Erfahrener Operateur und Integrationsfigur

Als Orthopäde genießt Dr. med. Norbert Langen überregional einen sehr guten Ruf. Zum ärztlichen Leiter der Klinik wurde er auch, weil viele Kollegen aus der Klinik ihn darum baten.

Seit September sind Sie nun in Amt und Würden als neuer ärztlicher Leiter der Klinik – was steht denn ganz oben auf Ihrer To-do-Liste?

Ich übernehme eine gut organisierte Klinik, deshalb ist zunächst wichtig, das weiterzuführen, was meine Vorgängerin Dr. Anna Tolle über lange Jahre etabliert hat. Nämlich das reibungslose Miteinander zwischen ambulanter und stationärer Versorgung der Patienten aus Bremen und weit über die Stadtgrenze hinaus. Wir sind ja ein Haus, unter dessen Dach mehr als 40 niedergelassene Fachärzte und insgesamt 150 Mitarbeiter gemeinsam arbeiten.
 
Das klingt nach jeder Menge Organisationsaufwand?

Ja, das ist wohl so, aber ich war auch in den Jahren zuvor schon in die interne Organisation der Klinik mit eingebunden. Und einer muss nun mal den Hut aufhaben und ihn gegebenenfalls auch benutzen Viele meiner Kollegen haben mich gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen und das will ich gerne tun. Schließlich haben alle Ärzte hier ein großes Interesse daran, dass die als reines Belegkrankenhaus geführte Paracelsus-Klinik gut funktioniert.

Niedergelassener Arzt in eigener Praxis und gleichzeitig Arzt an einer Klinik – ist das nicht ein enormer Spagat?

Für mich ist es genau das Konzept, was mir gefällt. Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren an der Paracelsus-Klinik Bremen tätig und ich halte die ambulante und stationäre Betreuung der Patienten aus einer Hand nach wie vor für das denkbar beste Versorgungskonzept: dies ist die optimale „Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung“ wie sie von den Krankenkassen und der „Politik“ oft gefordert wird. Denn ich als operierender Arzt bin ja vor und nach dem Eingriff im Krankenhaus auch der behandelnde Arzt in der Praxis. Jeder Arzt fühlt sich persönlich verantwortlich für die seine Patienten.

Wenn bei uns etwas nicht optimal läuft, sind wir weiter auch selber zuständig, da wird nichts nach draußen verlagert oder delegiert. Jeder muss sich persönlich um  alle Fragen kümmern, bis das Problem gelöst ist. So etwas steigert die Qualität der gesamten Versorgungskette ungemein.

Und es ist natürlich für einen Arzt sehr befriedigend, die Erfolge seiner Arbeit persönlich zu erleben, das ist ein Unterschied zum Berufsalltag eines Klinikarztes, der die Patienten nach der Entlassung meist nicht wiederseht.

Welches Projekt packen Sie in Ihrer neuen Funktion als erstes an?


Mir liegt besonders das Projekt „Schmerzarmes Krankenhaus“ am Herzen. Wir arbeiten ja überwiegend operativ, wir schneiden also in den Körper hinein und das tut weh. Schmerzen lassen sich jedoch mit heutigen Mitteln sehr gut in den Griff bekommen. Heutzutage muss kein Patient mehr unnötig Schmerzen leiden, im Gegenteil, übermäßiger Schmerz stresst den Körper und beeinträchtigt den Heilungsprozess. Deshalb gibt es an unserer Klinik ein systematisches wissenschaftliches Schmerzbehandlungskonzept, das kürzlich rezertifiziert wurde.

Wie rücken Sie den Schmerzen denn zuleibe?

Bei uns fängt die Schmerztherapie schon beim Aufklärungsgespräch für die OP an. Wir befragen den Patienten nach seinem persönlichen Schmerzempfinden, erkundigen uns nach bisherigem Schmerzmittelkonsum, erklären unterschiedliche Verfahren der Schmerzbekämpfung. Eine Grundversorgung mit Schmerzmitteln geben wir oft schon vor, spätestens aber während der Operation, so dass der Patient möglichst schmerzfrei aufwacht. Nach dem Aufwachen wird der Patient sehr engmaschig befragt, um auftretende Schmerzen zeitnah behandeln zu können.

Aber diese Einschätzung des Patienten ist doch völlig subjektiv. Ist das denn ein Kriterium?

Sogar das Entscheidende! Schmerzen sind tatsächlich eine ganz subjektive Angelegenheit. Schmerztherapie orientiert sich also immer am individuellen Empfinden. Wo der eine Patient trotz großer OP-Naht schon wieder zu Scherzen aufgelegt ist, liegt ein anderer mit schmerzverzerrtem Gesicht im Bett. Diese Unterschiede müssen und können wir bei der Schmerztherapie berücksichtigen und danach handeln.

Als Orthopäde haben Sie es mit einer eher älteren Klientel zu tun…

Nein, überhaupt nicht. Beim künstlichen Gelenkersatz mögen Sie recht haben und da haben wir uns in der gesamten Region auch einen exzellenten Ruf erarbeitet. Aber es ist ja gerade das breite Spektrum, was mich an der Orthopädie so reizt. Ich behandle Säuglinge mit einem deformierten Fuß ebenso wie die betagte ältere Dame, der ich ein künstliches Hüftgelenk einsetze und den Sportler mittleren Alters, der am Knie operiert wird. Da haben Sie es jeweils mit ganz unterschiedlichen Problemstellungen und demzufolge auch mit einer großen Bandbreite an Operationstechniken zu tun.

Das klingt nach Apparatemedizin?

Auch, aber nicht in erster Linie. Wer sein Handwerk als Orthopäde nicht beherrscht, wird sicherlich scheitern. Aber natürlich ist die Orthopädie ganz wesentlich von einer guten apparativen Ausstattung geprägt. Da arbeiten wir hier an der Paracelsus-Klinik diagnostisch und operativ auf sehr hohem Niveau. Für Gelenkoperationen beispielsweise steht uns ein  OP-Navigationsgerät zur Verfügung, dass das Gelenk exakt vermisst, ohne dass zusätzliche Röntgenuntersuchungen erforderlich sind. So können wir individuell auf den Patienten angepasst das zerstörte Gelenk präparieren, bevor wir das Kunstgelenk einsetzen. Ziel ist, die Funktionalität und Haltbarkeit der Prothesen zu verbessern.

Ich beschäftige mich sehr mit neuen Techniken und Entwicklungen innerhalb der Orthopädie, ohne gleich auf jeden neuen Zug aufzuspringen. Wir halten an unserer Klinik ein Budget vor, aus dem wir Kongressbesuche und den internationalen Austausch mit Kollegen und Wissenschaftlern finanzieren.

Auch die Fortbildung unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinen aus dem Pflegebereich liegt uns sehr am Herzen. Deshalb gibt es auch hier Unterstützung für Fortbildungsveranstaltungen.