Patienteninfo: Voll- und Regionalanästhesie

Sehr geehrte/r Patient/in,

über folgende Themen bzgl. einer Operation mit Anästhesie/Narkose können Sie sich hier informieren:

1) Allgemeine Hinweise und spezielle bei ambulanter Anästhesie

2) Informationen über Allgemeinanästhesie/Vollnarkose

3) Informationen über Regionalanästhesie

Allgemeine Hinweise / Verhaltensmaßregeln vor Operationen / Anästhesien

Sehr geehrte Patienten,

in Vorbereitung auf eine bei Ihnen eventuell durchzuführende Operation sind im Interesse Ihrer Sicherheit und eines reibungslosen Ablaufes die folgenden Gesichtspunkte zu beachten:

  1. Wir dürfen Sie bitten, sämtliche zur geplanten Operation bislang durchgeführten Untersuchungsbefunde mitzubringen bzw. uns diese Befunde über Ihren Hausarzt zukommen zu lassen. Auf diese Weise können für Sie möglicherweise unnötige Doppeluntersuchungen oder Terminverschiebungen vermieden werden.
  2. Gleiches gilt für Befunde von bei Ihnen möglicherweise bestehenden Begleiterkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Herz- oder Lungenerkrankungen).
  3. Bringen Sie unbedingt eine Liste der von Ihnen eingenommenen Medikamenten mit.
  4. Bestimmte Dauermedikationen müssen vor einer Operation abgesetzt bzw. auf eine andere Medikation umgesetzt werden. Dies betrifft vor allem die Gerinnung beeinflussende Medikamente (ASS, Plavix, Iscover, Marcumar, Tyklid u.a.) sowie bestimmte den Blutzucker senkende Präparate (Metformin). Fragen Sie Ihren Hausarzt oder einweisenden Arzt, ob dies bei Ihnen zutrifft. Meistens kann eine eventuell erforderliche Umstellung ambulant eingeleitet werden.
  5. Sollten bei Ihnen Befunde oder Komplikationen von vorausgegangenen Narkosen / Operationen vorliegen, bringen Sie diese bitte ebenfalls zur stationären Aufnahme mit.
  6. Sollten Sie einen Nothilfepass, einen Allergiepass oder einen Pass über eventuelle Implantate (z.B. Herzschrittmacher) besitzen, müssen Sie diese Dokumente ebenfalls mitbringen.

In Vorbereitung der Narkose und Operation wird Sie spätestens am Nachmittag des Tages vor der geplanten Operation ein Narkosearzt untersuchen und mit Ihnen gemeinsam ein für Sie geeignetes Narkoseverfahren auswählen. Er wird Sie über den Ablauf und mögliche Komplikationen des Verfahrens aufklären. Gleichzeitig bespricht er mit Ihnen das bei Ihnen nach der Operation anzuwendende Schmerztherapieregime.

Bei noch nicht volljährigen Patienten oder Patienten, für die ein Betreuungsverfahren eingeleitetet wurde, wird dieses Aufklärungsgespräch mit dem gesetzlichen Vertreter durchgeführt.

Spezielle Hinweise für ambulante Narkose

Falls bei Ihnen eine ambulante Operation (Tageschirurgie ohne stationäre Aufnahme) in Narkose vorgesehen ist, sind neben o.g. Richtlinien und medizinischen Gründen, die eine ambulante Durchführung des Eingriffes im Interesse Ihrer Gesundheit und Sicherheit unmöglich erscheinen lassen, die folgenden Voraussetzungen zu erfüllen:

  1. Bitte stellen Sie sicher, dass sie 6 Stunden vor der geplanten Operation keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen und 2 Stunden vor dem Eingriff keine Flüssigkeiten mehr zugenommen werden.
  2. Ihre Dauermedikation können Sie wie gewohnt einnehmen, es sei denn, es sind Präparate der oben genannten Gruppen. Dies klären Sie bitte zuvor mit Ihrem Hausarzt.
  3. Es muss eine volljährige Betreuungsperson für die ersten 24 Stunden organisiert werden, die Sie während dieser Zeit unterstützen und beobachten kann. Die Entlassung erfolgt nur mit einer entsprechenden Begleitperson.
  4. Sie gelten für 24 Stunden als vermindert geschäftsfähig, d.h. Sie dürfen über diese Zeit nicht selbständig am Straßenverkehr teilnehmen, keine Maschinen / Geräte mit Verletzungspotential bedienen und keine wichtigen Verträge unterschreiben.
  5. Es muss eine telefonische Erreichbarkeit gewährleistet sein.
  6. Die Klinik bzw. eine entsprechende Einrichtung muss innerhalb von 30 min. durch Sie erreichbar sein.
  7. Sie dürfen am OP-Tag keinen Alkohol zu sich nehmen und neben Ihren Dauermedikamenten nur die vom Operateur oder Narkosearzt verordneten Medikamente in der angegebenen Dosierung zu sich nehmen.

Allgemeinanästhesie/Vollnarkose

Die Vollnarkose (=Allgemeinanästhesie) ist ein tiefschlafähnlicher Zustand; das Bewusstsein und die Schmerzempfindungen werden im ganzen Körper unterdrückt. Die für die Operation zum Teil notwendige Muskelerschlaffung wird ebenfalls durch die Gabe entsprechender Medikamente erreicht.

In den meisten Fällen erfolgt der Beginn der Narkose (=Einleitung) durch eine Injektion eines Narkosemittels in eine intravenöse Kanüle. Über eine Maske oder einen Beatmungsschlauch (Tubus) werden Sauerstoff und gasförmige Narkosemittel zugeführt oder die Narkosemittel wiederholt bzw. kontinuierlich in eine Vene appliziert (=Aufrechterhaltung der Narkose). Zum Ende der Operation wird die Zufuhr der Narkosemittel gestoppt, sodass Sie allmählich erwachen (=Ausleitung). Gleichzeitig werden die o.g. Behelfsmittel zur Beatmung entfernt. Vor Beendigung der Narkose wird Ihnen ein Schmerzmittel verabreicht, damit Sie in aller Regel schmerzfrei aus der Narkose erwachen. Ein Narkosearzt (=Anästhesist) überwacht während des gesamten Eingriffes alle wichtigen Organfunktionen (EKG, Puls, Blutdruck, Atmung, ....).

Zur Dosierung der Narkosemittel und Überwachung der "Narkosetiefe" kommt bei uns, neben der Beurteilung anhand klinischer Zeichen (Blutdruck, Herzfrequenz, Schwitzen,...), zusätzlich ein spezielles EEG-Verfahren (sog. BIS-Monitor) zur Anwendung, mit dessen Hilfe die Hirnaktivität bzw. die Unterdrückung dieser durch die Narkosemittel gemessen werden kann. Dieses Verfahren hilft Ihrem Narkosearzt bei der Dosierung der Medikamente und stellt für Sie einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor und Schutz vor eventuellen Nebenwirkungen dar.

Für größere Operationen kann es zur Aufrechterhaltung der Patientensicherheit erforderlich sein, dass zur besseren Überwachung des Blutdrucks eine kleine Kanüle in die Schlagader (Arterie) am Unterarm eingeführt werden muss. Darüber hinaus ist es in manchen Fällen notwendig (große Operation, Ernährung nach der Operation), in Narkose einen Katheter in eine große Vene am Hals oder unter dem Schlüsselbein zu legen.

Die ersten Stunden nach einer Operation in Narkose überwachen wir Sie in unserem Aufwachraum. Hier werden Sie in der Phase der Erholung von Operation und Narkose mit Monitoren überwacht und eine entsprechende Therapie zur Schmerzausschaltung oder Behebung von möglichen Begleiterscheinungen (z.B. Übelkeit) erhalten. Erst wenn Sie sich ausreichend erholt haben, erfolgt die Rückverlegung auf die Pflegestation. Da dies bei den heute üblichen Narkoseverfahren recht schnell erfolgt, werden Sie in der Regel nur ca. 1,5-2 Stunden im Aufwachraum betreut werden.

Zur besseren Betreuung nach großen Operationen kann ein vorübergehender Aufenthalt auf der Intensivstation nötig sein.

Nach einer Narkose können folgende Störungen des Wohlbefindens auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Frieren und Muskelzittern
  • kurzfristige Heiserkeit oder Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Zahnschäden durch die Einführung des Beatmungsschlauches (selten !)
  • Venenreizungen
  • Entzündungen oder Blutergüsse im Bereich der Einstichstellen von Kanülen oder Kathetern.

Regionalanästhesie

Zur Operation an Arm oder Bein ist nicht unbedingt immer eine "Vollnarkose" notwendig !
Mittels moderner Anästhesieverfahren ist es möglich, mit geringem Risiko die Nerven von Arm oder Bein vorübergehend auszuschalten, welche für die Schmerzempfindung verantwortlich sind.

Vorteile der Regionalanästhesie:

  • vollständige Schmerzfreiheit zur Operation
  • geringerer Wundschmerz nach der Operation
  • geringere Belastung von Herz und Kreislauf im Vergleich zur Vollnarkose
  • Keine Nebenwirkungen der Vollnarkose (Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit)
  • Essen und Trinken unmittelbar nach der Operation möglich

Nachteile der örtlichen Betäubung:

  • in Ausnahmefällen zusätzliche Vollnarkose notwendig
  • längere und aufwendigere Narkosevorbereitung
  • das bewusste Miterleben des Ablaufes im OP-Saal (wird manchmal als störend empfunden); hier kann auf Wusch ein zusätzliches Beruhigungsmittel verabreicht werden

Die am häufigsten angewandten örtlichen Betäubungsverfahren:

  • Blockade der Nerven im Halsbereich für Operationen im Bereich der Schulter
  • Blockade der Nerven unterhalb des Schlüsselbeines für Operationen an Ellenbogen, Unterarm und Hand
  • Blockade der Nerven im Bereich der Achselhöhle für Operationen am Unterarm und Hand
  • Blockade der Nerven in der Leistenbeuge für Operationen am Knie- und Hüftgelenk
  • Blockade des Ischiasnerven für Operationen am Unterschenkel und Fuß

Zum Auffinden der zu betäubenden Nerven verwendet der Anästhesist eine Spezialkanüle, welche ihm ermöglicht, durch Anwendung geringer Stromimpulse diese Nerven zu erkennen. Diese Punktion ist schmerzfrei und wird von den Patienten gut toleriert. Die aktive Zusammenarbeit zwischen Patienten und Anästhesist ist für eine erfolgreiche Durchführung dieser Narkoseverfahren eine wesentliche Voraussetzung.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, alle Nerven der unteren Körperhälfte gleichzeitig auszuschalten. Hierzu wird das Medikament vom Rücken her entweder direkt in das Hirnwasser (Liquor) appliziert (=Spinalanästhesie, SPA) oder aber in die Nähe der Nervenwurzel gebracht (=Periduralanästhesie, PDA bzw. Epiduralanästhesie, EDA). Auch eine Kombination beider Verfahren ist möglich, ebenso wie die Einbringung eines kleinen Katheters, um im zeitlichen Abstand nochmals Medikamente nachinjizieren zu können, bzw. diese mit einer speziellen Pumpe zu dosieren. In einigen Fällen werden diese Katheterverfahren auch mit einer Allgemeinnarkose kombiniert und im weiterem Verlauf zur Schmerztherapie genutzt.

Wichtig für diese beiden Verfahren ist eine intakte Blutgerinnung. Bitte informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, die die Blutgerinnung beeinflussen. Dazu zählen solche Substanzen wie Falithrom, Marcumar, ASS, Aspirin, Tyklid sowie zahlreiche weitere.

Gelegentlich treten nach diesen Verfahren Rücken- oder Kopfschmerzen auf. Eine vorübergehende Harnverhaltung kann eine Katheterisierung der Harnblase erforderlich machen. Extrem selten sind Schädigungen des Rückenmarkes mit bleibenden Lähmungen. Gleiches gilt für eine Verschlechterung des Hör- und Sehvermögens. Ihr Narkosearzt wird Ihnen das Vorgehen beim Legen einer PDA / SPA genau erklären. Bitte fragen Sie ihn nach weiteren Details!