27. April 2022

Ich meistere fast blind meinen Brustkrebs

“Ich hab noch Leben” – Mit diesem authentischen Blog zum Thema Krebs, teilweise von Patientinnen und Patienten selbst aufgeschrieben, möchten wir Mut machen und verschiedene Wege zurück ins Leben aufzeigen. Denn eines haben wir von den Betroffenen gelernt: Das Leben ist immer lebenswert.

Diese Geschichte ist eine von vielen unserer onkologischen Patientinnen und Patienten. Weitere Geschichten haben wir hier im Menü für Sie verlinkt. Schauen Sie rein. Jede einzelne geht ans Herz!


Gaby Bongard, 63 Jahre alt, 2022 war ihr 4. Reha Aufenthalt in der Paracelsus Klinik am See in Bad Gandersheim

„Zwanzig Jahre war ich frei. Frei von Gedanken an den Brustkrebs. Ich bin zu allen Vorsorgemaßnahmen gegangen“ blickt Gaby zurück. Man könnte meinen: Glück im Unglück. 2020 kam durch eine Vorsorgeuntersuchung erneut die Diagnose Brustkrebs. Erschütterung bei Gaby Bongard. Doch mit Brustkrebs kennt sie sich aus. 2000 hatte sie ihn zum ersten Mal bekämpft. Damals mit starker Strahlentherapie. Zur Erholung ging es als Anschlussheilbehandlung in die Paracelsus Klinik am See in Bad Gandersheim. Die erste Reha Maßnahme tat ihr so gut, dass sich Gaby Bongard, aus Haan in der Nähe von Düsseldorf, auch 12 Monate nach der Krebstherapie für eine erneute onkologische Reha in Bad Gandersheim entschied.

Dieses Mal rieten ihr die Ärzte zu einer Chemotherapie, Strahlentherapie und einer Brustamputation, da die erste Strahlentherapie schon viel schlechtes Brustgewebe hinterlassen hatte. Sprachlosigkeit erfüllte Gaby Bongard zunächst. Doch Gaby packte es an – mit viel Optimismus und positiver Einstellung. Sie sagte sich: Wat mutt, dat mutt. Eins stand fest: nach der Krebstherapie wollte sie wieder nach Bad Gandersheim kommen. So folgte die Anschlussheilbehandlung Ende 2020. Ihr jetziger Aufenthalt zur onkologischen Reha ist mittlerweile ihr 4. Aufenthalt in der Klinik am See. Die Rheinländerin hat die Krebstherapie, wie sie sagt „gut weggesteckt“. Müdigkeit oder Nasenbluten gehörten zwar dazu, aber davon hat sie sich nicht unterkriegen lassen. „Im Endeffekt konnte ich mir gar nicht leisten für eine Weile auszufallen. Wer kümmert sich ansonsten um Gando?“

Steter Begleiter auf vier Pfoten

Gando ist Gabys Blindenführhund. Der fünfjährige Schäferhund ist stets an ihrer Seite. Seit 2018 meistern sie zusammen den Alltag und sind seit der ersten Begegnung ein Herz und eine Seele. Als Kind besaß Gaby Bongard 20 Prozent Sehkraft. Diese verringerte sich stark im Laufe der Zeit. Seit Mitte der 90er Jahre lebt sie mit 2 bis 5 Prozent Sehkraft und gilt daher als stark sehbehindert beziehungsweise als blind. „Bei bestimmten Lichteinfällen oder Tageszeiten kann ich für meine Verhältnisse gut sehen. So kann ich, dank meiner Kurzsichtigkeit, zum Beispiel die Uhrzeit selbstständig ablesen. Aber Einschränkungen bleiben. Für alle täglichen Beschränkungen und Barrieren habe ich Gando.“

Gando gibt eine gefahrlose Orientierung sowohl in vertrauter als auch in fremder Umgebung. Er gibt den Weg vor, bleibt vor Straßenüberquerungen stehen und gibt Auskunft, wenn Gefahr droht oder das Ziel erreicht ist. Durch ihren Blindenhund ist Gaby Bongard in gewisser Weise mobil und unabhängig. Für Gando ist es der zweite Aufenthalt in der Klinik am See. Schon Ende 2020 war er Gabys treuer Begleiter. Während der Reha begleitete er sie zu den Mahlzeiten in den Speisesaal oder zu einem Aufenthalt in die Cafeteria. Während der Therapien und Anwendungen wartete er geduldig im Zimmer auf sein Frauchen. Umso größer war dann jedes Mal die Freude, wenn es für regelmäßige Gassirunden in die Umgebung der Klinik ging – auch ganz zur Freude der Mitarbeitenden der Klinik, die hier gerne einmal eine Runde übernahmen.

Gaby Bongard ist glücklich, dass sie mit der Paracelsus Klinik am See eine Rehaeinrichtung gefunden hat, die ihr schon bei der ersten Diagnose zwei Reha Maßnahmen zusammen mit ihrem Blindenhund Blacky ermöglicht hat und nun erneut zugestimmt hat. Auch während der anhaltenden Coronapandemie. „Spätestens nach vielen Telefonaten mit anderen Rehakliniken weiß ich, dass die Aufnahme eines Blindenhundes keine Selbstverständlichkeit ist. Daher möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz besonders bei der Klinikleitung für diese Chance bedanken. Ich würde mich immer wieder für eine onkologische Reha in Bad Gandersheim entscheiden. Hier sind mir nicht nur die Wege bekannt, sondern auch das Personal ist immerzu freundlich und hilfsbereit.“

Eins ist sicher: mit ihrer engagierten und außerordentlich positiven Art wird Gaby auch ihren weiteren Weg mit Brustkrebs und Blindenhund meistern. Auch, wenn manchmal ein dickes Fell gefordert ist – denn nicht überall findet ein Blindenführhund mit Frauchen die Akzeptanz, die sie verdienen.