11. März 2021

Wenn der Rückenschmerz dauerhaft bleibt

Patienten mit chronischen Rückenschmerzen treffen in der Paracelsus-Klinik Zwickau auf ein Behandlerteam, dass ihre Schmerzen ernst nimmt und Schritt für Schritt den Weg zu mehr Lebensqualität und Bewegung bahnt – gemeinsam mit dem Patienten.

Rückenschmerzen haben viele Gesichter und Betrachter. Diese Tatsache macht es Patienten und Ärzten gleichermaßen schwer, damit umzugehen. Akute Rückenschmerzen begegnen den Schmerzexperten in der Paracelsus-Klinik Zwickau täglich in der Praxis und werden in jeder Altersgruppe beklagt. In vielen Fällen hilft eine gute Diagnostik mit anschließender Physiotherapie, oder eine gezielte Schmerzmittelgabe.

Jahrelange Odyssee

Was jedoch, wenn die Schmerzen über Jahre nicht verschwinden und sich sogar weiter verschlimmern? Oft beginnt eine Odyssee mit unzähligen Arztbesuchen und Vorstellungen in Notaufnahmen, immer wieder neuen Röntgen- und MRT-Befunden und einer ganzen Palette an Therapien von der Schmerztablette, über Injektionen, Krankengymnastik, bis endlich hin zu einer oder gar mehrfachen Operationen – das ist in vielen Fällen die Krankengeschichte, die Dr. Gabriele Ehrig von der Paracelsus-Klinik Zwickau von Patienten mit anhaltenden Schmerzen zu hören bekommt. Die erfahrene Chefärztin leitet die schmerzmedizinische Abteilung der Klinik, die neben ambulanter Behandlung auch eine teil- bzw. vollstationäre Behandlung für Menschen anbietet, die unter dauerhaften Schmerzen leiden, deren Ursachen aber nicht gänzlich geklärt werden konnten. „Die Patienten sind oft sehr verzweifelt, fühlen sich nicht verstanden oder nicht ernst genommen in ihrem Leiden. Denn in vielen Fällen ist eine eindeutige Ursache auch nach vielen Jahren Behandlung nicht eindeutig zu erkennen – das macht die Patienten extrem unsicher. Sicher ist nur eins: Die Schmerzen sind immer noch da“.

Dr. Ehrig hat viel Verständnis dafür, dass Patienten auf der Suche nach einer Diagnose sind, die dann anschließend in eine hilfreiche Therapie mündet. Die Diagnose in diesen Fällen lautet jedoch: „Chronisches Schmerzsyndrom“ und das bezeichnet einen Symptomenkomplex, bei dem sich der Schmerz längst zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt hat. Dies umfasst die stets individuell geprägte Schmerzempfindung, ebenso wie Gedanken, bildhafte Vorstellungen und Begleitgefühle wie Angst oder Depressionen. Hinzu kommt: Aus Angst davor, dass Bewegungen Schmerzen auslösen oder verstärken, werden sie zunächst vermieden, später sogar „verlernt“- Fehlhaltungen sind vorprogrammiert- ein Teufelskreis. Diese komplexen Reaktionen können weder in der Kürze der gegenwärtigen Arzt-Patientenkontakte noch in einer bildgebenden Diagnostik mittels CT oder MRT erfasst werden. Im Gegenteil: Fast 90% der veranlassten Röntgenbilder von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen weisen unauffällige oder lediglich degenerative Befunde auf. Immer wieder durchgeführte Laboruntersuchungen zeigen normale Ergebnisse. MRT-Bilder erklären nicht den Schmerz und geben über die Beschaffenheit und Funktion der Muskulatur keine Auskunft. Eine Objektivierbarkeit der dauerhaften Rückenschmerzen scheint kaum möglich. Die Fragen nach der konkreten Ursache der Schmerzen können nicht befriedigend beantwortet werden- eine frustrierende Situation für Millionen Schmerzpatienten und ihre behandelnden Ärzte in Deutschland.

Steigende Kosten für die Sozialsysteme

Neben der stetig zunehmenden Zahl chronischer Schmerzpatienten steigen die Kosten hierzulande für Diagnostik, Operationen, Medikamente, längerfristige Arbeitsunfähigkeiten bis hin zu Berentungen. Das Symptom „Rückenschmerz“ entwickelt sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild, verursacht Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, beeinträchtigt Freizeit und Alltagsaktivitäten, deprimiert und führt zu sozialem Rückzug. Spätestens an diese Stelle wird deutlich, dass Rückenschmerzen auch eine subjektive Ebene haben und ganz individuell erlebt und verarbeitet werden.

Neue Wege, um den Schmerz zu lindern

Und genau an diesem Punkt setzt das Behandlungskonzept für chronische Schmerzpatienten der Paracelsus-Klinik Zwickau an: „In die Behandlung von chronischen Rückenschmerzen müssen neben körperlicher Aktivierung und gezielter physiotherapeutischer Behandlung auch Entspannungsverfahren und andere seelische Therapien einbezogen werden. Wenn wir mit unseren Patienten über Psychotherapie reden wollen, reagieren sie anfangs oft mit Unverständnis und denken, wir nehmen ihre Schmerzen nicht ernst genug, sie fühlen sich stattdessen in eine „Psychoecke“ abgeschoben. Es gilt nach jahrelanger erfolgloser Therapie der anhaltenden Rückenschmerzen jedoch, neue Wege und Alternativen kennenzulernen. Auf diesem Weg begleiten wir unsere Patienten intensiv und mit ganz individuell zugeschnittenen Behandlungen“, erklärt Gabriela Ehrig.

Eine zentrale Rolle spielt das Gespräch mit dem Patienten: Das „Geheimnis“ dieser Gespräche entspricht den Grundlagen jedes verstehenden Gesprächs: emotionale Wärme, wertschätzende und einfühlsame Haltung und aktives Zuhören, verbunden mit der Fähigkeit, die Gefühle des Patienten ernst zu nehmen und zu verbalisieren. Und das braucht Zeit. Nach Ansicht von Dr. Ehrig und ihrem Team ist es notwendig, dem Patienten zu vermitteln, dass die Chronifizierung von Rückenschmerzen ein eigenständiges Krankheitsbild darstellt und ganzheitlich behandelt werden muss und zwar möglichst frühzeitig. „In der täglichen Praxis begegne ich sehr häufig Menschen, denen jegliches Selbstvertrauen dafür fehlt, aktiv, das heißt mit ihrem Körper und Geist, an ihrem eigenen Heilungsprozess teilzunehmen. Viele Patienten sprechen von einem „letzten Strohhalm“, wenn neue Behandlungsmöglichkeiten, Spritzen, ein anderes Medikament oder ein MRT angeboten werden. Sie sind sehr enttäuscht oder mutlos, weil ihre Erwartungen zur Schmerzlinderung von Ärzten oder Therapeuten bisher nicht erfüllt wurden.“

Eine Kernaussage, mit denen Ehrig ihre Patienten konfrontiert, lautet: Ohne unser Gehirn, ohne die Gedanken und Vorstellungen über unseren Schmerz und seine Folgen, wären wir schmerzfrei. Die positive Botschaft darin: Was im Kopf beginnt, kann im Kopf auch zu einem Ende gebracht werden. Patienten, die bereit sind, die Angebote der multimodalen Schmerztherapie anzunehmen und gemeinsam mit einem Team von Therapeuten an einer Veränderung und Linderung des Schmerzgeschehens zu arbeiten, haben an der Paracelsus-Klinik Zwickau ein sehr erfahrenes Behandlerteam an ihrer Seite. In der Paracelsus-Klinik Zwickau finden regulär vor der stationären Aufnahme Gespräche mit Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten statt. Unter Berücksichtigung der bestehenden Indikationen zur stationären Schmerztherapie wird dann entschieden, ob die Behandlung vollstationär oder teilstationär stattfinden muss. Für eine optimale Nachsorge steht das Team der Schmerzabteilung auch nach einer stationären Schmerztherapie in den Schmerzambulanzen zur Verfügung.