9. April 2021

Fatigue – Erschöpfungssyndrom nach Krebs

  • Häufigste Begleiterkrankung bei Krebspatienten
  • Paracelsus-Klinik Scheidegg entwickelt spezialisiertes Konzept für Fatigue-Patienten

Viele Krebspatienten haben damit zu kämpfen: Die so genannte tumorbedingte Fatigue oder Erschöpfungssyndrom. Es stellt damit die häufigste Begleiterkrankung einer Krebsbehandlung dar. Und 30 – 50 Prozent dieser Patienten, so belegen es Studien, berichten auch 1-2 Jahre nach abgeschlossener Krebsbehandlung noch von anhaltender körperlicher und seelischer Erschöpfung, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und anhaltendem Unwohlsein nach körperlicher Anstrengung. Alltägliche Verrichtungen sind kaum zu bewältigen, die Betroffenen fühlen sich trotz Pausen und Schlaf permanent kraftlos. PD Dr. Holger Hass, Chefarzt der Paracelsus Klinik Scheidegg, betont: „Das Erschöpfungssyndrom ist sowohl eine mögliche Folge der Krebstherapie, kann aber auch durch die Erkrankung selbst verursacht werden. Mittlerweile wurde die Fatigue auch als eine eigenständigeErkrankung von der WHO anerkannt.“

Fatigue gezielt behandeln

Mit einem speziellen, multimodalen Therapiekonzept zur Behandlung der so genannten „Fatigue“ (frz. Müdigkeit, Erschöpfung) während oder nach Krebsbehandlung erweitert die Paracelsus Klinik Scheidegg ihr Therapieangebot für die Reha-Behandlung von Krebspatienten. Alle Paracelsus Reha-Kliniken, die onkologische Patienten behandeln, legen ein besonderes Augenmerk auf das häufig auftretende Fatigue-Syndrom.

Rund 10.000 Patienten absolvieren jährlich eine Rehabilitation nach einer Krebstherapie in einer der onkologischen Paracelsus Reha-Kliniken in Scheidegg, Bad Gandersheim, Bad Elster oder Bad Suderode und an allen Standorten wird die krebsassoziierte Fatigue thematisiert. Um eine Chronifizierung zu verhindern, ist eine möglichst frühe Behandlung wichtig. Deshalb wird bereits bei der Therapieplanung diese Begleiterkrankung berücksichtig.

Erschöpfungssyndrom betrifft Körper, Geist und Seele

Obwohl die Fatigue eine sehr häufig auftretende Folgeerkrankung der Krebstherapie ist, kennen auch viele Betroffene sie nicht: „Wenn ich Patienten in unserer onkologischen Reha-Klinik auf Fatigue anspreche, bekomme ich häufig fragende Blicke, da sie mit dem Begriff und dessen Bedeutung nichts anfangen können. Wird dieses Erkrankungsbild erläutert, erkennen sich jedoch sehr viele wieder und sind überrascht, dass es für ihr Befinden tatsächlich einen eigenen Namen gibt“, erklärt Dipl.-Psychologin Sabine Dyrba, stellvertretende Therapieleiterin der Klinik am See in Bad Gandersheim.

Das Gefühl der Erschöpfung betrifft die körperliche, emotionale und geistige Ebene, deshalb behandeln die Experten bei Paracelsus dieses Krankheitsbild immer mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Therapiebausteine. Dabei ist die Balance zwischen Aktivität, Entspannungsübungen und wohltuenden Pausen wichtig. „Wir ermutigen unsere Patienten explizit, auf sich selbst zu hören und die eigenen Ressourcen achtsam einzusetzen“, erklärt Psychologin Sabine Dyrba. Eine hilfreiche Unterstützung kann beispielsweise das Führen eines Energietagebuchs sein, so dass der Patient ein Gefühl dafür entwickeln kann, wieviel Kraft ihn Alltagsaktivitäten kosten, wann er Zeiten für sportliche Aktivitäten einbauen kann, wie regelmäßig er Ruhepausen hat und ob ausreichend erholsame Schlafenszeiten eingehalten werden.

Spezielle Behandlung der Fatigue in Scheidegg

Mit dem derzeit entwickelten multimodalen Therapiekonzept wird dieser Begleiterkrankung an der Paracelsus Klinik Scheidegg noch einmal verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet. Neben einem adaptierten Kreislauftraining erfolgt in der Sporttherapie eine onkologische Trainings-Therapie (OTT) zum gezielten Muskelaufbau. In Einzel- und Gruppentherapien sprechen die Patienten über ihre Erfahrungen, lernen achtsam mit sich und ihren Kräften umzugehen und üben neue Verhaltensweisen ein. Auch eine gesunde und eiweißreiche Ernährung sowie eine Begleitung beim Verzicht auf Giftstoffe wie Alkohol und Nikotin sind wirksame Therapiebausteine.

Nach aktueller wissenschaftlicher Datenlage können auch psychoonkologische Therapieeinheiten bei der Behandlung sinnvoll sein, deshalb erlernen Fatigue-Patienten während der Rehabilitation in den Paracelsus Reha-Kliniken unterschiedliche Entspannungstechniken. In vielen Studien konnte zudem gezeigt werden, dass vor allem Patienten mit Fatigue – selbst nach kompletter Heilung der Krebserkrankung – gefährdet sind, nicht mehr in ihrem Beruf weiterarbeiten zu können oder sogar krankheitsbedingt berentet zu werden. „Daher sind berufsfördernde Maßnahmen und sozialrechtliche Beratungen unserer Patienten ebenfalls ein wichtiger Baustein während der onkologischen Rehabilitation,“ berichtet Chefarzt PD Dr. Hass. 

Schlafstörungen lindern

Da viele Fatigue-Patienten über zusätzliche Schlafstörungen klagen, wird zum Beispiel in der Paracelsus-Klinik Scheidegg speziell eine gute Schlafhygiene thematisiert, in Einzelfällen kann auch der individuelle Einsatz von Kneipp-Anwendungen oder Schlafmitteln sinnvoll sein. Bei all diesen Maßnahmen wird gezielt die schöne Allgäuer Natur rund um die Scheidegger Klinik in das Therapieprogramm mit einbezogen.

Eine Nachsorge-App für zu Hause

Mehrere Paracelsus Reha-Kliniken stellen ihren Patienten eine Nachsorge-App zur Verfügung. Das Web-basierte Nachsorgeprogramm ermöglicht es den Patienten, auch nach ihrem Reha-Aufenthalt zu Hause weiter zu trainieren und in der Reha erlernte Übungen durchzuführen. Ein solches häusliches Eigentraining nach dem Klinikaufenthalt hilft, eine Chronifizierung der Krankheit zu vermeiden und so wieder zurück zu mehr Lebensqualität zu gelangen.

Die Erschöpfung ist völlig normal

Das Fatigue-Syndrom ist noch nicht ausreichend gut erforscht, aber es ist beeinflussbar. Fatigue ist eine völlig normale Folge der meist sehr anstrengenden Krebsbehandlungen, sei es mit Operation, Strahlen- und Chemotherapie oder Immuntherapie. Viele Patienten schämen sich für ihre Erschöpfung, empfinden ihre mangelnde Kraft als persönliches Defizit und reden in der Folge nicht über ihre Empfindungen. Stattdessen zwingen und überfordern sie sich, was wiederum zu einer Verschlimmerung der Fatigue führt. Doch auch eine Unterforderung und zu viel Ruhe verstärken das Erschöpfungssyndrom! Deshalb ist eine gute Aufklärung über diese Begleiterkrankung so wichtig. Die Herausforderung ist, das individuell richtige Maß für sich zu finden.“, so Sabine Dyrba. Und Holger Hass von der Paracelsus-Klinik Scheidegg ergänzt: „An unserem Institut für Reha-Forschung und Survivorship, kurz IREFOS, evaluieren wir die Effekte unseres speziellen Therapiekonzeptes, um einen Beitrag zur Verbesserung der Behandlungserfolge bei Fatigue zu leisten.“

Informieren Sie sich gerne zu den onkologischen Behandlungskonzepten der Paracelsus Reha-Kliniken auf unserer Überblicksseite Rehabilitation.