Trauma und Sucht

Suchterkrankung und posttraumatische Belastungsstörung

In unserer Fachklinik gibt es ein besonderes Behandlungsangebot für suchtkranke Patienten, die zusätzlich an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden "Trauma und Sucht".

Die Lebensgeschichten von suchtkranken Menschen können zusätzlich von traumatischen Erfahrungen geprägt sein. Bei vielen Betroffenen ist der Suchtmitteleinsatz eine Überlebensstrategie, weil sie keine hilfreichen Bewältigungsstrategien kennen.

Wir haben an dem Forschungsprojekt: "Trauma und Sucht" der Uni Klinik Hamburg-Eppendorf teilgenommen und dieses Behandlungskonzept für unsere Fachklinik adaptiert:

  • Es gibt eine Gruppe für traumatisierte Frauen und eine Gruppe für traumatisierte Männer, die einmal wöchentlich zusätzlich zum allgemeinen Therapieprogramm stattfinden. Hier lernen die Patienten Übungen zu "Sicherheit finden".
  • Wir unterstützen unsere Patienten darin, sich zu stabilisieren und Alternativen zum Suchtmittel auch bei posttraumatischen Belastungen einzusetzen.
  • In dem geschützten Rahmen einer Indikativgruppe mit erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten erleben Betroffene, sich selbst besser zu schützen und zu steuern, den negativen Empfindungen nicht mehr in überflutender Form ausgesetzt zu sein.

Forschungsergebnisse zur posttraumatischen Belastungsstörung und Komorbidität

Zwischen zwölf und 34 Prozent aller Suchtpatienten, die in Behandlung sind, leiden der amerikanischen Forscherin Lisa Najavits zufolge an einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung). Bei Frauen liegt die Rate sogar bei 33 bis 59 Prozent.

Frauen verarbeiten Traumata anders als Männer.

"Die Grundreaktion auf ein in der Kindheit erlebtes Trauma ist erst einmal universell", sagt Silke Gahleitner, Traumaexpertin an der Berliner Alice-Salomon-Fachhochschule (ASF), die dieses unterschiedliche Verhalten in einer Studie erforscht hat. "Kleine Mädchen und Jungs reagieren ähnlich. Bald nach dem Geschehen verdrängen und verleugnen sie, was ihnen passiert ist." Später aber, wenn sich die geschlechtliche Identität stärker ausbildet, zeigt sich der Unterschied. Jungen seien dann eher extrovertiert, Mädchen nach innen gewandt. In der Jugendphase verstärke sich dieses Verhalten. "Die Jungen erzählen oft von Täterphantasien, von aggressiven Bedürfnissen oder ausgelebter Aggression."

Die Mädchen "beschreiben den sexuellen Missbrauch als einen Elefanten auf ihrer Lebensstraße", an dem sie einfach nicht vorbeikämen, sagt Gahleitner: Sie fühlten sich wie gelähmt.

Die Ergebnisse der Forschung legen nahe, dass ein Verharren in Geschlechtsrollenstereotypen die Missbrauchsbewältigung für beide Geschlechter erschwert,

 Gahleitner, S. B. (2006). Sexuelle Gewalt und Geschlecht. Hilfen zur Traumabewältigung bei Frauen und Männern. Gießen: Psychosozial.

 Die Indikativgruppe "Sicherheit finden" in unserer Klinik berücksichtigt diese Forschungsergebnisse und bietet weiblichen und männlichen an PTBS erkrankten Suchtpatienten getrennte Therapieeinheiten an.