Psychotherapeutische Diagnostik

Psychotherapeutische Diagnostik

Die Diagnostik orientiert sich am biopsychosozialen Krankheitsmodell und am Krankheitsfolgenmodell der ICF mit den Ebenen Funktion, Aktivität und Partizipation. Nach Erhebung des Krankheitsverlaufes und der biografischen Anamnese mit tiefenpsychologischem Verständnis und einer analytischen Wahrnehmungseinstellung erfolgt eine Beurteilung der Abhängigkeit und es werden Verhaltensdiagnosen erstellt. Die Diagnostik stützt sich auch wesentlich auf die Befunde und Ergebnisse vorbehandelnder stationärer und ambulanter Einrichtungen, mit denen nach Möglichkeit eng kooperiert wird. Daraus ergeben sich die individuellen Therapieziele und prognostischen Einschätzungen, die im Verlauf überprüft und ergänzt werden. In der ersten Behandlungswoche erfolgt bei jedem Patienten die Chefarztvisite unter Beteiligung des Chefarztes (Facharzt für Innere Medizin, Psychiater und Psychotherapeut, Sozialmedizin), des Oberarztes (Psychiater) und des leitenden Psychologen. Hierbei erfolgt eine Gewichtung der erhobenen Befunde, Anordnung weiterer Diagnostik sowie Fokussierung auf individuelle Zielsetzungen und entsprechende Behandlungselemente. Die Patientinnen und Patienten nehmen in einer einwöchigen Eingangsphase an der Basisgruppe teil, in der nach themenzentrierter Methodik das Ausmaß der Betroffenheit, eine Akzeptanz der Suchterkrankung und die Bereitschaft zu einer Verhaltensänderung erarbeitet werden und unter schonenden Bedingungen eine Einführung in die Gruppenpsychotherapie stattfindet.

Hier bestehen weitere Möglichkeiten der Diagnostik und der Zuordnung zu einer indikationsgerechten Behandlung in den Therapiegruppen. Diagnostik und Festlegung von Therapiezielen stehen am Anfang der Rehabilitation. Sie sind jedoch mit Beginn der Behandlung nicht abgeschlossen, sondern sind fortwährend auch Inhalt der Therapie. Eine interdisziplinäre Fallberatung unter Einbeziehung aller beteiligten Berufsgruppen bilanziert diesen Prozess in der Mitte der Therapiezeit. Diese Fallberatung kann zu weiteren diagnostischen Maßnahmen veranlassen. Eine weitere diagnostische Bilanzierung erfolgt in den sozialmedizinischen Visiten, die wöchentlich vom Ärztekollegium mit sozialmedizinisch problematischen Rehabilitanden durchgeführt wird. Dabei wird die bis dahin erarbeitete sozialmedizinische Perspektive und die aus den Befunden abgeleitete sozialmedizinische Beurteilung mit dem Patienten erörtert.

Diagnostische Verfahren

Folgende diagnostische Verfahren werden eingesetzt:

  • Psychotherapeutische Anamnese durch strukturiertes Interview

Testpsychologische Untersuchungen:

  • Diagnostik der Abhängigkeit: MALT-Test, Fagerström-Test
  • Psychologische Diagnostik: FPI, BDI
  • Diagnostik zerebraler Funktionsstörungen: KMS, Berliner Amnesietest, BSfD, DCS, AKT
  • Arbeitsbezogene Diagnostik: Fragebogen in Anlehnung an Würzburger Screening und SIMBO
  • Sozialdienstliche Befunderhebung durch standardisiertes Interview
  • Ergotherapeutische Befunderhebung durch strukturiertes Interview