6. September 2022

Psychische Belastung bei Krebs ist enorm

Paracelsus Klinik Scheidegg erforscht mit ihrem Forschungsinstitut IREFOS die psychische Belastung bei Krebs. Das Ergebnis einer Studie zeigt, Krebspatienten sind psychisch sehr belastet. Die Daten aus der Studie sollen der Klinik individuellere Reha-Programme ermöglichen.

Die Diagnose Krebs ist ein riesiger Schock. Auch während der anschließenden Operation, der sich in der Regel eine Chemo- und/oder Strahlentherapie anschließt, bleibt die psychische Belastung enorm. Krebspatienten müssen mit körperlichen Veränderungen und Beschwerden, die die Erkrankung und die notwendige Tumortherapie mit sich bringen, klarkommen. Außerdem erweckt eine Krebserkrankung unsichere Zukunftsaussichten bis hin zu Todesängsten. Einer enormen psychischen Belastung sind Krebspatienten ab dem Zeitpunkt der Diagnose ausgesetzt. Nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann diese psychische Belastung zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen führen.

Der Klinikalltag zeigt, dass viele Tumorpatienten, die nach überstandener Operation und/oder Chemotherapie zur Rehabilitation gehen, um wieder fit für den Alltag zu werden, immer noch an diesen psychischen Belastungen leiden. Daher haben aktuell Mitarbeiter der Paracelsus Klinik Scheidegg und des klinikeigenen Forschungsinstituts IREFOS in Kooperation mit der Universitäts-Frauenklinik in Würzburg die psychische Belastung (Distress) und mögliche Risikofaktoren von 1.400 Brustkrebspatientinnen im Rahmen einer Studie untersucht.

Studienergebnis eindeutig

Das Ergebnis der Studie, die in der internationalen Fachzeitschrift Archives of Gynecology and Obstetrics der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie veröffentlicht wurde (Psychological distress in breast cancer patients during oncological inpatient rehabilitation: incidence, triggering factors and correlation with treatment-induced side effects), zeigt eindeutig: Die psychische Belastung bei Krebs ist sehr hoch. Bei über 67 % der teilnehmenden Patientinnen zeigte sich ein deutlich erhöhter Distress. Fast 42 % wiesen eine massiv erhöhte psychische Belastung mit negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität auf. Dies kann sich z.B. in chronischen Schlafstörungen auswirken. “Die Daten bestätigen unsere alltägliche klinische Erfahrung, dass die betroffenen Frauen nicht nur körperlich, sondern vor allem auch psychisch teils massiv durch die Krebsdiagnose und Therapie belastet sind” berichtet PD Dr. Holger Hass, Leiter des klinik-internen Forschungsinstituts IREFOS.

Die Studie macht deutlich, wie wichtig die psychoonkologische Behandlung von Krebspatienten ist. Es geht nicht nur darum, die körperlichen Beeinträchtigungen wie z.B. Lymphödeme zu lindern und die Patienten während der Reha wieder physisch zu stabilisieren. Auch die Psyche ist ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers, die bei Krebspatienten einer Behandlung bedarf.

Die Paracelsus Klinik Scheidegg ist ein Vorreiter in der psychoonkologischen Behandlung von Krebspatienten. Bereits seit über 30 Jahren ist die Psychoonkologie zur Behandlung der psychischen Belastungen bei Krebspatienten ein wichtiger Therapiebaustein. Durch die aktuelle Studie wurde die Wichtigkeit der Psychoonkologie nochmals wissenschaftlich bestätigt.

Studiendaten sollen individuellere Therapien ermöglichen

“Die Studie hat auch gezeigt, dass insbesondere jüngere Patienten sowie Patienten, die durch die Krankheit arbeitsunfähig sind, stärker belastet sind”, erläutert Dr. Thomas Bingger, der Anfang des Jahres zusammen mit seinem Kollegen Dr. Wolfgang Bair die ärztliche Leitung der Paracelsus Klinik Scheidegg übernommen hat. “Die wissenschaftlichen Daten werden uns helfen können, unsere Rehabilitationsprogramme noch spezieller auf die seelischen Bedürfnisse unserer Patienten auszurichten”, fügt Dr. Bingger hinzu. Schon heute werden alle Patienten vor Aufnahme in der Klinik in Bezug auf ihre psychische Belastung routinemäßig untersucht. Damit kann die Klinik das anschließende Rehabilitationsprogramm noch individueller auf die Bedürfnisse der Patienten anpassen.