1. Juli 2021

Musik machen als Brücke zu den eigenen Gefühlen

Dass man hin und wieder rockige Töne, Gitarren- und Schlagzeuggeräusche oder Klänge bekannter Popsongs in den Bad Essener Kliniken hört, ist nichts Ungewöhnliches: In gut ausgestatteten Musikräumen finden nämlich Musikproben mit Patientinnen und Patienten statt. Musik machen ist ein freiwilliges Therapieelement in den Bad Essener Rehakliniken. Das indikative Musikprojekt ist ein Gruppenangebot und wird von vielen Patienten begeistert wahrgenommen.

Gut ausgestattete Probenräume

Ausgehend von den Talenten, Fähigkeiten und Interessen der Teilnehmer, probieren Patientinnen und Patienten im Musikprojekt unterschiedliche Musikrichtungen und -stile mit verschiedenen Instrumenten aus. Und es wird auch gesungen. Von Instrumenten wie Schlagzeug über verschiedene Gitarren (E-, Bass-, Akustikgitarren) bis hin zum E-Piano mit gewichteten Tasten, Rhythmusinstrumenten oder Gesangsanlage steht ein vielfältiges Musik-Equipment in den Kliniken zur Verfügung.

Musikprojekt: Gemeinsam musizieren

Das musikalische Angebot richtet sich gleichermaßen an Patienten mit musikalischen Vorerfahrungen und an Patienten, für die das Thema Musik neu ist. Überwiegend erfolgt das Angebot als Gruppenangebot und wird therapeutisch betreut. „Am meisten Spaß macht das Projekt, wenn eine Gruppe von Musikerinnen und Musikern zusammenfindet, die sich einen gemeinsamen Weg des Musizierens erarbeiten können“, fasst Thomas Heegt, begleitendender Therapeut des Musikprojekts in der Berghofklinik die Besonderheit zusammen. Meistens sei das ein Prozess, der etwas Geduld und auch ein wenig Mut erfordere, aber irgendetwas lasse sich aus den verschiedenen Talenten in den allermeisten Fällen immer zusammenbasteln.

Viele abhängige und psychosomatisch erkrankte Patienten haben Probleme, Erlebtes bewusst wahrzunehmen. Genau an diesem Punkt setzt das musikalische Angebot an. Durch das Musizieren können Gefühle, die die Patienten noch nicht wahrnehmen oder verbalisieren können, ausgedrückt werden. Gleichzeitig schafft das Musizieren einen Zugang zum eigenen kreativen Potential. Das ermöglicht einen Ausdruck für vielfältige innere Empfindungen, stärkt das Selbstwertgefühl und der ein oder andere entdeckt so eine sinnstiftende Freizeitbeschäftigung.

Voneinander lernen beim Musik machen

Das musikalische Therapieangebot hilft Patienten mit instrumentalen Vorkenntnissen, die positive Wirkung des Musizierens zu vertiefen und ihre Fähigkeiten noch besser für sich nutzen. „Patientinnen und Patienten, die ins Musikprojekt kommen, haben in der Regel schon musikalische Vorerfahrungen. Teilweise sind diese recht lange verschüttet, können aber mit diesem Angebot schnell wieder aufgefrischt werden“, berichtet Heegt über seine Erfahrungen in der musikalischen Arbeit mit den Patienten. Oft würden sich die Patienten zudem untereinander etwas beibringen und voneinander lernen. Im Idealfall lernen die Patienten die für sich passende Methode, mit Musik ihr Leben zu bereichern und einen besseren inneren Zugang zu sich zu erreichen.

Ab auf die Bühne

Je nach Interesse und Gelegenheit finden auch kleinere Live-Auftritte der Patienten in den Kliniken statt. Insbesondere die Live-Auftritte zum Beispiel auf den Ehemaligentreffen oder zu anderen Gelegenheiten wie Silvester seien, so Heegt, die absoluten Highlights. Zu den beeindruckenden Erlebnissen in diesem Therapieangebot zähle zudem, wenn ein ausgewiesen guter Musiker sich nicht zu schade sei, sein Können mit weniger Talentierten zu teilen. Dann komme es immer wieder zu ergreifenden musikalischen Ereignissen.