Chronisch mehrfach Erkrankte und ältere Menschen

Viele Patienten leiden noch lange Zeit nach Entgiftung und gegebenenfalls längerer akutmedizinischer Behandlung an Folgeschäden des Suchtmittelkonsums, die sich nur langsam und zum Teil nicht vollständig zurückbilden. Am häufigsten betroffen sind das zentrale und periphere Nervensystem (Hirnorganisches Psychosyndrom, Kleinhirnenzephalopathie und Polyneuropathie) sowie die inneren Organe (vor allem Leberzirrhose und Pankreatitis). Es gibt jedoch letztlich kaum eine Struktur im Körper, die nicht durch Alkoholkonsum geschädigt werden kann (s. Seitz et al., 2000). Darüber hinaus bestehen nicht selten vom Suchtmittelkonsum unabhängige chronische Begleiterkrankungen, z.B. arteriosklerotische Erkrankungen und orthopädische Beeinträchtigungen. Die Folgen dieser Störungen sind Beeinträchtigungen der Bewegungsfähigkeit und der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der kognitiven Fähigkeiten, des Affektes oder des Verhaltens. Nicht selten geht in diesen Fällen der stationären Entwöhnungsbehandlung eine langzeitige Arbeitsunfähigkeit voraus, oft wird die stationäre Rehabilitations-Maßnahme durch die Kranken- bzw. Rentenversicherung direkt veranlasst, um dem Verlust der Erwerbsfähigkeit vorzubeugen. Bei diesen Menschen müssen sorgfältige medizinische Betreuung und Pflege, physikalische Behandlung und therapeutisches Vorgehen besonders in Verbindung gesetzt und aufeinander abgestimmt werden. Ergotherapie und Bewegungstherapie sind in ihren Anforderungen der Organschädigung angepasst.

Es hat sich in unserer Klinik bewährt, diese Patienten in Gruppen zusammenzufassen und in der therapeutischen Arbeit den Umgang mit der Behinderung in den Mittelpunkt zu stellen und fürsorglich annehmende Hilfen bei der Bewältigung zur Verfügung zu stellen. Alle Therapieangebote sind auf gezielte Minderung der Beeinträchtigungen in einem besonderen Schonraum ausgerichtet. Bei Patienten mit hirnorganischen Beeinträchtigungen ist das Hirnleistungstraining ein besonderer Schwerpunkt der Behandlung. Auch bei schwerer Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sind unter dieser Behandlung oft erstaunliche Besserungen bis hin zur vollständigen Behebung manifester Funktionsstörungen zu beobachten. Dieses Erfolgserlebnis unterstützt die Patienten sehr wesentlich in ihrer Motivation zur Abstinenz. Die multidisziplinäre Kooperation im Team, die die Erfahrungen im Umgang mit dem Patienten aus unterschiedlichen Bereichen des stationären Aufenthaltes zusammenführt, wird für die sozialmedizinische Behandlung, die Motivation zur Reintegration ins Erwerbsleben (bzw. bei Rentnern für die Motivation zu selbständiger Lebensführung und Verhinderung von Pflegebedürftigkeit) und letztlich für die abschließende sozialmedizinische Beurteilung nutzbar gemacht.