Abhängigkeitserkrankungen

Indikationen

  • Alkoholabhängigkeit
  • Medikamentenabhängigkeit
  • Opioide
  • Hypnotika und Tranquilizer
  • Stimulantien
  • Cannabisabhängigkeit
  • Nikotinabhängigkeit
  • Polytoxikomanie mit überwiegendem Konsum legaler Suchtmittel bzw. Cannabis
  • toxische Folgeschäden durch schädlichen Gebrauch von Suchtmitteln
  • Suchterkrankungen in Kombination mit orthopädischen Leiden

Psychische Begleiterkrankungen, z.B.:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • posttraumatische Belastungsstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Psychosomatische Störungen

Internistische Begleiterkrankungen, z.B.:

  • Gastroenterologische Erkrankungen
  • Herzerkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Muskuloskeletale Erkrankungen und
  • Schmerzkrankheiten

Kontraindikationen

  • vorrangige Abhängigkeit von illegalen Drogen
  • floride Psychosen
  • Pflegebedürfigkeit

Grundsätzliches

Hirnleistungstraining in der Ergotherapie
PC Schulungsraum

 

Die Paracelsus-Wiehengebirgsklinik Bad Essen (Hüsede) ist eine Fachklinik zur stationären medizinischen Rehabilitation abhängigkeitskranker erwachsener Männer und Frauen. Seit 2010 wird in der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik auch eine "Integrierte suchtmedizinische und orthopädische Rehabilitation (ISOR)" durchgeführt.

Nach unserem Verständnis sind Abhängigkeitserkrankungen ein klassisches Beispiel für zahlreiche Gesundheitsstörungen, die biologische, psychische und soziale Ursachen haben und sich in einer Verhaltensstörung manifestieren, die wiederum biologische, psychische und sozial schädigende und behindernde Folgen nach sich ziehen.

Diese umfassende, ganzheitliche Aufgabenstellung der Rehabilitation, die auch im Sozialgesetzbuch der Bundesrepublik (§ 10 SGB I, § 9 SGB VI, § 4 SGB IX) festgeschrieben ist, entspricht einem ganzheitlichen, biopsychosozialen Krankheitsverständnis, das über den vorwiegend biologisch-naturwissenschaftlichen Ansatz der traditionellen Akutmedizin hinausgeht (Engel, G.L., 1977).

Suchtrehabilitation

Die Trennung des Einzelnen von seinem Kontext ist so wenig nützlich wie die Trennung von Leib und Seele. Organische Krankheiten beeinflussen das seelische Empfinden; Erlebensqualitäten wirken sich auf die Selbstorganisation des Organismus aus. Dieser zirkuläre Prozess ist Gegenstand der Arbeit des multidisziplinären Teams, das in der klinischen Behandlung des Suchtkranken immer die Verwobenheit von Individuum, Organismus und sozialem System berücksichtigt.

Ausgehend von einem psychoanalytisch orientierten Verständnis der Störungen besteht eine wesentliche Zielsetzung der Suchtrehabilitation wie auch der Rehabilitation anderer chronischer Erkrankungen in der Umstrukturierung dysfunktionaler Anpassungsvorgänge, der Erarbeitung angemessener Copingstrategien, der Änderung der Einstellung und des Verhaltens und der Entwicklung einer gesundheitsbewussten Lebensführung. Für diese Zielsetzungen haben sich die Behandlungsmethoden der kognitiven Verhaltenstherapie und der Verhaltensmedizin bewährt. Psychodynamische und verhaltenstherapeutische Therapieverfahren stehen aus unserer Sicht nicht im Widerspruch zueinander. Neuere Behandlungsmethoden haben das Ziel, verhaltenstherapeutische Verfahren in die psychodynamische Behandlung zu integrieren (z.B. Vogel 2005).

Darüber hinaus richten wir unser Augenmerk auch auf die Wandelbarkeit einer in Erscheinung tretenden Person in ihrem jeweiligen Kontext im Sinne einer systemischen Sichtweise und integrieren damit die soziale Ebene der Abhängigkeitserkrankung. Gerade die Erfahrungen der Paar- und Familientherapie zeigen, wie unterschiedlich ein und dieselbe Person in Erscheinung treten kann, wenn die Beziehungsstruktur sich verändert.