, deren Wunden nach einer Operation nicht heilen. Vor 3 Jahren wurden Sie ärztlicher Leiter des Wundzentrums in München, dort arbeiten Sie an 2 Vormittagen pro Woche. Auch in Ihrer Praxis und in der Paracelsus-Klinik München behandeln Sie viele Wundpatienten.

Von welchen Schicksalen erfahren Sie dabei?

Die meisten Wundpatienten haben eine lange Leidensgeschichte hinter sich und waren schon bei anderen Ärzten in Behandlung. Zurzeit kümmere ich mich um rund 300 Wundpatienten: in meiner chirurgischen Praxis, im Wundzentrum Giesing und in der Paracelsus-Klinik München. Diese Kombination ist in Deutschland einzigartig, deshalb reisen viele Patienten auch weit an. Im Juli 2012 haben wir in der Klinik eine eigene Fachstation mit 13 Zimmern eröffnet und können dort 6 pflegeintensive Patienten aufnehmen. Sie sind 2 bis 3 Wochen in der Klinik und werden rund um die Uhr betreut. Besonders gut in Erinnerung ist mir der Fall eines querschnittsgelähmten Patienten, der nach einem Arbeitsunfall viele Jahre von Ärzten in München und Umgebung erfolglos behandelt wurde. Er hatte ein Druckgeschwür am Sitzbein, das nicht mehr verheilte. Als ich dann mit meinen Methoden behandelt habe, war die Wunde nach 8 Wochen komplett abgeheilt. Der Mann war so ergriffen und sagte: "Das Schönste für mich ist, dass ich nach 17 Jahren endlich wieder ins Schwimmbad gehen kann."

Sie haben am 1. Januar 2009 mit dem Laufen angefangen und nehmen jetzt an Marathon-Läufen teil. Wie kam es dazu?

Durch die langen Arbeitszeiten und das unregelmäßige Essen hatte ich viel zugenommen. Einem Bekannten erzählte ich irgendwann, dass ich früher mal gelaufen sei. Er sprach dann mit seinem Lauftrainer und hat ihn mir schlichtweg auf den Hals gehetzt. Da konnte ich gar nicht anders, als ihn zu engagieren. Die ersten Trainingseinheiten gingen über wenige Kilometer mit Gehpausen dazwischen, später kamen längere Strecken hinzu. Jetzt laufe ich 3 bis 5 mal pro Woche, manchmal auch mit einer Laufgruppe. Damit ich auch an langen Arbeitstagen zwischendurch mal einen Lauf einschieben kann, haben wir eine Dusche in die Praxis einbauen lassen. Das Laufen hilft mir, den Kopf komplett abzuschalten. Meinen ersten Marathon bin ich gleich im Winter 2010 gelaufen. Ich habe meine Ernährung radikal umgestellt und 25 kg abgenommen. Mittlerweile mache ich bei 2 Marathons im Jahr mit. Hinzu kommen 2 bis 3 Halbmarathons, 5 bis 8 Läufe über 10 Kilometer, und manchmal auch noch ein Berglauf. 2012 bin ich insgesamt 2600 Kilometer gelaufen, über meine Läufe führe ich ganz akribisch und penibel Buch.

Zuhause stehen meist Sie in der Küche. Wo haben Sie das Kochen gelernt?

Wir haben viele Kochbücher, und außerdem gehen wir gern in gute Restaurants zum Essen. Das Kochen habe ich mir selbst beigebracht, ein paar Grundrezepte habe ich mir von meiner Mutter abgeschaut. Ich koche bayerisch und italienisch, Hausmannskost und Haute Cuisine. Wegen meines Gewichts muss ich mir jetzt keine Sorgen mehr machen, denn die zusätzlichen Pfunde kann ich mir ja gleich am nächsten Tag wieder ablaufen.

Zur Person

Gerhard Rothenaicher

Gerhard Rothenaicher ist Chirurg und Experte für die Behandlung von chronischen Wunden und Wundheilungsstörungen. Zu ihm kommen Patienten mit offenem Bein, mit Druckstellen durch lange Bettlägerigkeit oder mit diabetischem Fuß-Syndrom.

Seine Wundpatienten betreut Gerhard Rothenaicher in seiner Praxis, im WZ-WundZentrum München und in der Paracelsus-Klinik München.

Dabei orientiert sich der Chirurg an den Leitlinien von Gerhard Kammerlander aus Linz, der sich seit über 20 Jahren intensiv mit der Wundheilung beschäftigt.

Um eine optimale Betreuung zu gewährleisten, arbeitet Gerhard Rothenaicher eng mit dem jeweiligen Hausarzt, den ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen, Podologen, Physiotherapeuten und Orthopädie-Schuhmachern zusammen.