1.2. EMG/ENG (Elekrtomyografie/Elektroneurografie)

EMG (Elekrtomyografie)

Unsere Chefärztin Frau Dr. med. Manuela Sipli verfügt über das EMG-Zertifikat  und ist Ausbilderin und Prüferin der DGKN.

  • Methode zur Registrierung der spontan bzw. bei Willkürinnervation auftretenden oder durch elektrische Stimulation provozierbaren Muskelaktionspotentiale
  • die Ableitung erfolgt mit Hilfe von in den Muskel eingestochenen Nadelelektroden (konzentrische Nadelelektrode) oder über dem Muskel platzierten Oberflächenelektroden
  • die Potentiale werden verstärkt, optisch und akustisch wiedergegeben und aufgezeichnet
  • hier kann man das echte Ausmaß eines Nervenschadens messen oder Hinweise auf Muskelerkrankungen finden

ENG (Elektroneurografie)

  • Methode zur Bestimmung der sensiblen und motorischen Nervenleitgeschwindigkeit
  • der Nerv wird nacheinander an zwei Stellen gereizt und das Erregungspotential mit Oberflächen- oder Nadelelektroden abgeleitet
  • die Nervenleitgeschwindigkeit lässt sich aus der Differenz der Latenzzeiten und dem Abstand zwischen den beiden Reizpunkten berechnen
  • sie beträgt bei den langen Nerven der oberen Extremitäten 50-65 m/s, an den unteren Extremitäten 40-60 m/s

1.2.1. OOR (Orbicularis-oculi-Reflex oder Lidschlussreflex) 

  • gehört zu den Hirnstammreflexen
  • zu einem unwillkürlichen Zucken der Augenlider kommt es z.B. bei rascher Annäherung eines Gegenstandes an das Gesichtsfeld
  • sobald also für das Auge Gefahr droht, soll dieses „automatisch“ geschlossen werden
  • dieser Schutzmechanismus lässt sich durch elektrische Stimulation der Stirnhaut auslösen
  • die Ableitung erfolgt mit Klebeelektroden unter dem Auge

1.2.2. Masseterreflex

  • gehört zu den Hirnstammreflexen
  • er untersucht den afferenten und efferenten Schenkel des motorischen Anteils des Nervus trigeminus
  • die Reflexauslösung erfolgt mit einem elektromechanischem Reflexhammer zeitgetriggert auf der Mitte des Unterkiefers
  • die Ableitung erfolgt mittels Oberflächenelektroden über den Masseteren

1.2.3. Kieferöffnungsreflex

  • gehört zu den Hirnstammreflexen – ist ein Schutzreflex, der Zunge, Lippen und Gaumen vor Biss-/Kauverletzungen bewahrt
  • die Reflexauslösung erfolgt durch elektrische Stimulation im Lippenbereich
  • die Ableitung erfolgt über Oberflächenelektroden
  • er dient zur Analyse trigeminaler Sensibilitätsstörungen und zur Differentialdiagnostik bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie HWS-Traumen

1.3.4. Oculoauricularreflex

  • gehört zu den Hirnstammreflexen, ist beim Menschen rudimentär
  • er beinhaltet die Synchronisierung von Blickwendung und Ohrmuscheldrehung zur Ausrichtung auf einen akustischen Stimulus
  • er ist an die Intaktheit der Verbindung zwischen Facialis- und Abducenskern gebunden

1.3.5. F-Welle

  • sie ist eine Reflektionswelle nach distaler elektrischer Stimulation eines motorischen Nervs
  • dabei sind Aussagen über proximale Nervenabschnitte (Radices) möglich

1.2.6. H-Reflex (Hoffmann 1922)

  • elektrisch ausgelöster monosynaptischer Eigenreflex des Musculus triceps surae
  • die Reflexauslösung erfolgt in der Kniekehle über dem Nervus tibialis
  • die Ableitelektroden befinden sich über dem Muskelbauch der Wade
  • er dient zur Beurteilung der S1-Wurzel/des Nervus ischiadicus

1.2.7. FAIR-Test

  • FAIR ist ein Akronym und steht für Flexion – Adduktion – Innenrotation
  • es ist ein modifizierter H-Reflex in Beuge-/Adduktions-/Innenrotationshaltung des Beines, wobei in dieser Position der Musculus piriformis angespannt wird
  • im Falle eines Engpasssyndroms (Piriformissyndrom) kommt es zur Druckbeeinträchtigung des Nervus ischiadicus
  • dadurch kann ein primär vorhandener H-Reflex latenz- und amplitudengestört sein bzw. ist ausgefallen

1.3.8. Lateral spread response

  • Lateral spread response dient zum Nachweis ephaptischer Verbindungen im Facialisinnervationsgebiet
  • Ephapsen deuten auf das Vorliegen eines Spasmus hemifacialis hin

1.2.9. Decrement-Test

  • er wird zur Diagnostik einer neuromuskulären Übertragungsstörung eingesetzt
  • eine niederfrequente elektrische Stimulation eines motorischen Nervs (30 Hz) führt im Falle einer Myasthenia gravis zu einem Decrement (> 10 % Amplitudenabnahme gegenüber dem Ausgangsniveau beim 5. Stimulus)
  • eine hochfrequente elektrische Stimulation eines motorischen Nervs (20 Hz) führt im Falle eines LEMS zu einem pathologischen Inkrement (> 100 % gegenüber dem Ausgangsniveau)