Im Team für mehr Herzgesundheit

Prof. Dr. med. habil. Axel Schlitt, Kardiologe und Sportmediziner

Mehr Zeit für die Patienten, ein exzellentes Fachärzteteam und der Forscherdrang des Wissenschaftlers, das sind die Säulen, auf denen Prof. Dr. med. habil. Axel Schlitt seine Arbeit als Chefarzt der Abteilung für Kardiologie, Pneumologie, Diabetes aufbaut.

Sie behandeln an Ihrer Abteilung Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen und Diabetes. Das ist ein ziemlich weites Feld, nicht wahr?

Da haben Sie Recht und es ist wichtig, im Team alle internistischen Fachärzte zu haben, die die unterschiedlichen Schwerpunkte abdecken. Der Schwerpunkt liegt bei uns auf den Herz-Kreislauferkrankungen, wobei diese Patienten auch häufig an Diabetes leiden und Viele von ihnen auch Probleme mit der Lunge haben. Unser internistisches Team ist also bei fast allen Patienten in seiner ganzen Kompetenz gefordert. Was die rehabilitativen Maßnahmen angeht, da gilt allerdings für die allermeisten Patienten, unabhängig von der Erkrankung: Mehr Bewegung, gesünder essen, einen kompetenten Ansprechpartner haben, um Krankheitsfolgen zu bewältigen oder Beratung zu Hilfsmittelfinanzierung oder Pflegemaßnahmen in Anspruch zu nehmen. All das können wir unseren Patienten mit einem wirklich ganz breit angelegten Reha- und Beratungsangebot bieten. Und aus diesem breiten Angebot stellen wir dann für jeden Patienten individuell einen Reha-Plan auf.

Was ist denn für Sie persönlich der größte Unterschied zwischen der Akutmedizin und der Reha-Medizin?

Ich habe jahrzehntelang in Akuthäusern und an Universitätskliniken gearbeitet und das mit viel Freude. Aber über die Jahre stieg die Hektik des Krankenhausalltages immer mehr. Im Durchschnitt haben Sie als Arzt im Krankenhaus während einer Visite fünf Minuten Zeit pro Patient und drei Minuten gehen schon für die Begrüßung und die Verabschiedung drauf. Hier in Bad Suderode dauert ein Gespräch mit den Patienten mindestens 10 Minuten, aber deutlich längere Gespräche sind auch keine Seltenheit. Und das hat mich gereizt, der intensive Kontakt zu den Menschen, die ich versuche, wieder auf die Füße zu stellen.

Nie die Forschung und Lehre vermisst?

Das muss ich ja gar nicht. Ich habe von Anfang an Projekte in der Versorgungsforschung initiiert. Aktuell untersuchen wir an der Klinik zum Beispiel den Einsatz von Tai Chi in der Rehabilitation von Herzpatienten. Bundesweit sind wir die einzige Klinik, die eine solche Gruppe anbietet. Hintergrund ist, dass sich insbesondere sehr alte und junge Patienten und Frauen von Angeboten in herkömmlichen Herzsportgruppen kaum angesprochen fühlen und demzufolge da auch nicht hingehen. Tai Chi scheint da besser angenommen zu werden, deshalb untersuchen wir jetzt die positiven Wirkungen dieser fernöstlichen Methode auf die Gesundheit. Und was die Lehre angeht: An der Uni Halle habe ich eine Vorlesung für Sportmedizin, Die Zusatzbezeichnung Sportmedizin habe ich in den letzten Jahren erwerben und somit ein wenig das Hobby zum Beruf machen können.

Machen die Patienten mit solchen Bewegungsgruppen weiter, wenn sie wieder zu Hause sind?

Das ist tatsächlich ein Problem und man muss sich als Arzt in der Rehabilitation darüber im Klaren sein, dass man dauerhaft bei vielen Menschen nur wenig Lebensstilveränderung erreicht. Um die Langzeitwirkung der Maßnahme zu steigern, haben wir hier in der Klinik ein Projekt gestartet, in dem wir die Patienten nach einem Jahr angeschrieben haben, um uns nach deren Befinden zu erkundigen, ob sie weiterhin aktiv etwas für ihre Gesundheit tun oder ob z.B. die Rauchentwöhnung dauerhaft geklappt hat. Geantwortet hat nur die Hälfte und von denen haben nur wenige eine dauerhafte Veränderung geschafft. Das zeigt schon, dass es extrem wichtig ist, nach Abschluss der Reha die Patienten weiter an die Hand zu nehmen. Leider haben wir bisher noch keine Finanzierung bekommen, um aufgrund dieser Erfahrungen ein Forschungsprojekt für ein solches Nachsorgeprogramm aufzulegen.

Die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu verändern ist also eher gering?

Nein, nein, im Gegenteil! Die Wochen bei uns empfinden viele als sehr wohltuend, obwohl das hier bei uns bestimmt kein Kuraufenthalt ist. Das auch von den Kostenträgern verlangte Programm ist richtig anstrengend für unsere Patienten, aber sie merken eben auch, dass es ihnen von Tag zu Tag besser geht. Was die Verhaltensänderung meiner Patienten angeht, da bin ich ein großer Freund der Wiederholung, soll heißen: Ich sage einem rauchenden Patienten, dass das absolut schädlich ist und weise auf die Rauchentwöhnungsgruppe hin und zwar immer wieder. Erhobener Zeigefinger nützt nur wenig aber das wiederholte Einfordern von Veränderung zeigt doch Erfolge. Herzpatienten hingegen, die einen Herzanfall erlitten haben, empfinden das häufig als einen echten "Schuss vor den Bug", so dass sie sagen: "Nie wieder rauchen, das will ich einfach nicht noch mal erleben". Die sind durch das Erlebte bereit zur Veränderung und bekommen dann hier auch jede Unterstützung, um das auch umzusetzen. Nur das Gelernte zu Hause auch fortzusetzen, das ist eben schwierig.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Chef aus?

Ohne Teamwork geht hier gar nichts. Ich treffe mich fast täglich mit dem Leiter der Physiotherapie, der Pflegedienstleitung und insbesondere mit den ärztlichen Kollegen auch der anderen Fachabteilung im Haus (Onkologie), einmal in der Woche sitzt das gesamte Team zusammen. Zu den regelmäßig stattfindenden, wöchentlichen Fortbildungen sind immer auch Vertreter der entsprechenden Berufsgruppen dabei. Also, kurz gesagt, die ständige und enge Zusammenarbeit und Kommunikation mit allen Beteiligten hat hohe Priorität in meinem Selbstverständnis als Chefarzt.