6. Oktober 2021

Was macht eigentlich eine Parkinson Nurse?

Die Weiterbildung zur Parkinson Nurse ist in Deutschland seit vielen Jahren etabliert. Der Bedarf an diesen hochspezialisierten Pflegefachleuten steigt. Parkinson-Patienten stellen eine besondere Herausforderung im Pflegealltag dar. Die Unterstützung und Versorgung dieser Patienten erfordern umfängliches Fachwissen, praktische Erfahrungen und ein hohes Maß an Empathie. Seit 2006 gibt es hierzulande ein Fortbildungsangebot zur Parkinson Nurse. Europaweit werden schon seit mehr als 40 Jahren Pflegekräfte zur Parkinson Nurse ausgebildet.

Ausbildungslehrgang zur Parkinson Nurse

Die Paracelsus Elena-Klinik bietet gemeinsam mit der Deutschen Parkinson Vereinigung, den Parkinson-Fachkliniken in Beelitz, Bremerhaven und München sowie den Neurologischen Universitätskliniken in Kiel und Marburg jährlich einen Fortbildungslehrgang zur Parkinson Nurse an. Die Vermittlung von Fachwissen ebenso wie zweiwöchige Klinikhospitationen in einer der beteiligten Kliniken stehen auf dem Lehrplan.

„Der Bedarf und damit auch das Interesse an dem Fortbildungslehrgang steigt. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen an Parkinson erkrankt, und die Zahlen werden weiter steigen. Entsprechend werden auch immer mehr Parkinson-Patienten stationär behandelt werden müssen“, erklärt Univ.-Prof. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der Paracelsus Elena-Klinik.

Komplexe Aufgaben erwarten die Parkinson Nurse

Parkinson Nurses sind für ein vielfältiges Aufgabengebiet qualifiziert. Sie arbeiten in der Patientenpflege, übernehmen die Betreuung von Patienten mit Pen-/Pump-Systemen oder tiefen Hirnstimulatoren, betreuen klinische Studien und unterstützen den behandelnden Arzt während therapeutischer Behandlungen. Auch die sozialmedizinische Beratung von Patienten und Angehörigen gehört zu ihren Aufgaben. Die Beratung von Pflegekräften in anderen Krankenhäusern oder Seniorenheimen kann ebenfalls Teil des Aufgabenspektrums sein. Denn während der normalen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin lernen die Pflegeschülerinnen und -schüler nur wenig über die Besonderheiten im Umgang mit Parkinson-Patienten.

In Bewegung bleiben

Ein entscheidender Faktor, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten, sind regelmäßige Bewegungseinheiten. Parkinson Nurses sind hier oft die „treibende Kraft“, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und so ein Mehr an Lebensqualität und Beweglichkeit zu erhalten. “Bleiben Sie beweglich“, das gilt besonders für unsere Parkinson-Patienten. „Und wenn sie feststellen, wie sehr sie durch regelmäßige Bewegung Einfluss auf den Verlauf ihrer Erkrankung haben, ist das oft ein Wendepunkt in der Behandlung“, weiß Antje Steinberger, die seit nunmehr 14 Jahren als Parkinson Nurse in der Klinik arbeitet. An der Paracelsus-Elena-Klinik Kassel gehören deshalb Physiotherapie, Ergotherapie, Tai Chi und Chi Gong zum Therapieprogramm. Darüber hinaus finden regelmäßig Tanzabende und geführte Spaziergänge im benachbarten Park Wilhelmshöhe statt.

Empathie und Kompetenz

Dass neben aller fachlichen Qualifikation auch eine große Portion Empathie dazu gehört, um diese spezielle Patientenklientel gut betreuen zu können, weiß Antje Steinberger zu berichten. Deshalb ist auch das Gespräch mit den Angehörigen so wichtig. „Angehöriger eines Parkinson-Erkrankten zu sein, ist eine hohe Belastung. Ich spreche deshalb viel mit Angehörigen darüber, warum ein Patient ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt, und versuche dabei auch Wissen über die Erkrankung zu vermitteln. Oft entlastet es aber schon, wenn ich mir Zeit nehme und einfach zuhöre. Meine Empfehlung an Angehörige ist es immer, sich auch einmal eine Auszeit zu nehmen, eigene Interesse und Bedürfnisse zu befriedigen und nicht 24/7 dem Erkrankten zur Verfügung zu stehen – das kann niemand auf Dauer durchhalten“.

Die Fortbildung zur Parkinson Nurse startet voraussichtlich im Juni 2022 mit einer Kick Off- Veranstaltung im Sommer in der Paracelsus-Elena-Klinik.

Voraussetzung für die Fortbildung zur Parkinson Nurse ist eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege und eine mindestens zweijährige Berufserfahrung.